Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Auf Dekadenz folgt Fäulnis: Der Obstkorb

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Wie schnell aus frischem Obst eine faulige Pampe wird, weiß die Kunst in altmeisterlichen Vanitasbildern am besten abzubilden. Solche lassen sich allerdings auch in Realität entdecken, beim Brunch im Café zum Beispiel.

Auf Dekadenz folgt Fäulnis, das weiß die Kunst am allerbesten. In öliger Tiefe und doch gestochen scharf glänzen die Obstkörbe auf Vanitas-Gemälden und führen uns Vergänglichkeit vor Augen. Von der Pracht angelockt, geht man auf das Bild zu und lässt sich von Birnen und Feigen verköstigen, -bis der Blick sich seiner nicht mehr sicher ist: Hockt da tatsächlich eine Fliege auf der Erdbeere? Und zwar eine richtig fette, grün schimmernde? (Finden Sie nicht auch, dass die gemeine Stubenfliege das unappetitlichste Wesen von allen ist?) 

Doch damit nicht genug: Auch die Erdbeere ist nicht mehr die drallste. Sie glänzt nicht, sondern schimmert höchstens matt, denn sie hat bereits begonnen, weich zu werden.

Manche Maler setzten noch einen oben drauf und ließen Schnecken über Äpfel glitschen, Fliegen in Weingläsern ertrinken und Totenköpfe über Tische kollern

Bild zu: Auf Dekadenz folgt Fäulnis: Der Obstkorb

Warum ich davon erzähle? Vor gar nicht langer Zeit habe ich ein reales Vanitas-Motiv gesehen. Es hat sich mir geradezu aufgedrängt und zwar im ganz banalen Zusammenhang. Ich hätte Ihnen schon längst davon berichtet, aber ich musste mich von dem Eindruck erst einmal erholen.

Es war an einem der wenigen, heißen Tage in diesem Sommer. Ich saß mit einer Lektüre in einem Frühstücks-Café. Sonntags bauen sie hier immer ein großes Buffet auf von dem man essen darf, soviel man will. Bis 17 Uhr, so verspricht es die Speisekarte, – damit auch die Verkaterten, die mittags die Augen zum ersten Mal öffnen, noch versorgt und abgerechnet werden können.  

Gegen zehn Uhr wuselten Familien auf der Terrasse zwischen beschirmten Kinderwägen durcheinander: Es gab Pfannkuchen und Lasagne, gekochte, getrocknete und frische Tomaten und pesto-isierten Mozzarella. Türme von Schinken, Käse, blanchierten Eiern und dazu zwei, drei Sektchen wanderten vom Buffet an die Tische.

Gegen ein Uhr mittags allerdings erschlaffte die Szenerie deutlich. Statt Ball spielen auf der Restaurantwiese, zog man sich lieber unter den ausladenden Sonnenschirmen und Marquisen zurück. In der prallen Sonne ließ es sich jetzt kaum aushalten. Die Damen fächelten sich hektisch Luft zu und die Herren bereuten heimlich ihre Stilverbundenheit, niemals kurze Hosen tragen zu wollen.

Bild zu: Auf Dekadenz folgt Fäulnis: Der Obstkorb

Natürlich waren auch die Kellnerinnen und Kellner an so einem heißen Tag schnell müde und brauchten mehr Pausen als sonst, – wenn sie nicht gerade frische Weintraubenschorle mit Eis servieren mussten.

Und so kam es, dass die Sonne am Himmel weiter wanderte und ihre Strahlen den Schatten unter den Schirmen stetig mehr verdrängten. Zentimeter für Zentimeter eroberte die Hitze auch das Buffet. Es fiel erst gar nicht auf, dass der Käse schwitzte, seine Ränder verkrusteten und sie sich schon bald nach oben bogen. Dem Schinken ging seine kräftige rote Farbe verloren, sodass er in grau und grün schimmerte. Immer mehr Wespen entdeckten den Kuchen und stachen ihre Rüssel in seinen warm gelierenden Zucker.

