Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kurz und knapp (Kuk): Ein Comic kämpft gegen Magersucht

Eines der größten und gefährlichsten Gesundheitsprobleme unserer Zeit betrifft vor allem junge Frauen: Magersucht. Ingrid Sabisch hat dazu einen Comic gemacht: fiktiv, aber mit etlichen Hinweisen, auf welche Signale man achten muss - bei sich selbst oder als Angehöriger.

In dem Maße, wie Comics sich in der Wahrnehmung von Publikum, Kritik und Handel zur ernstzunehmenden Erzählform wandeln, kommen auch neue Themen auf. Nach den Graphic Novels sind Sachcomics der neue Trend, wobei sie durchaus auch gern unter der Flagge „Graphic Novel” segeln.

Im Falle von Ingrid Sabischs Geschichte „41,3 kg – Magersucht” ist diese Bezeichnung sogar zutreffend, denn die 1972 geborene Münchner Zeichnerin verpackt die dokumentarischen Aspekte ihres Stoffs in eine fiktive Handlung. Die vierzehnjährige Jessica ist in dieser Geschichte die „Heldin” (und das Wort muss man in Anführungszeichen setzen, um Missverständnisse zu vermeiden, denn die Netzadresse von Ingrid Sabisch lautet ausgerechnet www.die-heldin.de, und ein Selbstporträt soll der Comic nicht sein). Jessica lebt bei toleranten Eltern, hat einen erträglich besserwisserischen älteren Bruder und ist in der Schule gut integriert. Aber sie ist unglücklich mit ihrem Äußeren: Sie findet sich zu dick, und damit kommt ein Teufelskreis in Gang, der das Mädchen erst ihren Freundinnen und Angehörigen entfremdet und dann auch noch sich selbst.

Natürlich spielt der pädagogische Effekt eine wichtige Rolle: Das Gütersloher Verlagshaus mit seinem Schwerpunkt bei Religion und Gesellschaft sieht in diesem Comic die Chance, über die Volkskrankheit Magersucht, die hauptsächlich junge Frauen betrifft, aufzuklären und zu helfen. Deshalb steht das Geschehen im Zeichen eines glücklichen Endes, das am Ende doch etwas hopplahopp kommt. Für ihre Bilder wählt Ingrid Sabisch jenen Stil, der bei deutschen Comic-Erzählerinnen derzeit sehr en vogue ist: skizzenhaft angelegte Bleistiftzeichnungen. Was ihr dabei gut gelingt, ist die Individualisierung der Figuren – und das ist in diesem Stil eine nicht geringzuschätzende Kunst.