Überdruck

Überdruck

Die Liebe zum Gedruckten lässt Menschen auf der Frankfurter Buchmesse wahre Torturen ertragen: Lesungen in schlecht belüfteten Räumen, Herumrennen

Suhrkamp bricht auf, Berlin bricht zusammen

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In Frankfurt herrscht Ruhe vor dem Sturm. Die Verlage sind mit Stand und Standortpolitik beschäftigt und lassen sich mit Suppe abspeisen.

Bild zu: Suhrkamp bricht auf, Berlin bricht zusammen

Sonnig und kalt ist es in Frankfurt, das perfekte Übergangsmantelwetter, letzte helle Tage vor dem nebligen Herbst. Und auf der Messe ist alles noch ruhig, die Laufbänder sind noch nicht in Betrieb, wenige verstreute Menschen in Arbeitsoveralls laufen geschäftig herum, hängen Plakate auf oder verlegen Teppichboden. Das muß bis drei da sein, entweder es ist dann da, oder es ist nicht da, höre ich eine Verlagsmitarbeiterin fluchen. Einige fleißige Helfer bestücken Vitrinen und basteln an der Dekoration herum. Andere packen noch aus, bei Rowohlt werden Glastische poliert. Kisten stehen in den Gängen, Kartons, Folien liegen herum. Die Ruhe vor dem Sturm, sagt ein Fotograf zu seinem Kollegen. Und er kenne beides, die Ruhe und den Sturm.

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Am Stand von Suhrkamp/Insel in Halle vier steht Wolfgang Schneider und legt eine kurze Zigarettenpause ein, das erste bekannte Gesicht dieser Messe. Wir haben hier Männermangel, sagt er, deshalb packe er mit an. Und ob ich schon von ihrer Initiative gehört habe? Gestern ging die neue Website online, Ex-Suhrkampler.de heißt die. Lauter erfahrene Frankfurter Verlagsleute, die nicht mit nach Berlin gehen, wenn der Verlag aufbricht, und nun auf Arbeitssuche sind. Keine schöne Zeit, um auf Arbeitssuche zu gehen, denke ich mir.

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Apropos Berlin, Berlin sei ja zusammengebrochen. Also der Verlag. Also der Stand. Kaum hatten die Regale gestanden, kaum waren die ersten Bücher eingeräumt, tat es einen hallenerschütternden Schlag und das Standinventar lag auf einem großen, ziemlich ungeordneten Haufen in der Mitte der Ausstellungsfläche und erodierte ein wenig. Man hat das dann alles wieder sortieren müssen, und nun waren die verzweifelten Standbauer gerade dabei, die Regale wieder an die Wände zu schrauben. Diesmal hoffentlich so, daß sie länger als ein paar Stunden halten. Ein paar Tage würden ja schon reichen. Jedenfalls sind da heute Nachtschichten angesagt, aber der Berlin-Empfang geht ja bis weit nach Mitternacht, heißt es.

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Bei Suhrkamp ist jetzt Essenspause. Ein junger Herr mit einem Wägelchen rollt eine Gulaschkanone herbei, das sind die Verlagsauslieferer von Koch, Neff und Oetinger, die jedes Jahr Suppe spendieren. Häppchen gibt es auch. Schlagzeile: Frankfurter Tafel speist Suhrkamp, frotzelt man am Stand, haha, zum letzten Mal. Und Herr Scheider muß nun wieder in den Verlag. Ist ja nicht weit. Schön, wenn man einen Standortvorteil hat. Solange man ihn noch hat.

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11 Lesermeinungen

  1. Merzmensch sagt:

    @Andrea

    Leider schon zu...
    @Andrea
    Leider schon zu spät, aber wenn Du jemanden moch auf der Buchmesse siehst, den oder die wir beide kennen, grüße sie bitte von mir :-)
    (Ich weiss, klingt etwas unpersönlich, aber ich bin halt so… freundlich… virtuell)

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