Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Literatur-Quiz: Einer gegen alle

| 48 Lesermeinungen

Viele Leser unterstreichen Sätze in Büchern, die sie noch mal nachschlagen wollen. Mal sehen, ob man daran erkennt, in welchem Buch sie stehen. Googeln ist verboten. Raten erwünscht!

Wir machen heute mal etwas ganz anderes. Wir spielen ein Spiel. Ein Literaurquiz, das folgende Frage an die Runde stellt:
Welche Sätze hat man in seinen Büchern unterstrichen?

Ich persönlich unterstreiche nicht nur,ich knicke auch Eselsohren in die Seiten. Das Ding der Woche – falls es Leser gibt, die eine explizite Benennung des Dings der Dinglichkeit bevorzugen – sind also die Sätze, die man in einem Buch markiert. Manche gehen dabei vorsichtig mit Bleistift vor, ich benutze meistens einen Kuli.

Das Quiz hat Spieler und Gegenspieler. Der Spieler stellt sein Buch in unterstrichenen Sätzen chronologisch vor und die anderen müssen raten, welches es ist –  mit Autor und Titel.
Wichtig: wer bei Google den ganzen Satz eingibt, hat geschummelt. Google ist viel schlauer als wir, Google weiß alles. Machen wir uns nichts vor.
Und ich verspreche im Gegenzug auch ehrlich zu sein und genau die Sätze vorzulegen, die ich beim ersten Lesen unterstrichen habe, – mögen sie mich auch entblößen,

Wer es als erster errät, hat gewonnen.
Also, ich fange an.
Kleiner Tipp: ich habe diese Lektüre gewählt, weil sie aus der Zeit stammt, für die ich mich zurzeit besonders interessiere.

So, und nun der erste Satz:

Seite 29:

Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle

„Ich zweifele nicht daran, daß sie zum größten Teil Dichtung sind, nicht aber im Sinn wirklicher Erfindung, sondern im Sinne eines Ausdrucksversuchs, der tief erlebte seelische Vorgänge im Kleide sichtbarer Ereignisse darstellt.“

Erstes Eselsohr.

Dann, gleich wieder, Seite 30:

Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle

„Ich sehe in ihnen aber etwas, ein Dokument der Zeit, denn (NAME DES PROTAGONISTEN IM GENITIV) Seelenkrankheit ist – das weiߟ ich heute – nicht die Schrulle eines einzelnen, sondern die Krankheit der Zeit selbst, die Neurose jener Generation, welcher (NAME DES PROTAGONISTEN) angehört und von welcher keineswegs nur die schwachen und minderwertigen Individuen befallen scheinen, sondern gerade die starken, geistigsten, begabtesten.“

Ich musste den Namen rausnehmen. Sonst weiߟ man es sofort. Ist ein Klassiker. Aber ich werde den Namen nachreichen, wenn die Raterunde das will. Der Name ist der Joker.

Ich denke, einer geht noch. Möchte zugeben: Das Spiel hat, wenn man es richtig spielt, seinen Ehrgeiz. Leicht ist es nicht. Aber wir wollen ja nur raten und uns unterhalten lassen.

Also, einen Satz noch, gleich den nächsten, unterstrichenen:

Seite 33:

Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle

„.hatte schöne, zarte, kostbare Federwölkchenmuster in den Himmel gezeichnet gefunden.“

….hhhmmm…das ist nicht wirklich hilfreich,  also gibt es noch einen dazu:

Seite 44:

Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle

„Vielleicht waren diese paar Stammgäste, die ich vom Sehen alle kannte, richtige Philister und hatten zu Hause in ihren Philisterwohnungen öde Hausaltäre vor blöden Zufriedenheitsgötzen stehen, vielleicht auch waren sie vereinsamte und entgleiste Burschen wie ich, stille, gedankenvolle Säufer über bankrotten Idealen, (TITEL DES BUCHES) und arme Teufel auch sie; ich wußte es nicht.“

So, und jetzt wollen wir mal sehen, wer was weiß.
Wenn die Lektüre erraten wurde, würde es mich brennend interessieren, ob Sie auch Sätze darin unterstrichen haben. Dann könnten wir sie gewissermaßen tauschen.


