Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kuk: Macht den Micky nicht so modern!

Alle paar Jahrzehnte versucht sich der Disney-Konzern an einer Modernisierung von Micky Maus. Diesmal soll ein Computerspiel dabei Vorreiter sein, "Mickey Epic", und den Comic dazu gibt es jetzt auch schon.

Für einen Donaldisten wie mich ist es hart, über Micky Maus zu schreiben. Einerseits, weil die Figur im Vergleich mit Donald Duck natürlich langweilig ist, andererseits, weil sie ungeachtet dieser Tatsache viel berühmter ist. Und nun hat sie auch noch ein Computerspiel auf den Leib entwickelt bekommen, von dem sich der Disney-Konzern einen Riesenerfolg verspricht: „Mickey Epic“.

Wenn man bedenkt, dass dahinter der legendäre Videospiele-Erfinder Warren Spector („System Shock“, „Deus Ex“) steckt, ist diese Hoffnung auch nicht allzu vermessen. Und damit die Sache multimedial richtig kassenträchtig wird, ist nun gleich noch ein Comic dazu produziert worden, der so heißt wie das Spiel, nur deutsch geschrieben (Mickys Name; natürlich ist niemand darauf gekommen, „epic“ in „episch“ oder wenigstens „Epos“ zu übersetzen): „Micky Epic“ also. Der Band nimmt die Computerästhetik des Spiels auf – die dunklen Farben, die Dynamik der Bewegung, vor allem aber den bewusst nostalgischen Look der Figuren – und macht damit etwas, was vor anderthalb Jahrzehnten schon einmal versucht wurde: als der deutsche Zeichner Ulrich Schröder den damals ganz neuen Kurzfilm „Micky Monster Maus“ in einen Comic umsetzte und dabei zurückging zum klassischen Erscheinungsbild der Maus aus den dreißiger Jahren mit kurzer roter Hose und schwarzen Knopfaugen.

So macht es auch das Videospiel, das mit allen Versatzstücken der Disney-Geschichte spielt. Nun hätte man sich wunderbar vorstellen können, dass Schröder mit seinem Gespür für die Figur auch für „Micky Epic“ engagiert worden wäre, doch diese Aufgabe haben dann die Italiener Fabio Celoni und Paolo Mattura zugeschustert bekommen, und die haben leider weniger Gespür bewiesen. Denn ein Traditions-Micky verträgt keine modische wilde Seitenarchitektur, und die extrem intensiven Neonfarbtöne sind auch eher schrecklich. Immerhin aber orientiert sich die Handlung sklavisch am Spielablauf, und so spart die Lektüre diese Comics etliche Stunden Mühe vor dem Bildschirm. Auch was wert.

https://www.disney.de/micky/micky-epic.jsp#/micky-epic/micky-epic