Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kurz und knapp: Lies mich, denn ich fress dich

Kannibalismus sind wir aus der Popkultur gewöhnt, aber Cibopathie? Wenn Sie wissen wollen, was das ist, müssen Sie den ersten Band der amerikanischen Comicserie "Chew" lesen. Ob Sie es aber wirklich so genau wissen wollen, wie es dann dort beschrieben wird, das ist im wahrsten Sinne des Wortes Geschmackssache.

Sehr appetitlich geht es nicht zu in „Chew“, einem Comic, der fast nach seinen Titelhelden benannt sein könnte, denn der heißt Tony Chu und arbeitet als chinesischstämmiger Polizist in einer amerikanischen Großstadt der sehr nahen Zukunft. Dass aus Chu denn doch „Chew“ wird, verdankt sich einer besonderen Fähigkeit des Detektivs: Er ist Cibopath, das heißt, er kann den Dingen, in die er beißt, anschmecken, was sie erlebt haben. Diese seltene Eigenschaft prädestiniert ihn zum Ermittler, allerdings heißt es auch, dass er von seinem Vorgesetzten aufgefordert wird, zum Beispiel bei Mord ein Häppchen von der … – na, Sie ahnen es schon.

Wie gut, dass im Amerika, in dem Chu lebt, Fleischkonsum generell verboten ist. Deshalb bekommt der Polizist vor allem Hühnchen in den Hals, denen er abschmecken soll, wer sie gezüchtet, geschlachtet, zubereitet und verkauft hat. Nur ist leider der illegale Fleischmarkt ein lukrativer Tummelplatz für allerlei Gesindel, und es wird mit harten Bandagen um die carnivoren Speak-Easys gekämpft, die sich über die gesamte Stadt verteilen. Ein feinschmeckerisch begabter Angehöriger der Lebensmittelaufsicht kommt da nicht besonders gut an. Und entsprechend rauh haben der Szenarist John Layman und der Zeichner Rob Guillory ihre Geschichte angelegt: nichts für schwache Magen. Aber was sie auf den kleinformatigen Seiten veranstalten, das ist virtuos in Form- und Farbenspiel. In den Vereinigten Staaten werden die beiden jungen (Guillory, Jahrgang 1982, https://robguillory.blogspot.com/) und nicht mehr ganz so jungen (Layman, Jahrgang 1969) Autoren gefeiert, in Deutschland muss man hoffen, dass der rührige Cross Cult Verlag mit dem ersten Band so viel Erfolg hat, dass es weitergeht. Denn wir haben ja gerade erst reingeschmeckt.