48 Lesermeinungen

  1. FAZ-soma sagt:

    Aber dann sagen Sie uns lieber...
    Aber dann sagen Sie uns lieber Bischl, woran haben Sie es erkannt?

  2. Bis zum letzten Satz kam es...
    Bis zum letzten Satz kam es mir nur bekannt vor, dann aber war es doch deutlich. Unterstrichen habe ich nichts, aber an einen Satz gegen Ende „Die Welt geht kaputt und wir mit“ oder so ähnlich – mit dem entsprechenden Kontext – erinnere ich mich immer mal wieder.

  3. FAZ-soma sagt:

    Finden Sie, Haller nimmt ein...
    Finden Sie, Haller nimmt ein gutes oder ein schlechtes Ende?

  4. muscat sagt:

    Habe es NICHT vor mir liegen,...
    Habe es NICHT vor mir liegen, leider.
    Zu gern würde ich mal wieder den Steppenwolf an einem Donnerstag Mittag im Büro lesen…

  5. Bischl sagt:

    Nachtrag
    Erkannt habe ich es...

    Nachtrag
    Erkannt habe ich es an den Philisterwohnungen, den öden Hausaltären und den Zufriedenheitsgötzen. Das hatte sich bei mir eingeprägt.
    Eselsohren praktiziere ich auch und manchmal mache ich auch Randanstreichungen (mit Bleistift).

  6. Die Initialkommentare waren...
    Die Initialkommentare waren hoechst erquicklich, das Spiel wirklich spannend!
    An Jeeves: Die Buecher sterben doch immer mehr aus. Wieso dann also nicht mit Kulli, Filzstift over von mir aus sogar mit Blut hineinschreiben? Wen stoert das schon? Von uns haben doch sowieso nicht mehr allzu viele Kinder, die eines Tages unsere altbackene Buecher lesen werden. Ich habe mir meinen tief, tief sitzenden Respekt vor diesen am Anfang bluetenweiszen Seiten abgewoehnt und miszbrauche mittlerweile meine Buecher fuer kurze Tagebucheintraege.
    An alle: Hohen Respekt vor den anderen – ich lag falsch mit meinen Vermutungen und bin begeistert, dasz es so viele bildungsnaehere Menschen gibt!
    An SvM: Haller macht was alternde Menschen machen, er paszt sich an und flieht in Koerperlichkeit. Ich mag das Ende nicht, will das Buch aber dereinst wieder lesen aus der Sicht eines juengeren, aber nun auch gealterten Mannes.
    An alle: Roszhalde ist Hesses bestes Buch. Was finden die anderen?

  7. HansMeier555 sagt:

    Man müsste die Texte (selber)...
    Man müsste die Texte (selber) ins französische übersezten, dann wäre gougle neutralisiert.

  8. Schönes Spiel. Auf Hesse...
    Schönes Spiel. Auf Hesse wäre ich nicht gekommen, meine Steppenwolf-Lektüre liegt allerdings auch schon sehr lange zurück. Wegen der „Philister“ und der ganzen „Ich bin so unverstanden“-Attitüde hätte ich auch eher auf einen Autor der Romantik getippt. Jean Paul oder Gottfried Keller zum Beispiel (Grüner Heinrich).

  9. FAZ-soma sagt:

    Mit Bluuuut? Herr Niemann, das...
    Mit Bluuuut? Herr Niemann, das kann nur ein Doktor schreiben oder eine wohl begüteter Vampir.

  10. FAZ-soma sagt:

    Roszhalde habe ich nicht...
    Roszhalde habe ich nicht gelesen. Warum gefällt es Ihnen so gut?

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