Eins gegen Eins

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Das Heynckes-Komplott: Verlorene Illusionen und illusionäre Verluste

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Verlorene Illusionen... / Von Peter Körte Die erste Meldung bei „Kicker online" hatte fast schon literarische Qualitäten..„Heynckes war am...

Verlorene Illusionen… / Von Peter Körte

Die erste Meldung bei „Kicker online“ hatte fast schon literarische Qualitäten..„Heynckes war am Wochenende zu einem privaten Besuch in München gewesen“, hieß es da mit einer kaum überbietbaren Lakonie, die sich um die Dramatik, die in dem Zufall, der Koinzidenz, dem Tempo, in dem der Wechsel vollzogen wurde, lag, überhaupt nicht scherte. Denn dass Klinsmann entlassen wurde, war ja gar keine Überraschung; auch dass Heynckes übernimmt, war nur insofern überraschend, als man „Don Jupp“ eigentlich längst vergessen hatte seit seinem Ausscheiden in Mönchengladbach am 31. Januar 2007. Dass er ausgerechnet an diesem Wochenende in München war, das ist einer dieser Zufälle, an die beim besten Willen niemand glauben kann. Es ist so unglaubhaft wie Klinsmanns Beteuerungen vom Samstag, er mache sich um seinen Job keine Sorgen.

Diese rhetorischen Figuren haben allerdings etwas Faszinierendes: Sie werden, obwohl niemand ihnen glauben kann, mit einer Selbstverständlichkeit eingesetzt, dass man glauben muss, ihr Benutzer habe komplett den Bezug zur Realität verloren. Sie sind noch nicht einmal irrsinnig, weil der Sprecher sich über den Sinn seiner Aussage gar nicht irren kann. Sie kommen aus einer anderen Welt, in der es keine Bundesligatabellen gibt.

Mir liegt Häme über Klinsmann fern. Ich verstehe ihn bloß nicht. Es war unwahrscheinlich, dass er die großen Ziele erreichen würde, und es war deshalb sehr unklug, dass er rhetorisch noch größere Dinge versprach, als Bayern von ihm verlangt hatte. Umso mehr, als er gesehen haben muss, dass er mit einem derart dünn und in Schlüsselpositionen derart schwach besetztem Kader keinen besseren Fußball würde bieten können. Dass umgekehrt der Verein, also vor allem Hoeneß und Rummenigge, annehmen wollten, Klinsmanns Gestus allein würde die notwendigen Investitionen überflüssig machen, zeigt, dass sich da Zwei gefunden hatten, die eine Weile gemeinsam ihre Illusionen pflegen wollten. Als hätten nicht die Einkäufe von Ribéry, Klose und Toni in der Vorsaison bewiesen, dass ohne größere Investitionen nicht mal der Meistertitel garantiert ist. Wenn der Verein auch aus dem Scheitern dieser Zwillingsstrategie von Aufbruchsrhetorik und Sturheit nicht lernt, wird Bayern bald vom Champion zum Leitfossil einer vergangenen Bundesligaära werden.

 

..und illusionäre Verluste / Von Jürgen Kaube

Rehhagel, Magath, Hitzfeld – warum also nicht auch Klinsmann? Bayern wirft eben gerne Trainer heraus, wenn der Verein nicht auf Platz 1 der Tabelle steht (wo er ja beinahe steht) und wenn er nicht im Champions-League-Finale steht (wo er ja fast nie steht). Man nennt das dann „die Erwartungen, die nun mal beim FC Bayern höher sind als anderswo“. Auch wenn man an die Bildung solcher Erwartungen selber keine sehr hohen Ansprüche stellte, sondern beispielsweise von einem Kader, der an entschiedenden Stellen aus zynischen Spielern (Ribéry, Demichelis, Toni) besteht, annimmt, er sei europäische Klasse. Darum bietet sich der Verein für dasselbe Experiment an, das auf Schalke gerade wiederholt wird: Man läßt die Mannschaft einfach von irgendjemandem trainieren und schaut, ob das nicht zu denselben Ergebnissen führt, nur eben ohne die übergeschnappten Erwartungen. Genau das geschieht: Jetzt übernimmt Hermann Gerland, gewissermaßen als Jogi Löw von Jupp Heynckes. Das hat überdies den Vorteil, dass die Spieler, anders als bei Klinsmann, die Kabinensprüche samt den Hinweisen darauf, dass Klinsmann gar kein Trainer ist, nicht schon unter dem Titel „Sommermärchen“ zuhause auf DVD haben. Man möchte gerne wissen, wie jemand wie van Bommel oder Ribéry die dort gezeigten Einpeitsch-Szenen für sich selber kommentiert haben. Insofern ist der Rauswurf kein Verlust für Bayern und auch keiner für Klinsmann. Aber was macht der Verein jetzt mit der Mannschaft? Möglichst viele verkaufen? Schon richtig, aber was bekommt man noch für sie, wer nimmt Lell und Oddo?

 


3 Lesermeinungen

  1. Abgesehen davon, daß niemand...
    Abgesehen davon, daß niemand Oddo den Bayern abnehmen muß, da dieser nur ausgeliehen ;-), scheint sich ein bißchen Realitätsverlust breitgemacht zu haben. Seit Ende der 90iger hat Bayern die Bundesliga dominiert wie nie zuvor. Die starke Phase 1999-01, die auf einem neuen, sieggewohnten Trainer und einer eingespielten Mannschaft beruhte, hat aber wohl darüber hinweggetäuscht, daß man „international“ seit den ruhmreichen 70igern zwanzig Jahre lang nahezu zweitklassig war. Wie man sich mit weniger Schlagzeilen und einem Que(ä)ntchen Glück in Finalnähe schieben kann, zeigen Bremen und der HSV und das wird auch die Maßgabe für Bayern sein: wenn nationale Titel härter umkämpft sind, freut man sich stärker und alle 5-6 Jahre darf man auf einen Halbfinalplatz in der CL hoffen(!) … mehr wird kaum möglich sein – egal wie der Trainer heißt.

  2. ... wird einfach...
    … wird einfach überschätzt.

  3. Der "schwach besetzte Kader"...
    Der „schwach besetzte Kader“ gewann immerhin fast unverändert in der vergangenen Saison das Double und verliert unter Klinsmann gegen Bochum, Bremen und Schalke. Als ließe sich das Bayernmärchen (man kaufe sich aus zweit- bzw. drittklassigen ausländischen Profis eine für deutsche Verhältnisse dann erstklassige Mannschaft) immer weiter so perpetuieren. Der Trainer ist – das ist die gute Nachricht dieser Malaise – eben nicht egal. Klinsmann hat das simple Spiel Fußball für die multinationale Truppe derart verkompliziert, daß kaum noch jemand wußte, was er wann zu tun hatte. Entsprechend dah das Spiel aus (und entsprechend redet Klinsmann-Adept Löw zum Beispiel). Was für ein Turnier noch funktioniert, ist im Fußball-Europazirkus nicht mehr möglich. Die Autosuggestion (ich bin besser als die anderen) hilft irgendwann auch nicht mehr, wenn die vermeintlich Schwächeren einfach ein Tor mehr schießen.

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