Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Russen-Rasen

Weil selbst Leute, die gar nicht angesprochen waren, auf den letzten Eintrag dieses Blogs reagierten, wenngleich sie, wäre der Eintrag einen Tag später...

Weil selbst Leute, die gar nicht angesprochen waren, auf den letzten Eintrag dieses Blogs reagierten, wenngleich sie, wäre der Eintrag einen Tag später geschrieben worden, sich vermutlich hätten angesprochen fühlen dürfen, muss unbedingt noch nachgetragen werden, dass ich die Alliteration „Russen-Rasen“ bislang schmerzhaft vermisst habe, es hat lediglich, in einem unerwarteten Anfall sprachlichen Differenzierungsvermögens, zum „Russen-Kunstrasen“ gereicht. Schade eigentlich, weil „Russen-Rasen“ auch noch die schöne Assoziation zur „Raserei“ mitbringt, obwohl ja unser Weltfußball-Orakel Franz Beckenbauer schon früh, im September, zur Deeskalation beigetragen hat, als er feststellte, der Rasen sei für uns gefährlicher als die Russen.

Die Aufstellung kennt Beckenbauer deshalb allerdings so wenig wie Boris Becker, der am liebsten Klose und Gomez vorne sähe; Joachim Löw möchte lieber erst mal gar nichts sagen, und das sollte man respektieren, weil es nun wirklich nicht einfach ist, die richtige Mischung mit den gesetzten Adler, Lahm, Mertesacker, Ballack zu finden. Der formschwache und offensiv uninspirierte Friedrich – oder doch lieber Boateng? Westermann im Zentrum, wo er nicht mehr Unheil anrichten kann als der verletzte Tasci? Aber warum nicht Boateng im Zentrum? Trochowski statt Schweinsteiger, weil ihm der Kunstrasen angeblich eher liegt, auf dem Gomez mehr Probleme haben dürfte als Klose und Podolski zusammen? Rolfes oder Hitzlsperger? Egal. All die Leser-Umfragen nach der besten Aufstellung werden es auch nicht richten, und im Falle einer Niederlage wird niemand beweisen können, dass x besser als y gewesen wäre.

Wenn man nämlich mal annimmt, dass die russische Mannschaft auch nur annähernd die Dynamik des Teams von 2008 erreicht, wird es ohnehin allenfalls zum Remis reichen. Und da von Finnland niemand redet, weil der deutschen Elf der zweite Platz gar nicht mehr zu nehmen ist, kann man sich schon mal Gedanken machen, wer eigentlich auf die Mannschaft wartet, wenn sie in die Relegation muss. Erfreulicher wird die allgemeine Befindlichkeit dadurch nicht. Bei einem auch nur halbwegs normalen Verlauf der beiden letzten Spieltage kann man davon ausgehen, dass Kroatien, Frankreich und Griechenland den Deutschen erspart bleiben, weil sie in der FIFA-Weltrangliste zu gut notiert sind. Portugal (Platz 17) dagegen, wenn sie es denn überhaupt schaffen, bleibt – selbst dann, wenn die Schweiz (15) auf Rang zwei in ihrer Gruppe landen sollte. Und ob Bosnien-Herzegowina (Platz 46), die Türkei (27), Tschechien (18), Schweden (41), Slowenien (54), Irland (38) so viel angenehmer sind, kann man bezweifeln.

Der Fels des Glaubens, dass die deutsche Mannschaft die Spiele, auf die es ankommt, immer bestanden hat, könnte auf jeden Fall ganz schön porös werden, weshalb es bestimmt nicht abwegig ist, sich mal, hypothetisch, zu überlegen, was man im Juni 2010 sonst noch machen könnte, weil für das Gros der deutschen Bevölkerung eine Fußball-WM ohne Deutschland nicht nur außerhalb der Vorstellung, sondern auch jenseits der Erfahrung liegt.