Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kuk: Herrscher über das kleinste Königreich der Welt

Was für eine Entdeckung: Ein deutscher Kleinverlag publiziert den Comic-Strip über das kleinste Königreich der Welt. Jack Kent hat mit "King Aroo" 1950 eine der skurrilsten und liebevollsten Bildergeschichten geschaffen.

Wer wissen will, woher König Aroo seinen Namen hat, der wird schnell zufriedengestellt. Schon in der zweiten Folge des im November 1950 begonnenen Comic-Strips „King Aroo“ hüpft ein Känguruh ins Bild, um auch weniger findigen Lesern die phonetische Ähnlichkeit zwischen Herrscher und Beuteltier vorzuführen. Wobei King Aroo ein Mensch ist – neben seinem Lordoberzauberer Yupyop sogar der einzige im Königreich Myopia, das mit seiner Fläche von knapp einem Morgen aber auch kaum Platz für mehr Untertanten böte. Dabei gibt es noch etliche mehr: Mr Pennipost etwa, das Känguruh, das als Briefträger amtiert, die Maus Wilbur, den harmlosen Drache Drexel, den gedächtnisschwachen Mr. Elephant und weitere (wobei die 1951 durchgeführte Volkszählung in Myopia ergab, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus den Mitgliedern einer Kaninchensippschaft besteht).

Dieses märchenhafte Königreich hat der 1920 geborene Amerikaner Jack Kent ersonnen, und er tat es als zeichnerischer Autodidakt deshalb, weil ihn die Comicserie „Krazy Kat“ von George Herriman als Kind so begeistert hatte. Deren Freude am Wortspiel und der bizarren Vermenschlichung sprechender Tiere bestimmt denn auch „King Aroo“. Allerdings ist es bemerkenswert, wie der Humor von Kents Serie dem von zwei anderen Strips entspricht, die zur gleichen Zeit in amerikanischen Zeitungen debütierten: „Pogo“ von Walt Kelly und „Peanuts“ von Charles Schulz. Und könnte man nicht ausschließen, dass Kent Schwedisch beherrschte, hätte er sich auch von Tove Janssons 1947 begonnenem Comic mit ihren „Mumin“-Figuren anregen lassen können. Aber die erschienen erst 1954 in Amerika.

„King Aroo“ ist genauso liebevoll, nur etwas kindischer im Humor als diese anderen zauberhaften Serien. Und sie war so gut wie vergessen worden, nachdem Kent sie 1965 eingestellt hatte, um sich ganz der Illustration von Bilderbüchern zu widmen. Nun aber ist nicht nur eine amerikanische Gesamtausgabe begonnen worden, sondern deren erster Band ist vom rührigen Bonner Kleinverlag Bocola (der schon „Prinz Eisenherz“ in einer großartigen Gesamtausgabe publiziert) auch für den deutschen Sprachraum übersetzt worden, wo die Zahl der Leser, die die Serie vorher schon kannten, bestenfalls im dreistelligen Bereich liegen dürfte. Wenn sie fortan vierstellig würde, wäre für die Geschmacksbildung unseres Landes einiges geleistet.

LINKS: https://www.bocola.de/cms/upload/bilder/KingAroo_Leseprobe.pdf