Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

K.-P. Boateng

Vorsatz ist im deutschen Zivilrecht „das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit". Das ist im Fall Boateng...

Vorsatz ist im deutschen Zivilrecht „das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit”. Das ist im Fall Boateng kaum nachzuweisen, weil er natürlich jeden Vorsatz abstreiten würde, auch wenn er ihn gehabt hätte und auch wenn der Tritt genau danach aussieht: nach einer vorsätzlichen Handlung. Fouls im Fußball sind in der Regel aber nun keine zivilrechtliche Angelegenheit. Mangels Beweis kann man allerdings die Möglichkeit durchspielen, ob es sich um eine Fahrlässigkeit handelt, die dann vorliegt, wenn ein Täter „ernsthaft auf den Nichteintritt eines tatbestandlichen Erfolgs vertraut”. Dass Boateng nach seiner fußballerischen Erfahrung, nach dem Grad an Körperkontrolle und Augenmaß, die man bei einem Spieler der Premier League voraussetzen darf, „ernsthaft” damit gerechnet hat, den Ball zu erreichen und nicht Ballack, ist sehr unwahrscheinlich. Hätte er das, dann gäbe er nämlich vor, ein schlechterer Fußballer zu sein, als er ist. Was wieder zurück zur Absicht führt, welche man nicht beweisen kann.

Es ist halt schwierig, wenn die Justiz sich auf den Rasen wagt. Leichter wird es, wenn man dem Vater von Boateng zuhört, der seinen Sohn in Schutz nimmt, was ja menschlich verständlich ist. Seine Begründung jedoch lässt zugleich auf frühere pädagogische Versäumnisse schließen, wenn er sagt, Ballack habe seinen Sohn provoziert. Offenbar hat in der häuslichen Erziehung eine Provokation eine solche oder ähnliche Reaktion jederzeit gerechtfertigt, wie sie Boateng nach dem vorausgegangenen Geplänkel mit Ballack gezeigt hat. Da ist man doch dankbar, wenn ein ehemaliger Erziehungsberechtigter seine pädagogischen Grundsätze so transparent darstellen kann.

Zu ändern ist jetzt sowieso nichts mehr; es brächte ja auch nichts, wenn Ghanas Teamchef  nun einen Spieler nicht berücksichtigte, der schwierigen Situationen auf dem Platz nervlich und/oder charakterlich einfach nicht gewachsen ist, was man, rein sportlich betrachtet, auch an seinem kläglich vergebenen Elfmeter sehen konnte. Soll er ihn ruhig spielen lassen, er wird schon sehen, was er sich damit einhandelt.

Kleiner Nachtrag: Es muss gut zwei Jahre her sein, da standen in der Sportanlage, die ich auch ab und zu besuche, drei großmäulige Typen um die zwanzig, laut, unhöflich, großkotzig und mit einem Ton gegenüber der jungen Frau an der Rezeption, für den man ihnen leichterdings ein Hausverbot hätte aussprechen können. Patrick Ebert, Ashkan Dejagah und Kevin-Prince Boateng wollten an diesem Tag ein bisschen Hallenfußball spielen. Da tritt man wohl so auf, wenn man unter sich ist.