Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Das Geheimnis des Erfolgsschriftstellers

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Aus der Flut von französischen Comics die Perlen herauszufischen, ist eine Kunst. Einer, der darin Übung hat, ist der Verlag Salleck Publications. Bei ihm erscheint jetzt „Die schwarze Seite" - ein Krimi, ein Politdrama und eine Mentalitätsstudie des Literaturbetriebs.

Carson McNeal ist ein Großschriftsteller, aber niemand kennt ihn persönlich. Das klingt seltsam. Doch so ungewöhnlich, wie der von Frank Giroud und Denis Lapière geschriebene und von Ralph Meyer gezeichnete Comic „Die schwarze Seite“ zu sein scheint, ist er gar nicht. Man denke nur an Thomas Pynchon oder Walter Moers, die sich auch jedem Journalistenbesuch verweigern und von denen keine aktuellen Fotos existieren. Da könnte doch eine junge Journalistin vom Schlage einer Kerry Stevens, wie die Heldin in „Die schwarze Seite“ heißt, durchaus einmal auf den Gedanken kommen, im jeweiligen Verlag herumzuschnüffeln, um zumindest die Postadresse der geheimnisumwitterten Autoren herauszubekommen. Dann führe sie hin, provozierte mit dem Bewohner des betreffenden Hauses einen Autounfall, und schon wäre man in Kontakt.

So fängt die fiktive Geschichte mit Kerry Stevens und Carson McNeal denn auch an. Dass sie sehr ungewöhnlich weitergeht, verdankt sich jedoch der dritten Hauptperson: Afia Maadour, der Protagonistin von McNeals gerade in Arbeit befindlichem neuen Roman „Der Teufel und die Puppe“. Die Handlung dieses Romans dringt immer wieder ins Geschehen von „Die schwarze Seite“ ein, und Ralph Meyer zeichnet die Romanepisoden in einem anderen Stil als die Rahmenhandlung. Letztere ist in kühlen blaustichigen Farben gehalten und in klarer Linie ausgeführt, Afias Erlebnisse dagegen sind blutrot und auf malerische Weise angelegt. Verwechslungsgefahr besteht also nicht. Oder doch?

Das ist der erzählerische Kniff von „Die schwarze Seite“: wie Realität und Roman zusammenhängen. Es hier genauer zu erzählen, würde dem Comic die Spannung nehmen, also nur so viel dazu, dass ein Massaker israelischer Soldaten an einer libanesischen Familie eine wichtige Rolle dabei spielt. Wenig ist am Ende noch so, wie man es sich anfangs gedacht hätte. Das ist man von Frank Giroud, einem Virtuosen des verschlungenen Erzählens, gewohnt. Aber dass auch grafisch nicht viel beim Alten geblieben ist, wenn man am Ende von „Die schwarze Seite“ anlangt, das ist eine schöne Überraschung.

Man liest den Band wie einen Krimi: schnell, obwohl er hundert Seiten umfasst. Und wie die persönlichen Schicksale der Hauptfiguren Stück für Stück aufgedeckt werden, ist sehr geschickt gemacht. Ein wirklich schöner Comic also, dessen deutsche Ausgabe nur ein Manko aufweist: Ausgerechnet die letzte Doppelseite ist aus Versehen mit niederländischen Texten gedruckt worden. Das ist die Crux internationaler Zusammenarbeit bei solch aufwendigen Vorhaben. Erfreulicherweise kann man sich Niederländisch recht leicht erschließen. Aber wenn es nun Finnisch gewesen wäre…


1 Lesermeinung

  1. Das ist doch mal ein...
    Das ist doch mal ein Geschmackshappen, werde mir das Buch definitv kaufen und lesen, freue mich wirklich sehr darauf. Viele Grüße!

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