Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kuk: Alte Bärte zeichnen ist leicht, nicht wahr, Karl Marx?

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Sachcomics sind auf dem Vormarsch. Und wer den Marxismus verstehen will, ist mit Rupert Woodfins und Oscar Zarates gezeichneter Einführung nicht schlecht bedient. Aber ein Comic ist es nun doch nicht.

Niemand wird mir vorwerfen können, nicht immer wieder den Siegeszug des Sachcomics beschworen zu haben. Längst haben etwa Joe Sacco mit seinen Comicreportagen über Palästina oder den Bosnien-Krieg oder Jens Harders Evolutionsgeschichte „Alpha“ international für Furore gesorgt – weil sie etwas leisten, was Sachbücher oder Dokumentarfilme nicht tun: Wort und Bild zu verbinden (das fehlt dem Buch), und zwar so, dass der Leser seinen eigenen Rhythmus finden kann (das fehlt dem Film). So macht es auch der Band „Marxismus“, den Rupert Woodfin, ein amerikanischer Autor, und der argentinische Comiczeichnerveteran Oscar Zarate gemeinsam erstellt haben.

Darin werden die Grundzüge des Marxismus auf 170 illustrierten Seiten erläutert, erfreulicherweise nicht oberflächlich, sondern trotz der knappen Länge fundiert und systematisch ambitioniert. Aber was wir da zu sehen bekommen, ist kein Sachcomic, wie es der Untertitel behauptet und der Name des deutschen Verlags (infocomics) vermuten ließe. Zarate hat schwarzweiße Zeichnungen im Stile eines Bilderbuchs angefertigt, die nur durch längere erläuternde Textpassagen zu einer kontinuierlichen Ausführung verbunden werden. Sprechblasen, die mit Originalzitaten aus den Werken von Marx, Engels, Hegel und etlichen anderen für die Entwicklung des Marxismus wichtigen Autoren bis hin zu Baudrillard gefüllt sind, sind zwar eine schöne Idee, aber dadurch wird die Trennung von Zarates Bildern und Woodfins Texten noch weiter zementiert.

Und das, was den Vorzug von Sachcomics außerdem ausmachen sollte – eine im buchstäblichen Sinne Veranschaulichung des Themas -, wird geopfert zugunsten eines Bildschemas, das auf möglichst leicht wiedererkennbare Figurentypen setzt. So bleibt zum Beispiel Marx immer schon weißbärtig, auch wenn es um seine jungen Jahre geht. Das macht es den Lesern einfach, dem Zeichner sowieso, aber einfach machen darf es sich ein Sachcomic gerade nicht.

https://www.tibiapress.de/infocomics-marxismus-mehr/


1 Lesermeinung

  1. <p>Hallo, danke...
    Hallo, danke zunächst.
    Aber das ist wirklich das Problem, dass „gattungstechnisch“ kein reiner Comic bei den Infocomics herausgekommen ist. Wir finden aber auch, dass es allemal mehr ist als ein illustriertes Sachbuch, weil zumindest die Bilder eine eigene Ebene abgeben..
    Aber zugegeben, Joe Sacco ist etwas anderes.
    Ich kenne den Begriff „Sachcomic“ von der Rowohlt-Reihe „für Anfänger“, auflagen stark in den 70er, die Bücher sahen allerdings auch nicht anders aus.
    Darf man Nicht-Leser mit dem Begriff „Comic“ ködern?
    Grüße
    Wilfried Stascheit
    Verleger TibiaPress

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