Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Lärm um Löw oder: Ohne Deutschland fahren wir zur WM

Man nennt das wohl ein „notwendiges Betriebsgeräusch". Kaum hat der Bundestrainer das Aufgebot fürs jeweils nächste Länderspiel bekanntgegeben,...

Man nennt das wohl ein „notwendiges Betriebsgeräusch”. Kaum hat der Bundestrainer das Aufgebot fürs jeweils nächste Länderspiel bekanntgegeben, empören sich von überallher die Nicht-Berücksichtigten und/oder deren Lobbyisten sowie ein paar Millionen selbsternannter Bundestrainer und deren selbsternannte Lautsprecher. Schweigt Frings, spricht Allofs und spricht für Wiese gleich mit, auch Don Jupp kann seine Stimme nach langer Pause mal wieder vernehmen lassen, eher altersmilde als aggressiv, und die „Bild”-Zeitung tut so, als verfügte sie über unumstößliche Fakten und nicht nur über irgendwelche beliebigen Meinungen. Es ist ja schon schlimm genug, dass man beim „Kicker-Managerspiel” von den Noten des Sportmagazins abhängig ist, doch bei „Bild” wird ein Team aufgestellt („Jogi, diese Elf muss spielen”) , das sich aus den Spielernoten des Blattes ergibt, deren Aussagekraft noch um Klassen dürftiger ist als die des „Kickers”. Das ist nicht neu, es ist lästig wie immer, man wischt es beiseite – wäre da nicht die Reaktion des Bundestrainers.

Bislang hat Joachim Löw diesen anschwellenden Boulevardgesang stoisch ertragen, weil er ja auch dafür bezahlt wird, hat sich selten eingelassen auf Kritik an seinen Entscheidungen. Diesmal scheint es ihn jedoch anzufressen, er hat Position bezogen, um das Allerselbstverständlichste laut auszusprechen, was immer schon ein ganz schlechtes Zeichen ist. Dass nicht von Spieltag zu Spieltag beobachtet wird, weiß sogar die lärmende Populistenschar, dass Nicht-Nominierung kein Totalverzicht ist, auch. Wenn dann allerdings, wie schwachsinnig auch immer das sein mag, auch noch der Name Klinsmann fällt, in der Funktion eines DFB-Beraters, dann muss man sich schon fragen, wer hier wen schwächen, wer welche Interesse durchdrücken oder was einem diese Geräuschkulisse sagen will.

Im Grund ist es ganz einfach: Hier spricht, von den partikularen Vereinsinteressen mal abgesehen, die kollektive Angst, nicht dabei zu sein in Südafrika, von einer Mannschaft erneut enttäuscht zu werden, die schon in den letzten Spielen nicht überzeugt hat. Und es sieht so aus, als sei auch bei Joachim Löw diese Angst so groß, dass er sie sich nun hat öffentlich anmerken lassen. Das ist ein schwerer taktischer Fehler, auch wenn diese Angst einen gesunden Realitätsbezug verrät. Ein Kießling, Boateng oder Wiese im Kader würden sie nicht vertreiben, und wer jetzt mit diesen und anderen Namen um sich wirft, praktiziert ein einigermaßen sinnloses Beschwörungsritual, um das Gespenst der Nicht-Qualifikation zu vertreiben, anstatt sich ernsthaft mit dem Szenario zu befassen, wie zwei Relegationsspiele, im schlimmsten Fall gegen Frankreich oder Portugal, ausgehen könnten – und was man nächsten Sommer so macht, wenn die Holländer singen dürfen: Ohne Deutschland fahren wir zur WM.