Karriere im Takt

Muss man Weinkenntnisse haben, um Karriere zu machen?

Die Frage ist gar nicht leicht zu beantworten. Weinkennerschaft gehört heute fast zum Allgemeinwissen, zumindest in „besseren“ Kreisen. Aber oft ist wenig Substanz hinter den eifrigen Schlürfgeräuschen und manchmal ist man vor Neid ganz krumm, wenn Menschen am Tisch sitzen, die als erklärte Biertrinker in zwei Monaten zum Weinkenner mutierten und sich nur noch im hoch gebildeten Wein-Vokabular unterhalten.

Schreibe ich also eine E-Mail an meinen Freund Rudolf Knoll, einen der besten Kenner der Weinszene und Autor von 38 Weinbüchern. Er arbeitet auch für das europäische Wein-Magazin Vinum. Er muss es wissen. Und die Antwort kommt rasch:

„Wenn man die richtigen Chefs hat, kann Weinwissen sogar dazu beitragen, beruflich aufzusteigen. Wer das vorhat, sollte zuerst die Vorlieben des Chefs erkunden. Vielleicht mag ER alte Riojas oder ist auf „Südafrikaner“ abonniert und man ist selbst fit beim deutschen Wein – das bringt dann wenig oder sogar das Gegenteil.

Generell sollte man ein bisschen was über die guten und schlechten Jahrgänge wissen, um im Restaurant auswählen zu können. Die Weingebildeten kennen sich meist in Bordeaux gut aus, das ist also das wichtigste Weinland.

Man sollte wissen, dass die Deutschen verdammt gut geworden sind und der österreichische Weinskandal 21 Jahre zurück liegt sowie zu einem steilen Aufstieg geführt hat. Man sollte etwas über die Kombination Wein-Essen wissen und kann mit Thesen wie „Zum Käse trinke ich viel lieber Weißwein, weil das besser passt“ oder „Fisch und Rotwein, warum denn nicht, wenn er entsprechend zubereitet ist“ aufwarten.

Wissen sollte man auch, wenn ein Wein korkt, oxidiert ist oder sonstige Macken erkennen lässt.

Die Aussage „der Wein ist vom Terroir geprägt“ ist heutzutage ein Modewort, das viel bedeuten kann, aber gerade von denen benutzt wird, die sich wichtig machen wollen.“

Wer also beim Trendthema „Wein“ mitreden möchte, sollte sich ein oder mehrere gute Weinseminare gönnen, der Rest ist üben, üben, schmecken, vergleichen und noch vorhandene Lücken eingestehen, damit es nicht peinlich wird.

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