Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Nach dem Parteitag: Holland in Not

Geht's noch? Das Ereignis des Wochenendes habe ich verpasst, weil es in der Halbzeitpause Besseres zu tun gibt, als dem Geplauder zwischen dem ehemaligen...

Geht’s noch? Das Ereignis des Wochenendes habe ich verpasst, weil es in der Halbzeitpause Besseres zu tun gibt, als dem Geplauder zwischen dem ehemaligen Torwart-Titanen und Frau Müller-Hohenstein zuzuhören. Habe mich hinterher bloß gefragt, ob erst dieses Gefasel vom „inneren Reichsparteitag“ her muss, um zu erkennen, dass dieses gemischte Doppel unter allen Moderatoren bei dieser WM das trostloseste ist. Trostloser als Netzer/Delling, wo der Altinternationale immer wieder für Spannung sorgt, da nie gewiss ist, ob er nach dem Beginn eines Satzes auch dessen Ende unfallfrei erreichen, ob er unterwegs womöglich eine dieser eigenartigen idiomatischen Wendungen produzieren wird, die jeden Nicht-Muttersprachler an der deutschen Sprache zweifeln lassen, weil nur Netzer sie kennt.

Kahn jedenfalls trägt in einer Art Fußballbeamtendeutsch Nichtigkeiten und Binsenweisheiten vor, zu denen Frau Müller-Hohenstein mit artiger Reflexionslosigkeit die Steilvorlage geliefert hat. Übertroffen wird beider Einfalt lediglich von der Hysterie, mit welcher Twitterer, Facebook-Nutzer und andere Netzwerker auf den „inneren Reichsparteitag“ reagierten. Da haben sich zwei Gegner gefunden, die einander voll und ganz verdienen, und ihre Diskussion wäre jedes FDP-Parteitags würdig.

Und wo schon einmal die Fertigkeiten der Reporter und Moderatoren im Gespräch sind, muss man doch noch Steffen Simon vom WDR erwähnen, der in permanenter Besserwisser-Tonlage spricht, auch wenn ihm meist entscheidende Dinge entgehen, und der ein Spezialist für das ist, was Kant „synthetische Urteile a priori“ genannt hat. Mark van Bommel, führte Simon mit wichtiger Stimme aus, sei der Schwiegersohn des niederländischen Trainers Bert van Marwijk, um mit messerscharfer Deduktion fortzufahren: „Er hat van Marwijks Tochter geheiratet.“

Das war dann doch eine enorme Überraschung;  fast so überraschend wie die Einfallslosigkeit, mit der die Niederländer den drögen Dänen beizukommen versuchten. Zu eng, zu sehr aufs Spiel durch die Mitte fixiert, was sich erst mit Elias Einwechslung änderte, und manchmal wirkten sie, als seien sie maßlos genervt, dass die Dänen nicht mitspielen wollten. Und wie löchrig die Deckung ist, konnte man auch gut sehen. Die besten Innenverteidiger bei den Niederländern sind nicht Mathijsen und Heitinga, sondern de Jong und van Bommel als Doppel-Sechs. Wem es gelingt, die beiden ordentlich zu beschäftigen, der bringt Holland böse in Not. Kamerun und Japan werden das allerdings nicht sein. Was da zu sehen war, hat bei mir zum ersten Spielabbruch dieser WM mittels Fernbedienung geführt.