Eins gegen Eins

Fliegende Holländer

Nein, Trainer bei Bayern München möchte ich nicht sein, habe auch gar nicht den passenden Trainerschein, aber selbst von Berlin, vom Fernsehsessel aus, sieht man doch, wo die Schwächen der Mannschaft liegen. Mag Butt für Rensing kommen, einen Torhüter, der dreißig bis vierzig Spiele einigermaßen konstant hält, hat man dann noch nicht, und wer das Duo van Buyten-Badstuber agieren sieht, dem wird so schwindlig wie den beiden im Angesicht der gegnerischen Stürmer. Bleibt Lahm rechts, klafft links die Lücke, und wenn man sich, mal ganz ohne Datenbank, an das Defensivverhalten von Ribéry und Robben erinnert und dazu an die Vorstellungen von Pranjic oder Braafheid, bekommt man als Bayern-Gegner schon ein paar taktische Überlegungen frei Haus. Aber egal.

Es soll ja um Holländer gehen, fliegende Holländer, die bei Real Madrid herumstehen wie auf Rudis Resterampe. Warum kauft man Spieler für viel Geld, um sie billiger zu verkaufen? Ist das die unternehmerische Logik, mit der Florentino Pérez sein Bauunternehmen führt? Wo man doch immer gedacht hat, dass einer zum Beispiel scheinbar uninteressante Grundstücke kauft, um sie zu verkaufen, sobald sich ihr Wert gesteigert hat. Huntelaar ist man ja noch glücklich losgeworden (an Milan), Sneijder (an Inter) war schon schwieriger, für Robben musste es erst Bayern ganz dreckig gehen, und auf van der Vaart wird man womöglich sitzen bleiben, wogegen der in Madrid glücklose und von den Fans oft ausgepfiffene Drenthe offenbar bleiben darf und van Nistelrooy schon ein umjubeltes kleines Comeback gefeiert hat . Van der Vaart hat dann ein schönes Gehalt und kein Trikot, und wenn sich das sogenannte Transferfenster zur Winterpause wieder öffnet, dürfte sein Marktwert noch einmal derart gefallen sein, dass auch der HSV sich ihn wieder leisten könnte. Oder es ist so, dass Real bis Montagmittag den Preis hoch hält und wartet, um ihn dann mit großer Geste und ohne Ablöse ziehen zu lassen.

Irgendwie ist das eine seltsame Verkehrung des Wertschöpfungsprozesses im Fußball. Weil man sich in der Bundesliga und mittlerweile auch der Serie A keine Holländer aus erster Hand mehr leisten kann, müssen sie erst in Madrid scheitern, um bezahlbar zu werden. Und weil im Grunde keiner dieser Spieler so schlecht ist, wie ihn die großgalaktische Pérez-Inszenierung aussehen lässt, muss man diese Transferpolitik wohl als einen Fall von Quersubventionierung betrachten, welche das Wettbewerbsrecht der EU eigentlich nicht vorsieht.

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