Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Arminias Absturz – ein Bielefelder Boulevardstück

Am Ende, heute morgen um 1.26 Uhr, war der alte Präsident auch der neue, die Besucherzahl war rekordverdächtig, das Abstimmungsergebnis knapp. Ein Kandidat...

Am Ende, heute morgen um 1.26 Uhr, war der alte Präsident auch der neue, die Besucherzahl war rekordverdächtig, das Abstimmungsergebnis knapp. Ein Kandidat nach dem anderen ging bei der Jahreshauptversammlung von Arminia Bielefeld von der Fahne. Der eine, weil die heimische Wirtschaft (Gerry Weber, Dr. Oetker, Schüco)  signalisiert hatte, dass er ihr nicht genehm sei, der zweite, weil sein Auftritt bei den Mitgliedern offenbar einen so faden Eindruck hinterließ, dass er sich freiwillig zurückzog, woraufhin der erste Kandidat erklärte, er halte sich für den besseren Präsidenten und habe seine Kandidatur doch noch nicht zurückgezogen, um dann, nach einer vom Versammlungsleiter anberaumten Pause, dem alten Präsidenten Platz zu machen.

Die Lokalzeitung „Neue Westfälische“ fand diesen Ablauf „hollywoodreif“ – warum, das erschließt sich nicht. Das Ganze erinnert eher an einen zwar turbulenten, aber biederen Schwank, immerhin mit Ansätzen zur boulevardesken Verwechslungskomödie, weil sich einer, der es nicht war, schon für einen Nachfolger hielt, wogegen sein Vorgänger, der doch keiner war, sich kaum als seinen eigenen Nachfolger betrachtet hätte, nachdem ein dritter sich erst für einen kommenden, dann für einen gescheiterten und schließlich knapp verhinderten Präsidenten gehalten hatte. Aber ostwestfälischer Humor ist manchmal sehr eigen, ziemlich trocken und für Außenstehende, was ich als gebürtiger Ostwestfale sofort einräume, nicht immer ganz verständlich. An diesem Abend hat er sich allerdings selbst überboten, er hat das Niveau der Satirezeitschrift „Titanic“ erreicht, deren ehemaliger Chefredakteur Hans Zippert, kaum zufällig, ebenfalls Bielefelder ist, und man hätte gerne ein „Titanic“-Titelbild dazu gesehen. Ich stelle mir dabei die schwarze Frau mit der Banane in der Hand vor, die sagt: „Der nächste Witz geht auf meine Kosten.“ Man müsste ihr nur ein schwarz-weiß-blaues Trikot anziehen.

Die theatralischen Einlagen sind damit noch nicht vorbei, denn am Donnerstag  beginnt in Bielefeld das Training für die neue Saison – ohne einen Trainer und ohne einen Co-Trainer, da Ur-Armine Frank Geideck mit Michael Frontzeck nach Mönchengladbach gezogen ist. Das Recycling-Modell, wie man aus alten neue Funktionsträger macht, wird hier kaum anzuwenden sein, und der neue Alt- oder alte Neupräsident Schwick dürfte kaum perönlich in den Trainingsanzug steigen. Dieses Modell wird wohl dennoch als „Bielefelder Lösung“ in die deutsche Fußballgeschichte eingehen: als eine Farce, die den Bestechungsskandal von 1970 fast schon als Tragödie erscheinen lässt. Aber auch nur fast.