Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Arbeiterfeindlich

Kollege Körte hat recht, Bundesliga sonntags gegen 23 Uhr, das ist, da es sich vermeiden ließe, widersinnig. Ich erinnere mich noch an Zeiten, als von derart...

Kollege Körte hat recht, Bundesliga sonntags gegen 23 Uhr, das ist, da es sich vermeiden ließe, widersinnig. Ich erinnere mich noch an Zeiten, als von derart späten Sendeterminen gesagt wurde, sie seien der anspruchsvollen Kultur und ihrem kleinen Publikum reserviert, dem, was damals „Problemfilm“ hieß, dem kleinen Fernsehspiel, der unverstandenen Avantgarde oder Wiederholungen von Filmen mit dem frühen James Cagney. Denn das lichtscheue intellektuelle Publikum – Professoren, Künstler, Journalisten – könne ja ausschlafen. Und umgekehrt wurde die Wiederholung von Spielen der Nationalmannschaft am Morgen nach dem Match – beispielsweise bei Weltmeisterschaften – mit der Existenz von Schichtarbeit begründet. Wer es unverschuldetermaßen abends nicht sehen konnte, sollte es nachholen können. Die Sendezeiten nahmen damit sozusagen Rücksicht auf die soziale und kulturelle Schichtung. Irgendwann verschwanden dann aber solche Wiederholungen, stillschweigend, aber vermutlich nicht, weil es keine Schichtarbeit mehr gibt, sondern weil man bei den Schichtarbeitern den Besitz von Aufzeichnungsgeräten mit Schaltuhr voraussetzt. Für ganze Spiele mag das angehen. Aber niemand, der montagsmorgens um 5 raus muß und darum sonntagabends nicht bis halb zwölf wachbleiben möchte, zeichnet Zusammenfassungen auf, um sie sich montagsnachmittags anzuschauen. Der Gebührenzahler trägt also erst seinen Obolus bei, um dann mitansehen zu müssen, wie Fernsehbeamte es vorziehen, von den teuer erworbenen Rechten keinen Gebrauch zu machen. Um die öffentlich-rechtliche Ausstrahlung zu rechtfertigen, pflegten Intendanten und Politikern seit jeher die Redeweise von der „Grundversorgung“, ja vom „Grundnahrungsmittel Fußball“ (Edmund Stoiber). Jetzt sieht man, wie ernst sie es im Zweifel damit meinen. Oder sollte das Desinteresse am frühen Sendetermin am Ende mit der Unterstellung zusammenhängen, dass Leute, die überhaupt noch fernsehschauen, zu jeder Zeit schauen können, da sie gar keinen Arbeitsplatz mehr haben, weil sie entweder Rentner oder Wohlfahrtsempfänger sind?