Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Jetzt stürmt Stoiber!

Nun auch noch Stoiber! „Es ist doch sehr ernüchternd und sehr amerikanisch", hat er mit jenem populistischen Anti-Amerikanismus, der deutschen Politiker...

Nun auch noch Stoiber! „Es ist doch sehr ernüchternd und sehr amerikanisch“, hat er mit jenem populistischen Anti-Amerikanismus, der deutschen Politiker immer so verdächtig leicht über die Lippen kommt, über Klinsmanns Arbeit gesagt. Jeder plappert in München und außerhalb Münchens halt drauflos, und diejenigen, die jetzt beharrlich nichts mehr sagen wollen, schweigen beredt, weil sie vorher schon zu viel gesagt haben. Aber vermutlich wird der sogenannte Kaiser nicht lange an sich halten können, weil der Boulevard ihn schon mit ein paar Sätzen zur Ader lassen wird.

Bei dieser diskursiven Diarrhoe konnte natürlich auch die Entlassungs-Prognose meines Kollegen Jürgen Kaube nicht anschlagen. Ein anderer Kollege, Michael Horeni, hat in der FAZ vom Dienstag in aller Klarheit auch schon festgehalten, dass es bei der ganzen Sache gar nicht so sehr um Klinsmann geht, sondern um die Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit im deutschen Fußball, für die das Schicksal des Schwaben lediglich ein Indikator ist – und der öffentliche Umgang mit Klinsmann ist mittlerweile ein Symptom, wie es um diesen Willen zur Veränderung steht. Da geht es nicht um Fehler und Schuldige, da geht es um hausgemachte Illusionen und kollektiven Selbstbetrug.

Was hat man eigentlich erwartet, als Klinsmann antrat und genau die rhetorischen Appetizer lieferte, die alle hören wollten, und noch ein paar Floskeln mehr? Wenn man das damals schon für übertrieben gehalten hat, warum hat es dann keiner ausgesprochen? Um Klinsmann ins Messer laufen zu lassen und sich anschließend daran zu weiden, man habe es ja immer schon gesagt, dass es leere Versprechungen seien? Das wäre verantwortungslos und verlogen.

Oder hat man allen Ernstes daran geglaubt, er werde mit diesem Kader in der Champions League weiter kommen als bis ins Viertelfinale und in der Bundesliga unangefochten Meister werden? Das wäre, um es mal ganz freundlich zu sagen, blauäugig. Das hätte man auch schon vor dem Duell mit dem FC Barcelona wissen können: Dass Rensing Lichtjahre davon entfernt ist, ein Kahn-Nachfolger zu sein, dass die rechte defensive Außenbahn verwaist ist, weil Lell und Oddo einfach zu schwach sind, dass van Buytens Einkauf ein Missverständnis war, van Bommel seinen Zenith überschritten hat und weit und breit kein Spieler in Sicht ist, der Demichelis‘ Formschwäche kompensieren könnte? Warum, um es abzukürzen, interessieren sich denn ausländische Vereine immer wieder bloß für Ribéry und Lahm?

Nun sind den Bayern ihre Illusionen um die Ohren geflogen. Und was da passiert ist, bringt einen auf den Gedanken, dass bayrische Veränderungsscheu und Klinsmanns schmale Aufbruchsrhetorik im Grunde eine perfekte Kombination waren. Ein (durchaus möglicher) besserer Auftritt in Wolfsburg, Villareal statt Barcelona – und man hätte weiter an etwas geglaubt, was man schon im vergangenen Sommer besser hätte wissen können.