Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Gott und die Liebe: "Das Ding"

| 44 Lesermeinungen

Wer Gott nicht spürt, weicht gerne auf Habermas aus und betont seine Unmusikalität in Glaubensdingen. Dabei ähnelt die Frage nach Gott, der Frage nach der wahren, großen Liebe des Lebens. Und da kann wieder jeder mitreden.

„Wo ist er? Ich bin es leid, immer nur Ausschau zu halten nach der wahren großen Liebe, aber nichts passiert. “ Auf Englisch hört sich die Szene aus der Fernsehserie mit sozialisierender Wirkung „Sex and the City“ noch besser an. „Where is he?“ und das iiii in „he“ zieht die romantisch-heimelige Charlotte im New Yorker Café irrsinnig in die Länge und klopft dabei mit den Händen auf die Tischplatte.

Ja, wo bleibt er oder sie denn nun? Die wahre leuchtende Liebe?

Wir werden neunundzwanzig und dreiunddreißig. So wächst auch die Ungeduld, vor allem weil unsere Lebenszeit, je älter man wird, immer schneller vorbeigehen soll.

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Dazu setzt der charakterliche Verfall langsam ein: Wir entdecken unsere Schrulligkeiten gleich zwangartiger Routinen. Mit einem verschmitzten Lächeln rechtfertigt man seine Neurosen, die ohne Partner im ein-Mensch-Haushalt unkorrigiert florieren. Im Schutzmantel des alleinigen Ichs fühlt man sich sicher: Vorder- und Abgründe sind bekannt, Vorlieben und Abneigungen ebenso. Es lebt sich doch ganz gut so.

Dennoch: Drei oder vier Mal die Woche bekriecht, für einen Moment oder viele Sekunden, ein Gefühl des Mangels. Aber so ist das eben. Auch daran hat man sich gewöhnt, was soll man auch tun. Es liegt eben nicht in der eigenen Macht, sich Liebe zu schicken.

Ob wütend auf den Tisch geklopft wie Charlotte in „Sex and the City“, drei Tränchen im Sonntag-Abend-Blues verdrückt oder bewundernd auf glückliche Paare geblickt: Die Liebe gibt sich von menschlichen Regungen total unbeeindruckt, unbeeinflusst und unsteuerbar. Zufall, Schicksal, Pech: Die Erklärungen wirbeln durcheinander und keine Verantwortung ist dingfest zu machen.

Dabei erinnert die Liebe in ihrer abstrakten Autonomie an eine andere Glaubensfigur, deren Erleben sich auch nicht einfordern lässt: Es ist Gott. Wieso?

Auf Kommando zeigt er sich ebenfalls nicht. Und, die Frage nach der Existenz Gottes ist wie die Frage „Gibt es die wahre Liebe für mich?“ Die Antwort lautet entweder ja oder nein. Ein „ich weiß nicht“ genügt auf Lebensdauer nicht.

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Gott ist vielfältig: Man findet ihn in der Natur, im Gotteshaus, in einer wundersamen Rettung oder einer Gefühlsstärke, die an Gewissheit grenzt. Was bisweilen auch nicht weiter hilft, denn er ist nicht auf Knopfdruck zu verspüren. Manchmal zu erkennen. (Himmel sei Dank nicht ständig.)

Die Liebe ist vielfältig: Man findet sie bei seinen Geschwistern. Beim ersten Hund. Bei den Eltern und in einer Freundschaft. Christlich gesprochen auch ganz eindeutig in der Liebe zu sich selbst. Wie kein Zweiter fordert Jesus mich auf, auch mich zu lieben, so wie ich andere lieben kann. Aber natürlich steht an erster Stelle ihres Selbstverständnisses: Die Liebe zwischen Mann und Frau.

Auch hier wieder eine Brücke:

Wer über Gott spricht, ob in einem Song, in einem Gospel, in einem Psalm oder in einer philosophischen Abhandlung, der wird von ähnlich Empfindenden bald schon gut verstanden werden. Genauso wie einer den anderen verstehen kann, wenn man von Schmetterlingen, Herzschmerz oder Nachvibrieren spricht.

Ist es eigentlich verwegen zu sagen, dass Gott die Liebe in mir ist?

Es lässt sich beobachten, wer Gott einmal findet, wird ihn unter normalen Umständen nicht wieder verlieren. Er bleibt. Und, weil Gott zu finden ist, tut dies, wer ihn sucht.

Und weil die wahre Liebe genauso grundsätzlich da ist – so erzählen mir die Leute – lautet die Antwort einfach, ja. Es gibt sie und damit auch für mich.

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Aber es kann sein, dass sie auf unterschiedliche Weise und zu unerwarteten Momenten und Zeitpunkten auftaucht. Wir werden sehen. Doch der Glaube daran fällt nicht schwer. Vielleicht ist er sogar die einzige Chance, Liebe zu bewältigen.

