Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Partys wollen eskortiert sein: Die Gästeliste

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Gäste einander vorstellen, ihre Stimmung im Blick haben, Außenstehende integrieren: Das sind die klassischen Qualitäten eines guten Gastgebers und mehr noch der Gastgeberin. Keine leichte Aufgabe, vor allem auf halbprofessionellen Veranstaltungen, wo der erste Eindruck teuer ist.

Wir lesen zurzeit viel über die Netzwerk-Partys unseres Bundespräsidenten. Jeder, der selber mal eine größere Einladung geschmissen hat, weiß: Alles muss gut überlegt sein.  Vor allem, sobald Leute zusammengebracht werden, die sich noch nicht kennen. Die Herausforderung bei halbprofessionellen Events, die per se als steif und spießig verschrien sind, ist noch größer. Die Mischung muss stimmen. Für Unterhaltung sorgen die Lässigen, die unter dem Motto erscheinen „Nothing tops a free drink“. Die Aura der Bedeutung bringen die Mächtigen mit und mitten drin stehen die Gäste mit ganz konkreten  Zielen. Man will eine Information unterbringen, Aufmerksamkeit wecken für die eigenen Interessen und Kontakte knüpfen. Wie bringt man also all diese Menschen zusammen? Keine leichte Aufgabe.

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Es darf nicht aufdringlich wirken, nicht so herrlich plump wie in der ersten Folge von „Kir Royal“. Mario Adorf spielt den provinziellen Großindustriellen Heinrich Haffenloher, der unbedingt den wichtigsten Mann Münchens, den Gesellschaftsreporter Baby Schimmerlos, kennenlernen will. Erst wird Haffenloher beschämend ignoriert, dann lässt sich Baby Schimmerlos doch auf ein Treffen ein und Heinrich Haffenloher macht seinen Punkt:

„Schimmerlos, ich mach dich nieder, Schimmerlos. Wenn du mich jetzt hier stehen lässt wie einen Deppen, dann mach ich dich nieder.“

„Was?“ Schimmerlos bleibt noch cool.

„Ich ruinier dich, ich mach dich fertig. Ich kleb‘ dich zu, von oben bis unten.“

„Ja, mit dem Kleber“, zum letzten Mal spottet Schimmerlos.

„Mit meinem Geld. Ich kauf dich einfach.“ Haffenloher schließt genüsslich seine Armbanduhr. „Ich kauf dir ne Villa, dann stell ich dir noch nen Ferrari davor. Deinem Weibchen schick ich jeden Tag nen Fünfkaräter. Ich schieb es dir hinten und vorne rein. Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash, im Koffer. Das schickst du zurück. Einmal, zwei Mal, vielleicht sogar ein drittes Mal. Aber ich schick dir jedes Mal mehr und irgendwann kommt dann mal der Punkt, da bist du so mürbe und so fertig, und die Versuchung ist so groß, dann nimmst du es. Und dann hab ich dich. Dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht und ich mach mit dir, was ich will. Verstehst du Junge, ich bin dir einfach über. Gegen meine Kohle hast du doch gar keine Chance. Begreifst du das denn nicht, mein Junge? Mensch, Baby, Junge, ich will doch nur dein Freund sein. Komm, und jetzt sag Heini zu mir.“

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Nein, so weit sollte es ein geschickter Partymanager nicht kommen lassen. Viel subtiler muss die Gesellschaft gesteuert werden. Bloß nicht zu offensichtlich, trotzdem dürfen die Chancen nicht verstreichen, – soviel Zeit hat der Mächtige nun auch wieder nicht.

Von privaten Einladungen kennt man es, dass der Gastgeber und noch mehr die Gastgeberin als eine Art Klebstoff fungieren. Damit der Abend gelingt, braucht man ein Auge dafür, dass keiner außen vor  bleibt. Man muss galant wieder integrieren, der plötzlich am Rande der Gesellschaft steht oder bemerken, dass einer aus einem Gespräch gerettet  werden muss. Das ist schon unter Freunden eine Herausforderung. Wie viel größer muss der Erfolgsdruck sein, wenn sich  die ganze Angelegenheit in einem professionellen Rahmen abspielt?

