Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Jermaine Jones‘ Jammern

| 4 Lesermeinungen

Kurz vor der ganz großen Fußballleere macht man seltsame Entdeckungen. Nein, nicht die traurigen Darbietungen zum Confed-Auftakt, da gibt es ja noch die...

Kurz vor der ganz großen Fußballleere macht man seltsame Entdeckungen. Nein, nicht die traurigen Darbietungen zum Confed-Auftakt, da gibt es ja noch die U-21-Europameisterschaft, die ansehnlicheren Fußball verspricht. Man entdeckt jedoch, dass die „New York Times“ ein Fußball-Blog unterhält, und man trifft dort auch noch den Schalker Profi und Möchtegern-Nationalspieler Jermaine Jones, der sich gerade so maßlos Leid tut, dass er nie wieder für Deutschland Fußball spielen und lieber für das Land seines Vaters antreten möchte.

Jones sieht sich als Opfer von gemeinen Vorurteilen, wenn er der „Times“ sagt, die Leute würden ihn womöglich wegen seiner Tattoos nicht mögen (die, nebenbei gesagt, wirklich sehr wenig Geschmack verraten) und wegen seiner direkten Art – die sich bislang vor allem darin bemerkbar machte, dass er nach Spielschluss atemlos und meist sehr aufgeregt unzusammenhängende Dinge ins Mikrofon sprach. Einmal in Fahrt, hat er sich bei dem „Times“-Blogger richtig ausgeweint: „Wenn man mich ansieht, bin ich nicht der perfekte Deutsche. Wenn ich mir die Leute in den Staaten ansehe, sehen sie eher wie ich aus. In Deutschland sagen die Leute wegen meiner Tattoos: ‚Oh, er ist kein guter Mann.‘ Aber sehen sie sich Beckham an, er hat Tattoos, und keiner sagt was. Vielleicht weil ich keine blauen Augen und kein blondes Haar habe.“

Offenbar muss jemand Jermaine Jones mal erklären, dass Fußball nun mal kein Tattoo-Wettbewerb ist, sonst würde Torsten Frings längst bei den Amateuren von Werder spielen, und wenn er mal ein wenig durch die Stadt bummeln würde, hätte er auch schon festgestellt, dass es da eine Menge Deutsche gibt, die nicht wie perfekte Deutsche aussehen, wie im Übrigen auch sehr wenige Musterdeutsche in der Nationalmannschaft spielen. In seiner weinerlichen Art, die sich bestens ergänzt mit seinem rustikalen, ständig ein wenig zu harten, technisch limitierten und selten konstruktiven Spiel auf dem Platz, hat er offenbar keinen Gedanken daran verschwendet, dass Joachim Löw ihn nicht mehr berücksichtigen mag, weil seine Leistungen einfach nicht ausreichend sind. Und von sonderlich großer Intelligenz zeugt es auch nicht gerade, sich einem Verband anzudienen, der ihm bislang wohl nicht gut genug war. Entsprechend verhalten haben die amerikanischen Offiziellen bisher reagiert.


4 Lesermeinungen

  1. Mich würde einmal...
    Mich würde einmal interessieren wie viele Spiele der Bielefeld-Fan Peter Körte von Jones in der vergangenen Saison gesehen hat. Wahrscheinlich nur eine Halbzeit in der Nationalmannschaft? Er hätte sich vielleicht mal das eine oder andere Spiel von Schalke ansehen sollen, aber das macht man als Bielefeld-Fan ja bekanntlich nur sehr ungerne. Es hätte auch schon gereicht sich mal beim Kollegen Richard Leipold zu informieren oder einen Blick zu werfen in den kicker (Jones ist in der kicker-Rangliste für das defensive Mittelfeld die Nummer 1), deren Reporter bestimmt nicht dafür bekannt sind Schalke Spieler zu positiv zu benoten.

  2. Wenn man sich die teilweise...
    Wenn man sich die teilweise vorschnellen (gar reflexhaften!?) Reaktionen (u.a. von Peter Körte und des DFB/Bierhoff) gegen Jones ansieht, dann darf man gespannt sein, was diese ganze Stimmungsmache gegen Jones noch alles bewirkt. Möglicherweise bewahrheiten sich die von Jones gar nicht geäußerten und dementierten Rassismusvorwürfe im Nachhinein ja doch noch, nämlich dann wenn Jones durch die Stimmungsmache in der neuen Bundesligasaison ein Spießrutenlaufen in den Stadien bevorsteht. Befürchten muss man das, wenn sogar DFB-Funktionäre wie Bierhoff und der stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton der FAZ die Stimmung gegen Jones anheizen.

  3. @JWH
    Nur das: Es gibt viele,...

    @JWH
    Nur das: Es gibt viele, die gut und gerne austeilen, aber nicht einstecken können, das ist oft komplementär. Und hielte ich ihn für einen sogenannten Vaterlandsverräter, müsste ich ja bedauern, dass er nicht mehr für Deutschland spielt, was mir schwer fiele angesichts der zahlreichen Partien, in denen ich ihn gesehen habe.

  4. Dieser Beitrag ist typisch...
    Dieser Beitrag ist typisch für eine ganze Reihe von Stellungnahmen zu diesem Thema: Man stellt JJ tendentiell in die Ecke eines „Vaterlandsverräters“. Na gut, daß das in der FAZ bzw. ihrem Online-Ablege passiert ist jetzt nicht die größte aller Überraschungen.
    Und wie kann sich seine „weinerliche Art“ „bestens“ mit seiner unzureichend und ungenau (überhaupt schon mal JJ in Aktion gesehen, Herr Körte?) beschriebener Art Fußball zu spielen, ergänzen? Weinerlich, aber rustikal? Weinerlich, aber tendentiell zu hart? Weinerlich, aber limitiert? Weinerlich, aber wenig konstruktiv?
    Zum Weinen ist dieser Blog-Beitrag.
    JJ will Nationalmannschaft spielen. Durch eine Regeländerung geht plötzlich eine Tür für ihn auf, die vorher verschlossen war. Er will diese Gelegenheit nutzen. So what?
    Außerdem beklagt JJ eine latente Abneigung ihm gegenüber, allein aufgrund seines Aussehens, das sich vielleicht in der Tat ein wenig vom Durchschnitt unterscheidet (bloß nicht aus der Masse hervortreten!!), die man, jawohl, als Rassismus-Vorwurf an die Mehrheitsgesellschaft verstehen kann. Das ist harter Tobak. Aber hat JJ damit so Unrecht?
    Als Schalke-Fan viel interessanter ist seine Absicht, in zwei Jahren nach England wechseln zu wollen. In freier Übersetzung: „Er sagte, er sei noch für zwei Jahre bei S04 unter Vertrag, dann würde er gerne in England spielen.“ Soso.

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