Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Purer Luxus gefällig?

Das schönste Buch des Jahres kommt aus Frankreich. Das Comiczeichner-Duo Dupuy-Berberian versammelt darin Auszüge aus seinen Reiseskizzenbüchern der letzten fünfzehn Jahre. Die gezeichnete Tour um die ganze Welt hat allerdings einen stolzen Preis.

Irgendwann habe ich in einem Anfall von Wahnsinn geschrieben, dass es Comiczeichner gibt, von denen man einfach alles haben muss, was sie publizieren. Bei einem, den ich dann nannte, Joann Sfar, habe ich längst aufgegeben – man kommt einfach nicht nach, wenn ich auch immer noch versuche, die Art-Books zu seinen Filmprojekten zu erwerben. Aber als Sfar vor einigen Jahren als Hauskarikaturist bei der Satirezeitung „Le canard enchainé“ agierte, hatte ich mich schon nicht mehr für ein Abonnement des Blattes erwärmen können. Auch seine Kinderbücher besitze ich nicht lückenlos. Seitdem sehe ich den eigenen Anspruch gelassener.

Bisweilen aber wird man von Freunden an die vorlaute Bemerkung erinnert. Deshalb gilt das Ideal des „Alles, alles, alles“ in Einzelfällen immer noch. Zum Beispiel bei Philippe Dupuy und Charles Berberian, die ihre gemeinsamen Arbeiten mit „Dupuy-Berberian“ signieren und tatsächlich bis zum Jahr 1994 ununterscheidbar waren. Dann kam „Journal d’un Album“ heraus, das zwar auch beide zusammen gezeichnet hatten, aber erstmals, ohne ihre jeweiligen Stile aufeinander abzustimmen. Diese Selbstpreisgabe machte das Duo aber nur noch berühmter, und seitdem ist die alte Perfektion der ununterscheidbaren Hände vielfach vernachlässigt worden – nicht zuletzt in Solo-Projekten beider Zeichner, die ich natürlich auch alle kaufe.

Denn Dupuy und Berberian sind grandiose Zeichner und Erzähler. Der „New Yorker“ hat das ebenso gemerkt wie manche französische Firma, für die das Duo gegen gutes Geld Werbung gestaltet. Das hat ihre reguläre Comic-Produktion mehr und mehr schwinden lassen, was die Komplettierung leichter macht. Die Künstler konnten es sich auch erlauben, viel unterwegs zu sein, oft auch das gemeinsam. Und da beide manische Zeichner sind, haben sie auf allen Reisen ihre Skizzenbücher dabei. In gebührendem Abstand wurden einzelne Konvolute daraus veröffentlicht: Bislang gibt es wunderschöne querformatige Broschüren mit Impressionen aus Barcelona, Lissabon, New York, Tanger und Istanbul. Aber natürlich war das Duo noch an viel mehr Orten.

Nun ist, rechtzeitig vor Weihnachten, in Frankreich ein berückend schönes Buch erschienen, das einfach „Dupuy-Berberian Artbook“ heißt und auf 250 Skizzen von dreiunddreißig Reisen der letzten fünfzehn Jahre versammelt. Eine ist schöner als die andere, selbst wenn es sich um auf den ersten Anschein weniger glamouröse Orte wie Lot, die Costa Brava oder Helsinki handelt. Dupuy und Berberian verstehen es meisterhaft, Stimmungen in schnellen Stricken festzuhalten, mal mit der Feder (meist Berberian), mal mit dem Pinsel (meist Dupuy), und so entstehen höchst individuelle Stadtporträts, die selbst dem Allerbekanntesten wie Venedig oder Prag noch neue Facetten abzugewinnen wissen. Das Sprachproblem ist vernachlässigbar, weil diese Bilder für sich sprechen.

Nun der Haken dieser Pracht: der Preis. Er liegt regulär bei 45 Euro, aber für die ungleich schönere querformatige, limitierte, auf besserem Papier gedruckte, im Schuber verpackte und durch zwei (allerdings nicht signierte) kleine Serigrafien ergänzte Luxususgabe sind mehr als 150 Euro fällig – sofern von den neunhundert Exemplaren überhaupt noch welche aufzutreiben wären. Doch wer von Dupuy und Berberian alles haben will, der braucht eben die angereicherte teure Version. Sie ist auch jeden Cent des exorbitanten Preises wert. Und für weniger Irrsinnige tut es die reguläre Ausgabe auch.