Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kurz und knapp: Ein Hund schreibt Technikgeschichte

Tiere sind in Comics oft die Hauptpersonen. Aber einen Hund wie Laika gibt es nicht zweimal: 1957 flog sie als erstes Lebewesen ins All, vierundfünfzig Jahre danach können wir die traurige Geschichte um diese technische Pionierleistung als Graphic Novel lesen: sehr gut recherchiert, weniger gut erzählt und gezeichnet.

Dieser Comic ist in Amerika 2007 zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Raumflugs eines Lebewesens erschienen. Und jetzt, genau pünktlich zum fünfzigjährigen Jubiläum des ersten bemannten Raumflugs, kommt er auch auf Deutsch heraus (beim Zürcher Atrium Verlag). Für die, die nun durcheinanderzukommen drohen, eine kurze Aufklärung: Juri Gagarin flog am 12. April 1961 mit „Wostok 1″ einmal um die Erde und blieb dabei knapp mehr als hundert Minuten im All, ehe er wieder auf der Erde landete. Viereinhalb Jahre zuvor aber, am 3. November 1957, hatte die Hündin Laika als erstes Lebewesen mit dem Raumschiff „Sputnik II“ die Erde verlassen. Zurückholen konnte man sie damals noch nicht, also verendete das arme Tier auf seiner Umlaufbahn.

Die Sowjetunion feierte das angeblich viertägige Überleben von Laika in der Schwerelosigkeit als wissenschaftlichen Triumph. Jahre später erst sickerte durch, dass der Hund bereits nach fünf Stunden der großen Hitze an Bord erlegen war. Aus diesem traurigen Schicksal hat der englische Comiczeichner Nick Abadzis ein zweihundertseitiges Buch gemacht, das nach seiner Heldin einfach „Laika“ heißt. Allerdings hätte es auch „Jelena“ heißen können, denn es gibt eine zweite Hauptperson: die Tierpflegerin Jelena Dubrowskaja, die sich um die Versuchstiere des sowjetischen Raumfahrtprogramms kümmerte. Ihre Zuneigung zu Laika und ihr Schmerz über deren Schicksal stellt Abadzis ins Zentrum, und es bleibt sogar noch Raum, vom Leben des Sergej Koroljow zu erzählen, der vom GULag-Häftling zum Chefkonstrukteur der russischen Raketen aufstieg.

Das ist thematisch hochinteressant und von Abadzis persönlich in Russland nachrecherchiert worden, aber die Dreiteilung der Geschichte tut ihrem Spannungsbogen nicht gut, und einen begnadeten Zeichner darf man Abadzis auch nicht nennen. So bleibt der Eindruck nach der Lektüre des Comics „Laika“ ebenso zwiespältig wie die Ergebnisse des Flugs von Laika: viel Aufwand für wenig Ergebnis.

https://www.nickabadzis.com/laika/