Aber niemand kümmerte sich darum. Keiner dachte daran, das viele Essen ins Kühle zu tragen. Bis 17 Uhr musste es ja laut Speisekarte draußen aufgebaut sein und neue Gäste anlocken. Viel zu spät kam einer auf die Idee, dass man den Schirm drehen könnte, sodass er über dem Buffet stand: Doch jetzt war der Kuchen zu trocken, das Obst zu weich und über das Joghurt hatte sich eine Kruste gelegt. Für Allergiker glich das Buffet einem Sperrgebiet, weil Wespen-Sonderzone. Das konnte man den Gästen nicht mehr anbieten. Ich weiß nicht, wozu sich die Leute vom Restaurant entschlossen haben, ob sie alles wegschmeißen wollten oder nicht. Irgendwann bin ich gegangen, bis dahin blieb das Buffet stehen wie es war, – als mache es nun auch nichts mehr.

Bild zu: Auf Dekadenz folgt Fäulnis: Der Obstkorb

Warum ich nicht aufgestanden bin und mich zum Retter allen überflüssig präsentiertem Essen erhoben habe? – Ich weiß es nicht, ich tat es einfach nicht. Ich bin ja auch nicht derjenige gewesen, der das Buffet aufgebaut hat. Warum sollte ich mich überall verantwortlich fühlen? Ich bin doch nur der Gast. Und dennoch weiß ich: Es ist auch meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld.  

 


37 Lesermeinungen

  1. ausgezeichnet...fast do gut...
    ausgezeichnet…fast do gut wie mein neuer Poncho!

  2. perfekt57 sagt:

    <p>Schwacher Text über...
    Schwacher Text über mangels Reife noch nicht wirklich zu Ende Gedachtes.
    .
    Was dagegen Montiertes gefällig? http://www.dradio.de/…/1552729 („Erneuerung findet immer von zwei falschen Richtungen aus statt: a. von unten, b. durch die (Noch-)Ungebildeten.“)
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    Das aber in der That Theologie: „All dazu hat Gott die Welt gemacht, dass der Mensch sich an ihr bereichere, und dass er schuldig werde.“ (Es geht nicht ohne.)
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    Und wir sind naiv, wir tun bloß nicht so.
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    Und der Stärkere weicht aus.
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    Und was möglich ist, wenn Lou Reed und Christa Päffgen aufeinandertreffen. http://www.youtube.com/watch (P. ist übrigens auf dem Friedhof Grunewald-Forst beigesetzt, „quasi immer noch Journalistinnens Geheimtipp“.) (Es geht einmal mehr ausschließlich um Kenntnisse, politisch korrekt gehörts angemerkt) http://www.youtube.com/watch
    .
    Und sie hat ja Recht: Man sollte sich auch weiterhin für kein Geld der Welt Genie schenken lassen.
    .
    („Nico, bürgerlich Christa Päffgen, (* 16. Oktober 1938 in Köln; † 18. Juli 1988 auf Ibiza) war Fotomodell, Schauspielerin und Sängerin. Bekannt wurde sie durch ihren Gesang auf dem Debütalbum der Rockband The Velvet Underground. Ihre Solo-Alben sorgten durch einen experimentellen Klang und eine nihilistische Grundstimmung für Anerkennung und Inspiration bei vielen Musikern.“ Quote Wiki, daher.)
    .
    Und man kann auch was tun: „All hands on deck..!“ http://www.youtube.com/watch (Immer wenn Gesellschaften sich einmal mehr anschicken würden, to start a journey …)
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    Und wie sagt Don Alphonso so schön? „Zwischengenerationen nehme nun mal ihr Geld und gehen, das ist doch normal und verständlich, oder nicht? Denn sie haben nun mal mehr Überblick.“
    .
    A propos. Frau Dr. Merkel? „Die ist alles, nur eines ist sie noch nicht genug, nicht Frau genug, nicht ganz Weib genug, die Nation wirklich weiblich zu zwingen, eben wirklich alle relevaten Führungspositionen in Staat, Wirtschaft und Verbänden endlich einmal ausschließlich mit Frauen zu besetzen.“
    .
    Und unter den Berliner Piraten-Siegern gibt es mindestens einen, der sich als „Radikalfeminist“ bezeichnet. Was er damit wohl meint? Das er Frauen auch schon mal immer erst schlägt, bevor er ihnen die Tür aufhält? Oder was sonst, *g*? http://www.youtube.com/watch

