Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Bastelanleitung für Allegorien: Die Putte

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Nicht mehr lange, dann werden Geschenkideen immer teurer. Deswegen hier schon mal eine Anleitung für Überraschungen, die da sind: wohl überlegt, übertragbar und einfach zu basteln.

Bald ist Weihnachten, da können wir schon mal anfangen uns zu überlegen, was wir den lieben Freunden und der buckligen Verwandtschaft dieses Jahr unter den Baum legen. Am besten etwas Persönliches oder Selbstgemachtes. Wie wäre es mit etwas Gebasteltem? Das die Persönlichkeit des Beschenkten einbezieht, – Aufmerksamkeit für die eigenen Belange hat schließlich jeder gern. Ich habe da eine Idee für Sie.

Als Grundlage braucht man bloß ein Bild von einer Putte, also einen von diesen kleinen moppeligen Engeln, die auf Raffaels oder Rubens Gemälden umherschwirren. Ihr Gesicht ist freundlich, unbedarft und stupsnasig. Ihrer Unschuld ungetrübt, ihr Wesen weltlichen Belangen übergeordnet. So lassen sie sich sehr gut mit Symbolen kollagieren. Das Ganze in einem Fotorahmen gepackt und fertig ist das Geschenk.

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Für die Freundin, die eine Beziehung mit einem Mann des Typs „heiratsfaul“ führt, nimmt man also eine Putte und fügt hinzu: Eine Wasserwaage und einen Felsen. Denn als eine dieser klugen Frauen zügelt sie ihre Ungeduld, endlich in die kkk-Lebenssituation überzutreten: Kirche, Kinder, Kuchen. Die gegenseitigen Erwartungen wägt sie ab, übt sich in Selbstzähmung und gibt ihrem Mann Raum zu reifen. In der anderen Hand hält sie einen massiven Felsen, der sich seiner Natur nach eben nicht von wechselnden Strömungen verrücken lässt, denn „die Hölle nicht zu begehren, ist eine Form des Widerstands“, fand schon Friedrich Kittler.

Gut lässt sich der Freund allegorisieren, der gerne Pläne für den Urlaub, den Montagabend oder Silvester schmiedet. Ungern jedoch stimmt er sich darüber mit der Betroffenen ab. Erst entscheidet er, dann kommuniziert er, – eventuell. Ein solcher wird also ausgestattet mit bereits gelöstem Ticket, einem Fernrohr und einem Pflaster auf der Brust, schließlich ist er tief gekränkt, wenn seine Pläne nicht auf Begeisterung stoßen.

Hat sich jemand in Ihrem Freundeskreis frisch verliebt, aber leider sieht es gar nicht danach aus, dass diese Verbindung eine guten Verlauf nimmt? Doch Verliebte lehnen jede Warnung ab, weil ihre Situation alternativlos ist. Wir nehmen also eine Putte mit besonders liebreizendem Gesichtsausdruck und strahlenden Augen und fügen ihr drei Hämmer hinzu: einen am Herz, einen auf dem Kopf und einen besonders schweren auf dem Fuß, damit sie dem Begehrten nicht hinterlaufen können. Außerdem lässt man die süße Gestalt sich setzen: auf eine Zeitbombe.

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Zwingend an Weihnachten zu bedenken ist die Familie.

Den Väter-Putten könnte man eine Batman-Maske aufziehen, sind sie doch ihr Leben lang in der Beschützerrolle fest verankert und verfolgen, was sie von sich erwarten: Stärke in allen Belangen. In der Hand hält die Vater-Putte ein frisch gepflücktes Gänseblümchen, das seinen Kopf noch aufrecht hält. Er will dem anderen doch so gerne eine Freude machen.

Ach, und die Mütter-Putten, sie kriegen eine Nadel in der Hand. Die können sie praktischerweise gleich für mehrere Zwecke nutzen. Zum einen flicken sie damit, was kaputt gegangen ist: Den vom Hund massakrierten Teddybären, Löcher im Pullover oder Seelenrisse. Zum anderen können sie den anderen pieksen. Schließlich wollen sie doch nur das Beste, doch davon scheinen die Lieben weit entfernt. Wenn man doch ein Mal nur auf sie hören würde. Da das aber meistens keiner will, machen sie sich Sorgen. Also gibt es für die Mutter-Putte noch eine Harfe in die andere Hand: Musik beruhigt die Nerven.

Wem man auch ein Weihnachtsgeschenk machen sollte, sind die, bei denen das Jahr dermaßen schlecht gelaufen ist, dass sie ein Königreich eintauschen würden, um es streichen zu können. Die eine Diagnose oder eine Nachricht erhalten haben, wonach das Leben aussetzte und Schmerz geradeaus in einen rabenschwarzen Abgrund führte. Ihre Putte kriegt in die eine Hand gleich drei Pfeile. Den ersten schmeißen sie blind vor Wut, die ihnen zusteht. Den zweiten, weil ein Unrecht selten allein kommt. Und den dritten für den Ersten, der dazu auch noch eine dumme Bemerkung parat hat.

