Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Gerechtigkeit für Drogba

Vielleicht liegt es daran, dass ich „Illuminati" gesehen hatte, die Verfilmung von Dan Browns Buch, bevor ich Chelsea vs. Barcelona sah, aber irgendwie...

Vielleicht liegt es daran, dass ich „Illuminati“ gesehen hatte, die Verfilmung von Dan Browns Buch, bevor ich Chelsea vs. Barcelona sah, aber irgendwie musste ich nach dem Spiel an Gerechtigkeit denken, eher an irdische natürlich als an himmlische. Aber was soll das überhaupt sein im Fußball? Gibt es das überhaupt – und wenn ja: Wo ist die Instanz, die darüber entschiede, und nach welchen Kriterien? Sind Unentschieden nicht der beste Beweis für eine ausgleichende Gerechtigkeit? Ist es nicht gerecht, wenn die bessere Mannschaft gewinnt – welche gestern Chelsea war, weil die Blues taktisch diszipliniert waren und mit einer unglaublichen Laufbereitschaft die Barca-Techniker nicht bloß doppelten, sondern immer wieder mit drei, vier Spielern einkesselten („kettle“ heißt das im Englischen, nach der Taktik der Polizei). Wie ein „Spinnenetz“ habe das funktioniert, sagte Lothar Matthäus im einzigen hellsichtigen Moment seines ansonsten mal wieder peinlichen Auftritts als Premiere-Experte.

Guus Hiddink hat gestern Abend von „injustice“ gesprochen. Und wenn ich auch für Barcelona war, dann muss man doch sagen, dass neun von zehn Schiedsrichtern bei dieser auffälligen Häufung elfmeterreifer oder zumindest -verdächtiger Szenen irgendwann auch gepfiffen hätten, weil alle Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass wenigstens einmal der Tatbestand des Foul- oder Handspiels erfüllt war. Was in der Zeitlupe zu sehen war, spielt hier erst mal keine Rolle.

Insofern war es natürlich, gemessen an  vergleichbaren Situationen, ungerecht – und auch verständlich, dass der große Theatraliker Didier Drogba in Adiletten aufs Feld rannte, Verwünschungen ausstieß und von einer „fucking disgrace“ sprach. Aber umgekehrt, wenn man das Hinspiel zum Maßstab oder aber die Frage nach dem schöneren, eleganteren, komplexeren Fußball zum Kriterium nimmt, hat das Fußballschicksal für Gerechtigkeit gesorgt, indem es Barca ins Finale beförderte, obwohl es ausgerechnet gestern diesen faszinierenden Fußball nicht spielte. Mal ganz abgesehen davon, dass selbst im Training höchstens einer von zehn Schüssen aus dieser Position im Winkel einschlüge wie Essiens Treffer zum 1:0, der die Dramaturgie des Spiels so beeinflusste.

Aber weil Gerechtigkeit nun mal eine fragile Sache ist, wird man in drei Wochen in Rom vermutlich erleben, wie die derzeit kompletteste Mannschaft Europas ihre Lehren aus dem Spiel an der Stamford Bridge zieht und Barcelona, auch wenn das Team kaum noch mal so schlecht spielen wird wie in London, den Cup wegnimmt, weil ManU im Gegensatz zu Chelsea nicht nur tief stehen, sondern auch in die Tiefe spielen kann.