Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kuk: Alle Fakten zum deutschen Comic

Jahrbücher für Comic gibt es in Deutschland schon einige. Aber der gerade gestartete "Comic Report" ist anders: kleiner im Format, größer im Anspruch. Denn hier wird nachgehakt, wenn es um das geht, was den Comicmarkt bewegt hat. Das ist fürs Fachpublikum genauso interessant wie für die Liebhaber einzelner Comics. Und damit wir nicht jeweils ein ganzes Jahr auf die Fortsetzung warten müssen, wird die Publikation um eine ständig aktualisierte Webseite ergänzt.

Lieben Sie Comics? Gut, die Frage ist naiv. Was täten Sie sonst hier in diesem Blog? Aber dann lesen Sie doch auch mal etwas über die Marktlage für Comics. Trockener Stoff, meinen Sie? Nicht unbedingt, denn es ist zum Beispiel spannend, was sich in Deutschland an Comics gut verkauft und was nicht. Es ist auch schön zu hören, was der Abdruck eines Comics in der F.A.Z. für das spätere Buch bewirkt (sowohl bei „Faust“ von Flix als auch bei Ralf Königs Geschichten zum Alten Testament).

Aber wo findet man solche Fakten? Bislang fand man sie gar nicht, oder bestenfalls musste man sie aus Dutzenden einzelner Artikel aus den unterschiedlichsten Publikationen zusammensammeln. Nun aber gibt es den „Comic Report“, ein zum Debüt 144 Seiten umfassendes, im A5-Format gedrucktes Jahrbuch, das über die letztjährige Entwicklung des Comics in Deutschland Auskunft gibt – zum Spottpreis von 9,95 Euro. Hinter der Fleiß- und (wie die Herausgeber versichern) auch Spaßarbeit stehen mit Volker Hamann und Matthias Hofmann zwei echte Kenner. Hamann setzt mit seiner halbjährlich erscheinenden Zeitschrift „Reddition“ seit mehr als zwei Jahrzehnten den Maßstab für Comicgeschichtsschreibung in Deutschland, Hofmann ist einer der aktivsten deutschen Fachrezensenten und Chefredakteur bei Splashcomics, einem großen Comic-Portal im Netz.

Für ihr gemeinsames Baby „Comic Report“ haben sie rund zwei Dutzend weitere Experten als Autoren gewinnen können und vor allem mit allen namhaften deutschsprachigen Comicverlagen Gespräche über deren Erfahrungen im Jahr 2010 geführt. Das allein muss eine immense Arbeit gewesen sein, aber das Ergebnis rechtfertigt sie: Man erfährt Dinge, die sonst niemals zu erfahren waren. Dazu gibt es einen essayistischen Artikel à la „Reddition“ über Jijés Westernserie „Jerry Spring“ und viele weitere Texte über Genres, Veranstaltungen, Personalien – kurzum: alles, was man wissen möchte, und auch einiges, was man lieber nicht gewusst hätte, wenn man Comic liebt. Und erst das macht ja die Qualität aus: dass man auch nichts schönredet. Im Netz gibt es übrigens auf einer ergänzenden Webseite (https://www.comic-report.de/cms/) noch zusätzliche Rezensionen und Informationen. Und wie aktuell da gearbeitet wird, konnte ich mir selbst ansehen. Denn noch während ich an diesem Eintrag schrieb, erreichte mich schon die Anfrage des „Comic Reports“, ob ich zu einem bestimmten Thema ein paar Auskünfte geben könnte. Die waren dann schneller im Netz als mein eigener Text. Da entwickelt sich offenbar ein denkbar aktuelles Forum.