Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Gezeichnetes Zeichnenlernen nicht nur für Kinder

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Kürzlich war ich auf der Kibum. Klingt gefährlich: als zündelte da etwas, und dann folgte die Explosion. Wir Comicleser denken ja onomatopoetisch. Aber das Akronym steht für „Kinderbuchmesse“, und die gibt es seit fast einem halben Jahrhundert jedes Jahr im Herbst in Oldenburg. Nicht eben um die Ecke, aber der an der dortigen Universität Kinder- und Jugendliteratur lehrende Thomas Boyken bereicherte das Rahmenprogramm der diesjährigen Kibum um eine Tagung zu Comics (in Kooperation mit der Universität Leipzig). Und daran habe ich teilgenommen.

Die Kibum hat sich längst für Comics geöffnet (ganz im Gegensatz zu vielen Kinder- und Jugendbuchexperten, die gerne immer noch die Schmutz-und-Schund-Debatte der fünfziger Jahre führen). Ihr diesjähriges Motto lautete: „Mehr als krach & bumm! KIBUM, Comics und Graphic Novels“, und damit trägt sie der Tatsache Rechnung, dass Comics einen immer größeren Teil der Lektüre bei Minderjährigen ausmachen. Vor allem Manga. Der Umsatz mit ihnen hat sich 2021 gegenüber dem Vorjahr um mehr als achtzig Prozent erhöht. Da kommt kein anderes Segment des gesamten Buchmarkts mit.

Nun gab es nicht massenhaft Manga auf der Kibum, aber einige konnte ich dann doch in den endlosen Regalen auf zwei Ebenen im Kulturzentrum PFL (das nicht so hässlich ist, wie der Name klingt, denn PFL steht für die historische Bezeichnung  „Peter Friedrich Ludwig Hospital“, was sich als prächtiger Klassizismusbau erweist. Davor stehen zur Öffnungszeit um 8.30 Uhr ein halbes Dutzend Schulklassen (und das werden im Laufe des Vormittags noch viel mehr), die hier elf Tage lang einen Überblick zur deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchproduktion der letzten zwölf Monate bekommen. Wie im Buchladen: alles aufgereiht. Wie in der Bibliothek: alles zum Lesen. Und drum herum gibt es tagsüber Veranstaltungen mit Gästen, die ihre Bücher vorstellen. Schönes Konzept.

Aber das hier ist ja kein Blog für Erlebnisschilderungen (deshalb auch nichts über die hochhinteressante Tagung), sondern es soll vornehmlich um Comics gehen. Und es gab einen auf der Kibum, der eigens für die Veranstaltung gezeichnet und gedruckt worden ist: „Das Kibum-Comicbuch“. Zwei Autoren-Zeichner-Gespanne haben es erarbeitet: Volker Schmitt und Màriam Ben-Arab sowie Patrick Wirbeleit und Kim Schmidt. Die ersteren beiden erzählen eine Zukunftsgeschichte um das kleine Mädchen Eira, deren leben allerdings einen eher archaischen Eindruck macht – Dystopie im Aussehen, aber Utopie im Verhalten. Wirbeleit und Schmidt dagegen holen einen Wikinger namens Gorm Grimm aus der Vergangenheit, der ein modernes fast-Food-Lokal aufmischt – viel Action und Slapstick. Und die eine wie die andere Geschichte kindergerecht im guten Sinne.

Dazu gibt es jeweils Erläuterungen der Macher zu Ihrer Arbeitsweise. Das „Kibum-Comicbuch“ ist also ein Nachmachbuch (auch im besten Sinne). Doch als ich es kaufen wollte, hieß es am gutsortierten Bücherstand im Souterrain, diese Publikation werde nur an Grundschulklassen verschenkt, die die Messe besuchen. Kein Verkauf. Aber die gesamte Publikation stehe im Internet gratis parat. Auf der Kibum-Homepage.

Die allerdings, das wusste ich von vorherigen Besuchen, ist die unübersichtlichste Homepage der Welt. Öffnungszeiten etwa? Keine Chance, sie in den einschlägigen Rubriken zu erfahren. Und das Kibum-Comicbuch habe ich auch so lange vergeblich gesucht, bis mir eine freundliche Mitarbeiterin der Oldenburger Stadtbücherei (Ausrichterin der Kibum) den Link schickte. Und hier ist er für alle, die wie ich sonst bei der Suche verzweifelten:  https://www.kibum.de/documents/kibum-ebook/2022/kibum-comicbuch/#0. Lesen lohnt, auch wenn man kein Kind mehr ist. So sieht gute Comicvermittlung aus.


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