Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Schlumpf mal an, ist das eine Pracht!

Durchs Kino sollen sie das ganz große Comeback erleben: Mit den Schlümpfen wird eine der erfolgreichsten Comicserien Europas wiederbelebt. Aber was ist schon 3D-Technik gegen den unverwüstlichen Charme der unschuldigen Zeichnungen, die Peyo, der legendäre Erfinder der Schlüpfe, vor einem halben Jahrhundert aufs Papier geworfen hat? Hier ist das Buch, in denen wir sie in nie zuvor gesehener Qualität sehen können.

In größter Gefahr wächst das Rettende auch. Kaum ist die geschmacklose 3D-Verfilmung der Schlümpfe weltweit in die Kinos gekommen, in der animierte Plastikplüsch-Riesenzwerge, die mit den Originalen außer der blauen Hautfarbe nicht mehr viel zu tun haben, ihr Wesen ausgerechnet in New York treiben (weiter weg kann und soll man vom tiefen Wald, in dem die Schlümpfe eigentlich beheimatet sind, nicht sein) – ausgerechnet da also erscheint in Frankreich ein Buch, das zum Schönsten zählt, was jemals über die Schlümpfe herausgekommen ist. Der geradezu akademische Titel lautet „Pierre Culliford, dit Peyo – La vie et l’oeuvre d’un conteur merveilleux“. Damit ist klar, es geht um Leben und Werk des Erfinders der Schlümpfe, der unter dem Pseudonym Peyo gezeichnet hat.

Dieser Pierre Culliford (1928 bis 1992) war ein Meister des belgischen Comics, dessen Figuren eine weiche Eleganz erreichten, die der eher satirische Strich seines Freundes André Franquin meist vermied. Und die Schlümpfe, die erstmals am 23. Oktober 1958 als Nebenfiguren in Peyos erster Erfolgsserie „Johann und Pfiffikus“ auftraten, sind sein Geniestreich. Gedankt haben es ihm Generationen von Lesern und dann leider auch die amerikanischen Fernsehzuschauer der achtziger Jahre, die sich an der Trickfilmserie „The Smurfs“ delektierten und den Welterfolg erst komplett machten (wodurch die Schlümpfe ihren ursprünglichen Zauber einbüßten, denn fortan mussten sie ja einem Millionenpublikum rund um die ganze Welt entsprechen).

Der frühe Tod des Zeichners warf die Schlümpfe dann endgültig aus der Bahn, doch die Kasse klingelte weiter, und nun ist mit dem 3D-Filmmonster der ganz große Wurf geplant. Aber selbst, wenn er gelungen wäre – den Charme der frühen Schlumpfjahre hätte er nie erreicht. Und genau den präsentiert der wunderbare französische Band, den der Comic-Experte Eric Leroy als Katalog zu einer gigantischen Ausstellung in den Räumen des Auktionshauses Artcurial zusammengestellt hat, für die die Familie Culliford erstmals ihre eigene Sammlung zugänglich machte. Wenn Sie, liebe Leser, kein Wort Französisch sprechen, macht das nichts, denn alle Artikel im Buch sind auch auf Englisch abgedruckt, und wenn Sie auch keine Lust haben, sich mit Englisch zu quälen, dann macht das auch nichts, denn um die sämtlich nach den Originalzeichnungen reproduzierten Comicseiten zu verstehen, braucht man sie nicht einmal zu lesen.

Ja, dieses Buch ist ein Fest. Leider muss man allerdings befürchten, dass die Ausstellung im führenden europäischen Comic-Auktionshaus nur der Anlauf ist für eine große Versteigerung bei Artcurial, in der die blauen Zwerge weiter versilbert werden. Verschlumpft und zugenäht!

https://www.artcurial.com/pdf/presse/2011/expo-peyo.pdf