Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Zerruttend

Dass alle wichtigen Ereignisse der Geschichte den Hang zur Wiederholung haben, hat schon Marx gewusst. Was beim ersten Mal Tragödie ist, wird beim zweiten Mal...

Dass alle wichtigen Ereignisse der Geschichte den Hang zur Wiederholung haben, hat schon Marx gewusst. Was beim ersten Mal Tragödie ist, wird beim zweiten Mal zur Farce. Marx hat bloß Schalke noch nicht gekannt, das erst 21 Jahre nach seinem Tod gegründet wurde. Und vermutlich könnten selbst Neomarxisten nicht sagen, wie man denn nun die wiederholte Farce auf Schalke nennen und welches Gesetz man daraus ableiten soll. Das Ganze liegt irgendwo im Bermudadreieck zwischen „Lindenstraße“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, zwischen „DSDS“ und der Bierwerbung von Rudi Assauer, der sich jetzt prompt zu Wort gemeldet und unverlangt erklärt hat, wenn er noch mal anfangen sollte, dann müssten mindestens zwanzig Leute verschwinden. Da kann er gleich weiter zugucken, ohne etwas anzufassen. Und wenn Fred Rutten nicht zu zermürbt ist, sollte er nach seiner heutigen Erklärung noch lange genug ausharren, um Schalke zu einer anständigen Ablöse zu nötigen.

Was auch immer der Schalker Kreisel noch gebären wird in den nächsten Wochen, man kann seinem schlimmsten Feind nicht empfehlen, sich für die beiden vakanten Stellen des Managers und des Trainers zu bewerben. Angeblich sollen die Verantwortlichen sogar die Fühler nach Arséne Wenger ausgestreckt haben, was auf leichte Wahnvorstellungen schließen lässt. Oliver Kahn, dessen Leistung ich immer respektiert habe, obwohl er mir mit seiner verbissenen Art mehr als ein Jahrzehnt höllisch auf die Nerven gegangen ist, sollte nie wieder nach Rheda-Wiedenbrück fahren, Felix Magath ist eh ein zu guter Schachspieler, um in Gelsenkirchen Mau-Mau zu spielen, und selbst Oliver Bierhoff mit seiner glattgebügelten Managerseminar-Rhetorik dürfte sich nicht derart überschätzen, dass er glaubte, es auf Schalke zu etwas bringen zu können.

So bleibt im Grunde nur ein Mann, der  es richten könnte, und der hat seinen Vertrag noch nicht verlängert. Würde man in Gelsenkirchen eine Casting-Show einrichten, „Schalke sucht den Supermanager/Supertrainer“ – am Ende dieser Farce könnte da nur Peter Neururer auf der Bühne stehen. Der war ja 1989/90 schon mal da, bis er vom sogenannten Sonnenkönig Eichberg gefeuert wurde. Und dei Quizfrage für Historiker wäre: Wenn das damals keine Tragödie war, sondern eher ein Schwank – was wäre dann die Wiederholung?