Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Bernabeu & Sankt Peter

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Was dem Gläubigen Sankt Peter in Rom, ist dem Anhänger der Ersatzreligion das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid - auch wenn es da anderslautende Meinungen...

Was dem Gläubigen Sankt Peter in Rom, ist dem Anhänger der Ersatzreligion das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid – auch wenn es da anderslautende Meinungen geben mag. Am Samstag habe ich dort das Spiel von Real gegen Valencia gesehen, statt Deckengemälden gab es Heizstrahler, die einen bei Außentemperaturen von etwa 2 Grad Celsius leicht grillten, das Spiel war mäßig, aber man ahnte sofort, was es für einen Fußballer bedeuten muss, hier einmal gespielt zu haben. Der Rasen ist schlecht, davon habe ich mich am Tag darauf bei der Stadiontour überzeugt, die Umkleidekabinen und Duschen sind großartig, die von Placido Domingo intonierte Hymne, mit der man im Raum mit den Pokalen berieselt wird, ist nur schauderhaft – aber wenn man unter den 75.000 sitzt, wenn man die Berichterstattung vor und nach dem Spiel verfolgt, wird klar, dass es einfach nicht erträglich ist, wenn die Mannschaft nicht oben steht. Sie muss einfach! In diesem Stadion kann nicht ein Tabellenachter gegen einen Tabellenzwölften antreten. Und es mag schon sein, dass dieser Druck für einige Spieler zu viel ist, die sich Real zusammengekauft hat.

Auf dem Platz stand eine Rumpfelf, wegen der vielen Verletzten, trotzdem brüllte hinter uns ein Fan bei jeder Aktion sein „bien, Messelder“, wenn der Mann aus Haltern richtig stand und klärte, was er oft tat, obwohl nicht zu übersehen war, dass er halt nicht spielen und antizipieren kann wie sein Nebenmann Cannavaro oder der verletzte Pepe. Die Mannschaft wirkte verkrampft, selbst der allseits gelobte und wahnsinnig agile Robben zeigte erschütternde Schwächen beim Torschuss, genau wie Higuain oder Guti, der Anflüge von Genialität mit Abspielen kombinierte, für die nur das Adjektiv trostlos zur Verfügung steht. Und wenn man noch die letzte Saison von van der Vaart beim HSV vor Augen hat, hätte man verzweifeln können. Warum hat Real Drenthe gekauft, wobei sollen ab Januar Lassana Diarra und Jan Klaas Huntelaar helfen, wenn die Mannschaft kein Spiel aufbauen kann und jedem beim Umschalten von Abwehr auf Angriff nur der vertikale Pass auf Robben einfällt, der trotz seiner bisweilen wirklich atemberaubenden Tempodribblings von dieser Rolle überfordert ist?

 Wenn man ein solches Spiel in diesem Stadion gesehen hat, kommt es einem so vor, als erstickte die versammelte Ahnengalerie, die im Real-Museum an den Wänden hängt, den Spielfluss der derzeit auf dem Platz stehenden Mannschaft. Jeder weiß, worum es geht, und kaum einer ist in der Lage, es zu tun. Bernd Schuster hat es auch gewusst, aber er hat kapituliert, vor der Mannschaft und vor der Vereinsführung. Oder, um es mit Marx zu sagen: „Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.“ Vielleicht muss sich Juande Ramos ja die Dienste eines Gehirntrainers sichern wie Jürgen Klopp, der in der Dortmunder Nordkurve einen religiösen Erfahrungshorizont hat, der sich zum Estadio Bernabeu in etwa verhält wie Santa Maria Maggiore zu Sankt Peter.


1 Lesermeinung

  1. <p>Das stimmt, die Musik im...
    Das stimmt, die Musik im Pokalraum bei der Tour Bernabeu ist schrecklich! Wohl dazu gedacht, um die Menschenmassen schneller durchzuschleusen.
    Aber eine Nordkuve gibt es in Dortmund nicht!

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