Eins gegen Eins

Lufthoheit

Seit die Fußballreporter im Fernsehen immer weniger erzählen können, dürfen sie zählen. Die Statistik – vom Tor nach Ecke von links bis zu den verbliebenen Zähnen des Spieler-Großvaters – hat die Analyse ersetzt, und das Schwarzmalen mit Zahlen ist mittlerweile auch bei den Vereinen ein beliebtes Beschwörungsritual.

 Insofern sollte man sich nicht aufregen über den Epilog zum Spitzenspiel, dessen Protagonist, wie schon im Prolog, Uli Hoeneß heißt. Er ist halt so und kann nicht anders, und uns würde allen etwas fehlen, wenn er sich auf einmal als besonnener elder statesman präsentierte. Dass von Ralf Rangnick trainierte Mannschaften nur eine Saison – mitunter auch mal zwei Spielzeiten – gut spielen, ist ein statistischer Wert mit bescheidener Aussagekraft. Weshalb sich Hoeneß auch nicht im Geringsten für die Zahlen interessiert, sondern für das polemische Potential, das in ihnen steckt. Als Inhaber der HoWe Wurstwaren KG weiß er schließlich auch, dass zwei gute Jahresbilanzen mit seinen „Original Nürnberger Rostbratwürsten” nicht automatisch Umsatzrückgang im dritten Jahr bedeuten.

 Es geht bei dem Geplänkel um die Lufthoheit nach dem Spiel, um den Sieg nach dem Sieg in der Nachspielzeit, und natürlich setzt der alte Kommunikator Uli Hoeneß darauf, dass die Hoffenheimer Verantwortlichen zu seinem Vorstoß nicht schweigen können. Das Kalkül ist aufgegangen, Hockeytrainer Peters hat Äußerungen aus dem Kabinengang kolportiert, was immer gern gedruckt wird, weil dieser Ort so etwas wie die Intimsphäre des Fußballs darstellt, und vermutlich hat Hoeneß sogar von „Rangnicks linker Schauspieltruppe” gesprochen. Was er damit gemeint hat, ist schwer nachzuvollziehen – und ist auch unwichtig, weil es nur darauf ankommt, dass es kracht, nicht aber, dass es stimmt. Was diese Art von bayrischer Begleitmusik angeht, muss der Aufsteiger noch einiges lernen – oder aber einen eigenen Stil kreieren, der sich vom hitzigen Hoeneß nicht unter Kommunikationszwang setzen lässt.

 Ralf Rangnick dagegen, der laut „Kicker” am Sonntag bei einem Fußballturnier seines Sohnes war, empfehle ich, was ich bei Fußballturnieren meines Sohnes auch immer tue: Mobiltelefon ausschalten und zugucken. Für ein Statement ist hinterher immer noch Zeit. Und vielleicht hat’s sich dann auch erledigt.

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