Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Zeichnenlernen lustig gemacht

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In meinen (donaldistischen) Kreisen pflegt man bei überzeugenden – manchmal auch weniger überzeugenden – Argumenten zu sagen: „Peng, du bist hypnotisiert!“ Danach ist alles möglich, auch das zuvor für unmöglich Gehaltene, sofern man eine medial veranlagte Person ist, aber wer könnte denn medialer veranlagt sein als ein Medienmensch? So kann ich nun feststellen: Peng hat mich hypnotisiert.

Wer ist Peng? Ein österreichischer Cartoonist, der seinen wahren Namen zu hüten weiß, obwohl er schon seit Jahrzehnten im Geschäft ist. Der wahre Name ist aber erfreulicherweise so gewöhnlich, dass es wohl etliche hundert andere gleichnamige Kandidaten gäbe, wenn jemand, der sich durch Peng verspottet fühlte, auf Rachefeldzug ausginge. Also geht sich ein solcher Plan nicht aus, wie die Österreicher es formulieren. Obwohl Peng durchaus bösartig sein kann: Wie seine Arbeiten aussehen, kann man sich auf seiner Homepage ansehen, unter http://www.peng-cartoons.com/peng_aktuell.html.

Das Buch, um das es hier geht, ist aber alles andere als bösartig. Es ist geradezu liebevoll, denn es geht um Pengs große Leidenschaft: das Zeichnen. Und die Vermittlung dieser Kunst. Den Buchtitel kann ich typographisch in diesem Blog nicht erzeugen, also schaue man sich die Homepage des Verlags DuMont an: https://www.dumont-buchverlag.de/buch/peng-ich-kann-zeichnen-9783832199982/, und dann hat man auch sofort eine aussagekräftige Leseprobe. Peng richtet sich mit seinem Werk an Leute wie mich, die nicht zeichnen können.

Nein, kann ich wirklich nicht. Womöglich schreibe ich deshalb so gerne über Zeichner; es gibt ja auch Millionen Deutsche, die sich ständig wie Fußballbundestrainer gerieren. Peng verheißt aber nun, dass er Leuten wie mir das Zeichnen beibringen könne, und so ist sein „Ich kann (nicht) zeichnen“ (so geht’s dann doch ohne typographische Kniffe) streng didaktisch aufgebaut und führt mich vom Strichmännchen zu Hund und Katz („perfekt für Glückwunschkarten oder Poster´“). Was soll ich sagen: Ich habe die Lektionen der 160 großformatigen Buchseiten gelernt und kann noch immer nicht zeichnen, wenn’s nach meinen Maßstäben geht. Jedoch besser als zuvor. Wozu nicht viel gehörte.

Peng bietet aber viel. Vor allem schaut man sich seine Übungen gerne an, denn wie er da wirklich aus nur ein paar Strichen lebendige Figuren entstehen lässt, das ist lustig und in manchen Kommentaren zu den eigenen Vorlieben auch geistreich. Der Mann kann auch schreiben. Manche seiner Kreaturen sind überdies sehr hübsch anzusehen, vor allem seine Vögel, Katzen und Hunde – auf die verwendet er deutlich mehr Sympathie und Sorgfalt als auf die Menschen, aber wir sind ja auch eine (moralisch) hässliche Spezies. Nach Detailerläuterungen („coole Köpfe“, „flotte Frisuren“ – Peng hat einen manchmal unseligen Hang zu Alliterationen, aber womöglich hat auch er zu viel Erika Fuchs gelesen) kommen dann allgemeinpraktische Tips zum Ausmalen, Kolorieren, ja selbst zum abstrakten Zeichnen. Das fiel mir übrigens schwerer als das konkrete. Meine Spiralen sehen nicht halb so überzeugend aus wie die von Peng.

Trotzdem fühle ich mich tatsächlich ein bisschen hypnotisiert durch dieses Buch, als hätte es aus mir plötzlich einen wagemutigeren Menschen gemacht. Wie gesagt, keinen guten Zeichner, aber vielleicht einen freieren? Wobei ich schon gerne auf diesem Feld etwas Größeres wäre (wie wir Donaldisten zu sagen pflegen).


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