  3. Gast sagt:

    <p>@perfekt57</p>
    <p>Nico war...

    @perfekt57
    Nico war wie die meisten ihrer Zeit eine Scheiß Süchtige !! Nur hat sie, zu allem Überfluß, ihren eigenen Sohn das erste Mal angefixt, als er noch klein war !!!

  4. FAZ-soma sagt:

    Nein, was sind das für...
    Nein, was sind das für Zustände!

  5. G&#228;rtner sagt:

    <p>"...und mich zum Retter...
    „…und mich zum Retter allen überflüssig präsentiertem Essen erhoben habe? – Ich weiß es nicht…“ Nichtwissen schützt vor Strafe nicht. Es muss „allen überflüssigen Essens“ heißen. Deutsche Grammatik – auch so ein Mysterium unseres Alltags.

  6. Arschomat sagt:

    <p>"ockt da tatsächlich eine...
    „ockt da tatsächlich eine Fliege auf der Erdbeere? Und zwar eine richtig fette, grün schimmernde? (Finden Sie nicht auch, dass die gemeine Stubenfliege das unappetitlichste Wesen von allen ist?)“
    Hausfliegen schimmern nicht grün. Das sind Schmeißfliegen.
    So there.

  7. Christian-De sagt:

    Liebe Frau von Maltzahn,

    mit...
    Liebe Frau von Maltzahn,
    mit jedem Ihrer Beiträge wächst meine Begeisterung: das ist doch ganz nach meinem Geschmack.
    Vielen Dank! So darf der Tag beginnen!

  8. Andek sagt:

    <p>Frühstücksbuffets sind...
    Frühstücksbuffets sind schon morgens um neun kein guter Ort, geschweige denn nachmittags um fünf an einem Sommertag. Zerpanschte Joghurts, lieblose Tapas und Salate, zerhacktes Obst satt. Hmm. Das alles muss letztlich auch noch recht billig sein, denn trotz all-you-can-eat will der Wirt einen anständigen Schnitt machen. Von Caprese auf so einem Buffet halte ich mich grundsätzlich fern. Stattdessen halte ich es mit Sven Regner bzw. seinem „Herrn Lehmann“ und schaue mit Verachtung auf die vielen „Frühstücker“ und ihre metropolen Morgenfreuden.
    Zwei Croissants und ein Milchkaffee, so muss mein Frühstück aussehen. Zu welcher Tageszeit auch immer.

  9. CalamityJane sagt:

    <p>Watndatn für ein Text???...
    Watndatn für ein Text??? Delikat angefangen, aber stark nachgelassen – zum Schluß hatte ich dne Eindruck vertrocknetem Schülerzeitungsrührei ohne Salz im Hirn zu haben. Bäääähhh.

  10. Der Gärtner sagt:

    <p>Tja, wie mein Name schon...
    Tja, wie mein Name schon sagt, bemühe ich mich redlich um Erzeugung schöner Blumensträusse, die dann ach so bald die Köpfe sinken lassen. Ihr Text hat mir gefallen.
    Dass man mittlerweile in Irrenanstalten perfekte Internet-Anschlüsse bereitstellt, ja, damit muss man wohl leben und das nur so nebenbei..

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