Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Kubanische Geschichte als Reklamecomic

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Ein berühmter Rumhersteller hat sich zwei anerkannte Comic-Größen als Autoren eines Werbecomics geleistet. Kommt dabei etwas Lesenswertes hinaus?

Diesen Comic können Sie nicht kaufen, aber als Download lesen (https://www.bacardi.com/de/heritage/spirit-of-bacardi). Und es wäre ja auch noch schöner, wenn Reklame vom Leser bezahlt werden müsste, denn nicht anderes ist die zwanzigseitige Geschichte „The Spirit of Bacardí“. Finanziert hat sie ein Spirituosenhersteller, dessen Name dem Titel des Comics unschwer zu entnehmen ist. Gedruckt hat er auch ein paar Exemplare, sogar im Überformat, aber die gehen nur an Freunde des Hauses und die Presse. Und wäre an dieser Sache nicht Warren Ellis beteiligt, lohnte sich kein Wort darüber zu verschwenden.

Wer ist Warren Ellis? Ein gefeierter britischer Comicszenarist, mittlerweile 46 Jahre alt. Sein Meisterstück ist immer noch die 1997 gestartete und 2002 beendete Serie „Transmetropolitan“, eine im Noir-Erzählstil gehaltene Krimi-Science-Fiction-Dystopie, die Darick Robertson zeichnete. Der Clou daran war, dass die beiden Schöpfer die Rechte an ihren Figuren behielten, sosehr der DC-Verlag auch Druck machte, dass sie wie üblich alles an den Comic-Giganten abtreten sollten. Deshalb tut es so weh, Ellis jetzt als Lohnschreiber für einen Rumhersteller wiederzufinden.

Die berühmteste Comicserie aus seiner Feder dürfte mittlerweile „Red“ sein, aber nicht ihrer Qualität, sondern der beiden Verfilmungen wegen. Als Autor der „X-Men“ oder „Hellblazer“ hat er Erfahrung im Mainstream gesammelt. Der kommt seiner neuen Geschichte aber nur insofern zugute, als dass die Rollen von Gut und Böse eindeutig verteilt sind. Gut – das ist Emilio Bacardí Moreau (1844, der Sohn des Gründers einer im kubanischen Santiago angesiedelten Destille. Er ist so rein wie das Produkt des Familienunternehmens zu sein behauptet (auch wiederholt in diesem Comic), und deshalb kämpft er auch erst gegen die spanischen Kolonialherren (böse) und verlangt dann von den mit den kubanische Patrioten verbündeten Amerikanern Zugeständnisse. Am Ende wird er erster gewählter Bürgermeister seiner Stadt, und alles kommt auf den besten Weg.

Das ist eine wunderschöne Legende, die Ellis in den Firmenarchiven recherchiert haben will. Nun befinden sich die seit 1960 in den Vereinigten Staaten, denn als Fidel Castro im Geiste von Don Emilio die Unabhängigkeit Kubas gegen die amerikanische De-facto-Kolonialmacht erkämpfte, geschah das unter sozialistischen Vorzeichen, und das war einer mittlerweile zum Weltunternehmen gewordenen Firma alles andere als recht, also ging sie außer Landes. Das ist bis heute so geblieben.

Es steckt also ein heikles Thema in diesem Comicprojekt, das sich vor allem auf die Jahre von 1896 bis 1900 konzentriert, als Emilio seine politische Laufbahn begann. Natürlich liegt die Betonung eines freien Kubas, die Emilios Kampf befeuerte, genau auf der Linie der heutigen Exilkubaner, die sich gegen die Unterdrückung des Landes durch das Castro-Regime wenden. Zugleich aber war vor mehr als hundert Jahren nicht alles Sonnenschein im Verhältnis mit den Vereinigten Staaten. Das aber dufte oder wollte Ellis nur andeuten, und natürlich wandelt sich der anfangs arrogante amerikanische Militärgouverneur zum größten Unterstützer von Emilios Reformpolitik.

Dass verdächtig oft in den Dialogen die Vorzüge des von der Familie hergestellten Getränks gepriesen werden, sollte man einem Reklamecomic nachsehen. Die Geschichtsklitterung dagegen nicht. Und auch nicht die chronologische Konfusion, die Ellis anrichtet, wenn er seine Geschichte 1896 auf einem Konvent der Republikanischen Partei in St. Louis beginnen lässt, wo ein greiser Kuba-Freund anhebt, die Geschichte zu erzählen, die dann auf den folgenden neunzehn Seiten gezeichnet wird, ihren Schlusspunkt aber wie erwähnt erst 1900 findet. Hat der alte Mann wirklich vier Jahre lang erzählt?

Immerhin sind die Zeichnungen schön anzusehen. Der für seinen Retrostil bekannte Michael Allred baut Kulissenbilder auf, die zwar immer künstlich wirken, aber dennoch stimmungsvoll sind. Die klaren Linien der Dekors und die statischen Posen der Akteure verdanken Chris Wares Einfluss viel, leider aber sind die Figuren bestenfalls zeichnerischer Durchschnitt. „Unbezähmbar seit 1862“ lautet das derzeit aktuelle Motto des Unternehmens. Dieser Comic aber ist entschieden zu zahm. Er entspricht den Werbefilmchen, die in den achtziger und neunziger Jahren im Kino liefen. Schön anzusehen und banal.


1 Lesermeinung

  1. Langweilig
    Es lohnt sich nicht die Geschichte zu lesen und auch nicht darüber einen ernsten Kommentar zu verfassen. Kritisch ist eher der Kommentator zu betrachten, der aus einer moralisch überheblichen Position beurteilt, welche Geschichten der Comicautor zu verfassen hat. Die Comics von Warren Ellis haben jedenfalls keinen höheren intellektuellen Gehalt als Groschenromane wie Perry Rhodan oder Jerry Cotton. Auf diesem Nivau lohnt es sich nicht über Niveau zu reden, denn es werden, im Comic wie im Groschenroman, lediglich erfolgreiche Versatzstücke immer wieder kopiert und wiederholt. Soap-Opera. Aber offenbar schön, bzw. nur schön, wenn das eigene Weltbild bestätigt wird.

    Die Geschichte ist als Baccardi-Werbung identifiziert. Mehr gibt es darüber nicht zu sagen, außer man macht sich ernsthaft Sorgen um die geistige Gesundheit der Zielgruppe der Baccarditrinker.

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