Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kurz und knapp: "Fräulein Rühr-mich-nicht-an"

"Kurz und knapp", das heißt in meinem Blog: die flotte Rezension eines neuen Comics. Wenn alles glatt geht, kommt das jetzt jeden Montag.

Es gibt Comic-Künstler, deren Stil so sehr Schule gemacht hat, dass man es kaum noch ertragen kann. Ein solcher Fall ist Joann Sfar, dessen ironische Erzählweise und sein legerer Zeichenstil in Frankreich eine ganze Armada von Nachahmern im Kielwasser hat.

Dazu zählt auch das Autoren- und Zeichnerteam Hubert & Kerascoet mit ihrer Serie „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“, aber so epigonal die lustvoll im Klischee wildernden Frauenfiguren der Serie auch sind, hat man hier doch ein echtes Lesevergnügen. Denn die Sfar-Masche passt genau zum Thema: den Erlebnissen einer jungen Frau in einem Bordell im Paris der zwanziger Jahre (https://www.reprodukt.com/leseprobe.php?id=9783941099432&page=1). Die opulenten Szenerien jener Epoche, die üblichen Versatzstücke des Prostituiertenmilieus und nicht zuletzt die Schönheit der gezeichneten Frauen – alles das hätte auch aus Sfars Feder stammen können.

Immerhin hat es drei Leute gebraucht, um das so gut nachzuahmen, denn hinter Kerascoet verbergen sich gleich zwei Zeichner: Marie Pommepuy und Sébastien Cosset, während Hubert Boulard unter seinem Vornamen für die Geschichten zuständig ist. Vier Bände haben sie von „Fräulein Rühr-mich-nicht-an“ in Frankreich schon veröffentlicht, und sie erzählen darin die Geschichte einer Hure wieder Willen, die es schafft, Jungfrau zu bleiben und doch zur erfolgreichen Prostituierten aufzusteigen. Dabei geht es teilweise ziemlich zur Sache, aber Hubert sorgt für augenzwinkernden Humor und Kerascoet für zeichnerische Delikatesse, so dass Exzesse immer nur angedeutet werden und niemals Pornographie entsteht. Erotisch ist das aber durchaus, und der jetzt erschienene dritte Band, „Der Märchenprinz“, führt das Geschehen auf eine Weise fort, die neugierig macht auf den Abschlussband.