Denn sie wird dir nie gehören, sie ist autonom. Gott wird dir nie gehören, er ist autonom. Das ist das Ding.

Immerhin lässt er sich deswegen auch nicht von jemand anderem einfach so wegnehmen. Und so wünsche ich mir und bete, dass die wahre Liebe bei mir bleiben wird.

Cause I am dangerously in love with you.


44 Lesermeinungen

  1. <p>Ich bin eigentlich immer...
    Ich bin eigentlich immer für Happy End´s.
    Cause i´m no Liar.
    Ich hab dir das Gedicht zu Ostern geschickt. Und so bin ich richtig verliebt.

  2. Pepys sagt:

    <p>Liebe Sophie,</p>
    <p>da Sie...

    Liebe Sophie,
    da Sie mich unlängst so reizend „befördert“ haben, werde ich Sie nun zum Dr. vielPhil. h.c. ernennen. Ein wunderbarer Beitrag. Sehr poetisch geschrieben. Übrigens gibt es von einem meiner „Kollegen“ ein Buch: Gott ist reine Liebe. Muss ich Ihnen mal schicken.
    Es grüßt London, Ihr Pepys

  3. FAZ-soma sagt:

    Pepys - Sie kommen wie...
    Pepys – Sie kommen wie gezaubert!

  4. valerie sagt:

    "Ist es eigentlich verwegen zu...
    „Ist es eigentlich verwegen zu sagen, dass Gott die Liebe in mir ist?“ – Ganz bestimmt nicht, wenn doch der Gott der Bibel sich als Liebe in Person zeigt und es im 1. Johannesbrief heißt „die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.“ Aber Gott ist in erster Linie kein nebulöses Gefühl in mir, das mal da ist uns mal nicht, sondern vor allem eine Person (bzw. drei Personen, aber das führt hier wohl zu weit…): „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.“ Kann noch der leiseste Zweifel daran bestehen, dass es Liebe gibt, wenn der Gott der Liebe Mensch wird und stirbt, damit wir Teil seiner ewigen Liebesbeziehung zu werden? Wenn jemand „dangerously in love“ ist, dann – im wahrsten Sinne des Wortes – er.

  5. <p>Das Ziel der "Liebe" musz...
    Das Ziel der „Liebe“ musz einem erst klar sein ehe man nach ihr suchen bzw. von ihr „gefunden“ werden kann. Die populaerwissenschaftliche Medienkultur in Form all dieser drei- bis vierminuetigen Liedern, dieser 30- bis 120-Minuten dauernden Fernsehsendungen oder Radio- und Internetbeitraegen, die zumeist vergeblich versuchen, ein komplexes Thema in einem laecherlich kurzen Zeitraum weiderzugeben, reflektiert das Niveau und Denken der sie Erzeugenden und ist meist auf Niedrigniveau. Deshalb findet Koerperliches vor allem seinen Eingang anstatt den Sinn der Liebe in einem Hoeheren zu finden, in einem, sehr vereinfacht gesprochen, Sichakzeptieren und -ergaenzen. Hormone mit Durchblutungs- und Zellmembranveraenderungen geben uns dieses oft am Anfang vorhandene Hochgefuehl und Reaktion auf einen bestimmten Phaenotyp und das wird zumeist besungen; die Liebe ist jedoch erst etwas, das viel spaeter erkannt und gefuehlt werden kann.
    Schoen, dasz dieser Beitrag – erneut – auf hohem und gedankenanregendem Nivaeu geschrieben wurde. Wie oefters mein Kommentar als Sprachpurist: Die englischen Woerter sind der Gegenwartspopkultur geschuldet, helfen nur bedingt dem Gedankengang und haetten eruebrigt werden koennen.

  6. xx sagt:

    Die FAZ verweist mit folgendem...
    Die FAZ verweist mit folgendem Satz auf ihren Blogeintrag:
    „Wer Gott nicht spürt, weicht gerne auf Habermas aus und betont seine Unmusikalität in Glaubensdingen.“
    Das Feststellung „religilös unmusikalisch“ zu sein stammt von Max Weber, nicht von Habermas.
    Ansonsten ist die Begeisterung hier irgendwie auf Zeichen religiöser Unkenntnis. Das Gott die Liebe ist, ist biblisches Grundwissen 😉

  7. Habseligkeit sagt:

    Ich finde Ihren Artikel...
    Ich finde Ihren Artikel extrem. Auch gut.
    Meine Frage: Ist das Esoterik oder glauben Sie dem Gott, der sich uns in der Bibel vorstellt?

  8. FAZ-soma sagt:

    <p>Es mag ein pantheistischer...
    Es mag ein pantheistischer Ansatz sein, der für mich allerdings in die protestantische Kirche führt. Und wie ist das bei Ihnen?

  9. FAZ-soma sagt:

    @xx: und werrrr hats...
    @xx: und werrrr hats errrfunden??

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