Schauen wir uns nur mal eine eigentlich simple Handlung genauer an: das Vorstellen. Mit reiner Namensnennung ist es nicht getan. Einen ersten Eindruck kann man nicht wiederholen. Dennoch sollen, müssen gar, diese beiden sich gut verstehen. Da darf nichts schief laufen. Wer vorstellt, sollte auch in ein Gespräch hineinführen können, am besten charmant, damit alle Beteiligten den Moment als angenehm empfinden. Man braucht genügend Übung, um das Gespräch im Notfall auch weiter begleiten zu können, um sich dann dezent wieder auszuklinken.

Oder, was auch nur auf Augenschlag zwischen den Organisatoren und dem Team funktionieren muss: Jemanden von seiner Begleitung trennen, damit sich der richtige Moment für ein Gespräch erst ergeben kann. All das darf nicht dem Zufall überlassen werden.

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Man darf ruhig sagen, dass man diese Gastgeber-Qualitäten häufiger bei Frauen als bei Männern findet. Schließlich haben Frauen ein stärkeres Gespür für soziale Gefüge und grundsätzlich bessere Antennen für ihr Umfeld. Deswegen eignen sich Frauen auch am allerbesten, um einen solchen Abend oder gar einen mehrtägigen Urlaub zu eskortieren. Besonders, wenn sie hübsch anzusehen sind.  

So würde ich es zumindest organisieren. Bin ich froh, dass ich – heute und immer -schon was Besseres vorhabe.


16 Lesermeinungen

  1. Michael sagt:

    <p>@muscat</p>
    <p>Unsere...

    @muscat
    Unsere „Damen“ halten in der Qualität mit den Eskorten dem Hörensagen nach nicht ansatzweise mit. So ein Uraltporsche in orange passt natürlich auch zu Eskorte. Das arme Autochen. Zum Glück nicht rosa, Porsche als Schwuchtelauto wäre richtig gemein. Emanzen sind ebenso gewöhnungsbedürftig, wie ihre Zellulite. Das Bild der Partylöwen ist auch nicht gerade begeisternd. Kein Wunder, wenn die Kerle mit 50 Betablocker und Cholesterinsenker zentnerweise futtern. Die „Kohle“ hat einen Nachteil, sie beruht nur auf dem Glauben, dass die Schuldner in der Lage und gewillt sind, zu ihren Schulden zu stehen. Was die Griechen gerade mit Molotow – Cocktails auf den Straßen abfeiern. Wenn das Schule macht, ist der T€uro erledigt. Es wurde ja schon vorgeschlagen, dem „Nord – €uro“ den Umriss von Viagra zu geben, so dass es scheinen würde, dass wenigstens der stünde. Was bleibt ? Man sollte es nicht glauben, es gibt noch Menschen. Genau das dürfte das Erfolgsrezept der Eskorten sein. Sie sind in der Lage sich als Menschen zu geben, während sowas bei vielen unserer Mitmenschen heutzutage schon zuviel verlangt ist.

  2. FAZ-soma sagt:

    Manipulation und kalkulierte...
    Manipulation und kalkulierte Upper-Class-Schläue? danke danke, schüss.

