Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kurz und knapp: Ein Comic wie im Bilderbuch

Kein anderer Comiczeichner hat bislang den Oscar gewonnen. Shaun Tan gelang es in diesem Jahr: als Regiseur eines animierten Kurzfilms nach seinem eigenen Buch "The Lost Thing". Aber das wahre Meisterwerk des jungen Australiers ist "Ein neues Land", und dafür hat er nun auch noch den wichtigsten Jugendbuchpreis gewonnen. Höhere Ehrungen sind nicht mehr denkbar.

Heute einmal keine Empfehlung eines neuen Comics, sondern eines zeitlosen Meisterwerks. Es ist allerdings auch erst fünf Jahre alt, und nach Deutschland hat es noch später, 2008, gefunden, als erstes Buch eines jungen Zeichners, der vor drei Wochen die höchstdotierte Kinder- und Jugendliteraturauszeichnung der Welt zugesprochen bekommen hat, den mit einer halben Million Euro dotierten Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis. Shaun Tan heißt der Mann. Er ist ein Australier malaiischer Abstammung, der in Perth geboren wurde und nun in Melbourne lebt. Erst im Februar hat sein animierter Kurzfilm „The Lost Thing“ nach einem eigenen Bilderbuch den Oscar gewonnen, doch berühmt war Tan da schon, denn sein Buch „The Arrival“ (auf Deutsch „Ein neues Land“) ist in den letzten Jahren um die ganze Welt gegangen.

Und um diesen Band geht es hier. Es ist ein Comic, aber einer ohne Worte, darum fällt es Jurys so leicht, ihn auch als Bilderbuch zu prämieren. Aber den wichtigsten europäischen Comicpreis, den des Festivals von Angoulême“, hat „Ein neues Land“ auch schon gewonnen. Und das zu recht, denn Tan zeichnet darin in souveräner Comic-Manier eine surreale Welt, in die ein einzelner Mann einreist. Der stammt aus einer nur durch Symbole angedeuteten Diktatur und hat dort Frau und Tochter zurückgelassen. Nun versucht er, in der neuen Umgebung – die gestaltet ist, als sollten „Blade Runner“, Kafka und „Metropolis“ hier eine graphische Dreieinigkeit bilden – Fuß zu fassen, um die Seinen bald nachholen zu können. Tan zeichnet, als wäre er selbst irritiert über das, was sein Protagonist im neuen Land sieht, und so überträgt sich die Heimatlosigkeit auf den Leser. Dass das Buch zudem noch äußerlich wie ein altes abgegriffenes Familienfotoalbum gestaltet ist, macht das Ganze endgültig zum persönlichen Plädoyer für Mut und Toleranz. Wenn es einen Comic gibt, der die Migrationsdebatte bereichern könnte, dann dieser. Und die anderen beiden Bilderbücher, die der Carlsen Verlag von Shaun Tan im Programm hat, lohnen sich auch.

https://www.shauntan.net/