In der anderen Hand jedoch liegt ein grün-roter Apfel, der aus einem wunderschönen Herbstgarten stammt. Ein Apfel aus festem Fleisch, mit süßem Saft und dünner Schale. Because an apple a day keeps the doctor away. Außerdem steht diese Putte nicht auf hartem Boden, sondern auf einer Wolke, die weich ist, damit der Fall nur blaue Flecken hinterlässt, und gleichzeitig ist diese Wolke voller Spannkraft wie ein Trampolin, so als würden wir fallen, um das Aufspringen zu üben.

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Aber genug erzählt. Wie würden Sie Ihre Putte basteln?  

 


16 Lesermeinungen

  1. <p>Ich sinnierte ueber die von...
    Ich sinnierte ueber die von SvM gestellte Puttenaufgabe. Natuerlich war mir bewuszt, dasz das Puttentheater, das sie betreibt, eine Selbstdarstellung ist. Fuer einen wie mich, der nach USA gewandert ist angesichts einer Verzweiflung mit bundesdeutscher Politik und Gesellschaftsentwicklung, werden die Putten recht boshaft. Ich warne die Leser mit sanften Seelen daher davor, meinen Beitrag zu lesen!
    Hier nun ein kleiner Auszug meines imaginierten politischen Puttentheaters:
    Angela Merkel erhaelt als Oberputte Schuerze, Kehrblech und Handfeger. Sie ist die Kehrmeisterin Europas. In die andere Hand bekommt sie ein rotes Faehnchen als Zeichen ihrer politischen und persoenlichen Linientreue.
    Wolfgang Schaeuble kriegt eine leere Medikamentenflasche mit Etikett „Prozac“ in seine rechtsdominante Hand. Er wirkt stets zu munter fuer seine depressive Taetigkeit, Medikamente oder andere Stimulanzien helfen bestimmt nach. Die andere Hand ist gefuellt mit einer leeren Geldboerse auf der „Nehmt raus was Ihr findet“ steht. Sie ist abgenutzt und abgegriffen, Fehlzaehlungen sollen schon vorgekommen sein.
    Karl-Theodor (etc.) VUZ Guttenberg, unser USA-Emigrant, erhaelt eine goldenangefaerbte Krone mit Schriftzug „Dr. Bundestag“ auf den wunderschoenen und zurueckgegelten (Locken-?)Schopf. Die Haende halten „Bild“ und einen zerbrochenen Bundeswehrsoldaten.
    Renate Kuenasts Putte erhaelt einen Eselshut. Sie steht in der Ecke und hat ein Schild um auf dem steht „Ich habe versagt, tretet mich“.
    Klaus Wowereit bekommt eine Schuerze um mit der Aufschrift: „Ich bin Migrant. Meine Mutter ist naemlich aus Ostpreuszen eingewandert“. Hinten steht drauf: „Kueszt mich, ich bin eine verwunschene Prinzessin“.
    Dieses Puttentheater liesze sich um Dutzende schoener Figuren ergaenzen. Doch meiner Bitterkeit ob aktuell schlecht laufender Politik will ich nicht zu sehr freien Lauf lassen.

  2. FAZ-soma sagt:

    bravo! bravo!...
    bravo! bravo!

  3. FAZ-soma sagt:

    bravo! bravo!...
    bravo! bravo!

  4. FAZ-soma sagt:

    bravo! bravo!...
    bravo! bravo!

  5. Wolfaisle sagt:

    <p>Was für interessante...
    Was für interessante Assoziationen Sie auslösen, verehrte Sophie von Maltzahn!
    Mir schweben umfangreiche Kostümierungen vor, auf dass die Putte und mithin auch die liebste Reisebegleiterin von allen bei allerlei Dschungelabenteuern vor Wind und Sonne, Regen und Kälte geschützt seien: um den Hals ein paisleygemustertes Bandana, dann ein in gebrochenem Weiß gehaltenes luftiges Shirt, locker bis kurz über den Bauchnabel geknöpft; in eine Hand lege ich eine topografische Höhenkarte (eine Putte mit GPS wirkte wie ein Engel, dem man die Harfe durch ein iPad ersetzt hätte), in die andere gebe ich eine kleine Laterne, der Romantik wegen natürlich mit Kerzenlicht.
    Auf die Locken passt jetzt noch ein breitkrempiger Barmah-Hut, das verleiht einen verwegenen Anstrich.

  6. <p>Sehr verehrte Frau S. von...
    Sehr verehrte Frau S. von M.!
    Mein Onkel Hermann-Josef-August lehrte mich Laubsägearbeiten auszuführen. „Allet for die Mischpocke“, meinte er stolz, als er mir zum ersten Male die versammelte himmlische Heerschar zeigte.
    http://www.youtube.com/watch
    Sehr schön auch die Weihnachtsgeschichte von Heinrich Böll mit den „Friede, Friede“ zirpenden Engeleins…..und das zur heissesten Sommerszeit.
    ..
    Überhaupt verstehe ich nicht, warum sich die Menschheit so vor diesem Fest dermaßen graust….

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