Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Bad Bank

Kaum etwas erregt die moralische Empörung der Fans mehr als die kühle Behauptung, sein Verein sei nur ein Wirtschaftsunternehmen und Tradition und...

Kaum etwas erregt die moralische Empörung der Fans mehr als die kühle Behauptung, sein Verein sei nur ein Wirtschaftsunternehmen und Tradition und Herzensbindung seien allenfalls brauchbare „assets“ für Investoren. Vermutlich hat dieser Reflex damit zu tun, dass es im Fußball (wie auch in Hollywood) komplizierter ist, die Grundsätze ökonomischer Rationalität durchzusetzen, dass Zocker, Hasardeure, Blender und Verschwender hier bunter schillern als Leute, die auf die „bottom line“ achten. Im Zeitungsgewerbe ist es übrigens bisweilen auch nicht einfach, aus anderen Gründen allerdings. Als Montgomery den Berliner Verlag kaufte, war klar, dass der Mann keine besseren Zeitungen, sondern höhere Rendite wollte und nicht begriff, dass letztere womöglich eine Folge ersterer sein könnte.

Bei den Billionären aus Abu Dhabi oder Kuwait oder Russland oder Amerika, die sich in der Premier League tummeln oder tummeln wollen, ist dagegen schwer durchschaubar, was sie wollen, erst recht, wenn man nun liest, Scheich Sulaiman Al-Fahim sei nach der Übernahme von ManCity nun auch am FC Chelsea interessiert (vielleicht weil er die Farbe Blau liebt;  Manchester City nennt sich nämlich nicht nur „The Citizens“, sondern bisweilen auch „The Blues“). Suchen die Männer vom Golf ein neues Hobby, weil ihnen ihre Jagdfalken, Rennkamele oder Sportwagen fad geworden sind, oder ein Geschäft? Wenn man mal unterstellte, dass sie ein Fußball-Unternehmen kaufen, um es in eine profitablere Zukunft zu führen, dann machen sie alles falsch. Ebenso gut könnte einer versuchen, als Schweinezüchter im Iran ganz groß herauszukommen.

Überhöhte Transfersummen, eine aufgeblähte Gehaltsstruktur und ausbleibender sportlicher Erfolg verwandeln jeden halbwegs soliden Club kurzfristig in eine Ruine. Verlässt den Investor/Besitzer dann die Lust, weil seine Playmobilwelt nicht funktioniert, hinterlässt er eine Kostenstruktur, die jeden vernünftigen Insolvenzverwalter in die Knie zwingt. Er kann nur noch streichen, abstoßen, kürzen – wobei die Frage ist, ob danach überhaupt noch genug übrig bleibt, um den Spielbetrieb in einer höheren Liga aufrecht zu erhalten. Der seit kurzem so beliebte Begriff „bad bank“ bekommt da eine weitere Dimension: Wenn nach einem Konkurs alle Stars weit unterm Einkaufspreis wieder verkauft sind, bleibt allenfalls noch die Ersatzspielerbank (mit der Manchester City in der vergangenen Saison immerhin Neunter wurde).