Kein Blog-Bild

Karriere im Takt

Der tägliche Hindernislauf um die Fettnäpfchen im Business bringt so manchen aus der Puste. Es geht auch ganz easy – wenn man die „goldenen

Nervtötendes Gequassel über den Wolken?

| 0 Lesermeinungen

Unter bestimmten Bedingungen dürfen Handys jetzt auch in Flugzeugen benutzt werden. Dafür hat die EU-Kommission in Brüssel grünes Licht gegeben. Gut und schön. Oder auch nicht. Sollen wir jetzt also nervtötendem Gequassel auch über den Wolken ausgesetzt werden - wie bereits auf dem Boden in der Bahn?

Unter bestimmten Bedingungen dürfen Handys jetzt auch in Flugzeugen benutzt werden. Dafür hat die EU-Kommission in Brüssel grünes Licht gegeben. Offenbar sind keine technischen Probleme bei den Bordinstrumenten zu befürchten, wenn die Mobilen eingeschaltet sind. Gut und schön. Eine Sorge weniger, denn ans Ausschalten vor dem Start des Fliegers hat sich so mancher nicht gehalten.

Sollen wir jetzt also nervtötendem Gequassel auch über den Wolken ausgesetzt werden – wie bereits auf dem Boden in der Bahn? Eine schreckliche Vorstellung! Viele Handynutzer haben ja von Rücksicht noch nie was gehört. Sie brüllen in Deutsch, Türkisch, Polnisch oder anderen Sprachen vor versammelter Mannschaft in das arme Gerät – die Distanz, die überbrückt werden muss, ist ja auch oft riesig. Und das geht oft stundenlang. Selbst im „Wisperabteil“.

Wer sich darauf gefreut hat, die Zeit in der Bahn mit einer interessanten Lektüre gemütlich zu gestalten, in meditativer Stimmung aus dem Fenster zu schauen, sich mit seinem Nachbarn zu unterhalten oder am Laptop zu arbeiten, wird bitter enttäuscht. Die Bahnfahrt wird zum echten Horrortrip, von Erholung keine Spur. Bei jedem der oft unsäglich lauten und affigen Klingeltöne schrecken die Mitreisenden zusammen, weil wieder jemand Banalitäten oder sogar Geschäftsinterna ins Abteil schleudert. Da war das Flugzeug bisher noch die letzte Oase, in der man ungestört dösen oder sich still beschäftigen konnte, außer bei einigen Fluglinien mit so genannten In-Seat-Telefonen via Satellit.

Es dürfte nicht gerade leicht sein, im Flieger Plauder- und Ruhezonen auszuweisen, lediglich  die Kommunikation über SMS zuzulassen und einen Klingelton zu verbieten. Zum Glück wehren sich noch renommierte Fluggesellschaften, ihren Kunden diesen Ort der Ruhe zu rauben. Ja, aber der Chef muss doch immer und überall erreichbar sein! Muss er nicht, wenn er seinen Laden gut bestellt hat. Und irgendwann steigt er ja auch wieder aus, um eine oberwichtige Entscheidung zu treffen.

Handys können natürlich auch praktisch, Nerven schonend oder sogar Leben rettend sein. Selbstverständlich – wie kämen wir nur ohne sie aus? Hat das Beförderungsmittel eine relevante Verspätung, gebietet es die Rücksichtnahme, die eventuellen Abholer rechtzeitig zu informieren, damit sie sich nicht unnötig die Beine in den Bauch stehen müssen. Dies kann aber auch leise ins Handy gesprochen werden, wogegen dann bestimmt niemand etwas hat.

Wer in der Bahn wichtige Dinge zu bereden hat, geht diskret auf den Gang und belästigt so seine Umwelt nicht. Im Flugzeug würde das nichts nützen – es sei denn, es würden Schall isolierte Zellen für jene eingerichtet, die dem Telefonierzwang nicht widerstehen können. Die langen Warteschlangen kann man sich schon vorstellen. Kein Platz dafür? Dann einfach die Sesselreihen noch ein bisschen enger zusammenschieben. Auf Beinfreiheit wird ja in der Holzklasse ohnehin nur bei wenigen Airlines noch Wert gelegt.  

 


Hinterlasse eine Lesermeinung