  3. <p>Brillant - ich habe mir das...
    Brillant – ich habe mir das Video auf youtube mit Kir Royal angeschaut.
    Doch nun in medias res: Ich schlage vor, dasz SvM eines Tages, wenn sie ihrer Individualfeste ueberdruessig ist (also im Jahr 2025?) sich selbst an so eine Feier und Organisation herantraut: Sie organisiert eine Blogfeier und laedt dann die klugen und guten Blogleser, aber auch diejenigen wie mich, hierzu ein. Wir tragen dann Schilder mit unseren Blognamen, einen Knopf „Like“ oder „Dislike“ daneben in Bezug auf SvMs Blog und duerfen dann entsprechend dieser Markierung im Wohnzimmer Sekt oder im kalten Keller faulen Most trinken. Alle Menschen, deren Nachnamen mit den Buchstaben A-M beginnen, muessen etwas zu essen mitbringen, und zwar ihre Lieblingsspeise, und diejenigen mit dem Buchstaben N-Z ihr unliebstes Getraenk. Jeder musz mindestens drei Speisen und drei Getraenke probieren und auf kleinen Kaertchen schreiben, was er von deren Besitzer wirklich denkt.
    Die Bilder und Kaertchen von dieser Feier werden dann auf eine Internetseite namens http://www.bloedefeier.de gestellt und die Einnamen (0,16 Euro – es gibt immer einsame Informatiker, die sich alles Neue im Internet anschauen) flieszen nach Griechenland und hiernach verbrennen sie die deutsche Flagge weil wir nicht nur Nazis, sondern eben auch geizig sind.
    Und danach wissen wir wenigstens viel mehr ueber uns gegenseitig und ob SvM eine gute Feierkoordinatorin ist oder doch lieber Individualfeiernde bleiben sollte…

  4. <p>PS: Ich habe englische...
    PS: Ich habe englische Worte benutzt!! Zu Huelf!! Ich werde wie das gemeine Volk, der Poebel, die franzoesische Bastardisierung des Muelleimers! Ich meinte natuerlich „Mag“ und „Mag nicht“-Aufschrift auf den Schildern in meinem Kommentar zu obigen Text.
    Kann man mir verzeihen? Werde ich eingeladen? Und ein Elitist wie Michael, was mag er nur denken?
    (Regieanweisung: Porschebildgleiche Schamesroete steigt Dr. P.N. ins Gesicht)

  5. Inge sagt:

    ja allein schon der Name Baby...
    ja allein schon der Name Baby Schimmerlos ich mochte die Serie kann mich aber nicht mehr so genau erinnern

  6. Michael sagt:

    Nee, nicht irgendwelche...
    Nee, nicht irgendwelche Theorien. Bleiben Sie einfach nur menschlich. In dem Geschäft kommt es auf die Ausstahlung der Persönlichkeit, nicht Motzki oder Protzki, an. Da sind Männlein oder Weiblein gleich geeignet. So eine Eskorterin kann mal ganz schnell irgendwelche theoretisierenden Hochschultypen in die Tasche stecken. Sie ist nicht weniger „wert“. Es gibt im Prinzip keine Männer- oder Frauenberufe mit Mehr- oder Mindereignung mehr. Auch Männer- oder Frauenquoten sind kompletter Unfug. Die- oder derjenige(n), die oder der besser geeignet sind, werden früher oder später in die richtige Position geschoben werden. Da ist nichts manipuliert oder gar schlau, von „upper-class“ kann gar keine Rede sein. Man sieht es doch am Don. Das ist doch ein ausgesprochener Exote. Denken Sie doch einfach über dessen Persönlichkeit mal nach, ohne ihn nachahmen zu wollen. Was ist sein „Erfolgsmodell“ ?
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    Aber ein oranger Porsche grenzt wirklich an seelische Grausamkeit. Ohne Porsche – Fan zu sein. Da wir uns nur virtuell kennen, ich fahre einen Saab 95 Aero mit 250 PS, der hängt so manches Auto locker ab (mit mir als Fahrer seltener), sieht aber aus, wie ein echtes Beamtenauto. So opelähnlich, richtig langweilig. Der Stahl ist, wie eigentlich das ganze Auto begeisternd, bis auf den der Leistung angemessenen Spritverbrauch bei heutigen Preisen.
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    Das brauchen Sie selbstverständlich nicht freischalten. Es ist nicht als Diskussion, sondern als Anmerkung gedacht. Tschüssikowski, wie wir (theoretisch fast-)Opas so sagen. Also, Schwamm drüber. Gift in der Galle war noch nie gesund. Ich bin keiner von diesen albernen ….

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