Eins gegen Eins

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Tränen und Taktik: Brasilien vs. Nordkorea

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Tränen flossen für den „geliebten Führer" bei der Hymne, ausgerechnet bei dem Mann, den sie „die menschliche Abrissbirne" getauft haben, und...

Tränen flossen für den „geliebten Führer” bei der Hymne, ausgerechnet bei dem Mann, den sie „die menschliche Abrissbirne” getauft haben, und fairerweise muss man sagen, dass die Hymne des Landes, in welchem, noch vor dem Iran, das widerwärtigste Regime der Welt herrscht, gar nicht so schlimm und so martialisch klang, wie man angenommen hatte. Zum Glück hat der selbst attestierte „deutsche Geist” den Volksrepublikanern nicht geholfen, da gab’s wohl doch Importprobleme; es war wohl eher die Negativmotivation, bei Versagen im Arbeitslager oder im Bergbau unter Tage zu landen, welche die Roten ihren Strafraum verteidigen ließ wie die Grenze zu Südkorea.

Noch so ein Spiel zum Vergessen bei dieser WM, aber immerhin bin ich (dank des Hertha-Bloggers Marxelinho) auf eine Spielanalyse gestoßen, die es in sich hat. Die Seite, auf der man nicht nur diese Analyse nachlesen kann, heißt „Zonalmarking” und pflegt hingebungsvoll die reine Lehre von der alles aufschließenden Macht der Taktik. Mit einem enormen Aufwand und großer Sachkenntnis wird hier die taktische Ordnung eines Spiels gewissermaßen nachbuchstabiert. Der Geltungsanspruch des Ansatzes mag, um es mal mit Habermas zu sagen, nicht universal sein, aber wenn man die Grenzen seiner Reichweite im Kopf behält, ist das ein tolles Werkzeug.

Als Kostprobe sei hier (in Auszügen) zitiert, wie „Zonalmarking” herleitet, warum Brasilien gewinnen musste (Diagramm und Bilder muss man sich dazu unbedingt auf der Seite ansehen):

„It was inevitable that Brazil would eventually score against North Korea, and it was almost as inevitable that they would do so through Maicon, their rampaging right-back. Here’s why.

Firstly, the diagram on the left shows general positioning of both teams when Brazil had the ball in midfield. Brazil have four attacking players who play clearly-defined roles, whilst North Korea effectively had eight defensive players – three centre-backs, two wing-backs, and three central midfielders, the central one sitting deeper than his two colleagues.

This meant that they were effectively able to double up on Brazil’s attackers, particularly at the back. Although they did not implement a strict man-marking system, some of their players naturally tracked their direct opponent. These are marked by a red ‘glow’ around the four players being marked. The right-wing picked up Robinho, the left-sided centre-back picked up Luis Fabiano, the left-back picked up Ramires, and one of the midfielders picked up Kaka.

This left North Korea with two spare men at the back. But because Luis Fabiano plays slightly to the right, and was therefore picked up by the left-sided centre-back, the two spare men were the central and right-sided centre-backs. They had no man-marking responsibilities (marked by a green ‘glow’), and looked to cover for their teammates when Robinho, Kaka and Fabiano got past their man. It caused a problem on North Korea’s left, however. Elano moved into wide positions and was up against the left-wing-back, but because the centre-back on that side was picking up Fabiano, he couldn’t directly cover for the left-wing-back, meaning North Korea were already more vulnerable on that side.

This hasn’t even mentioned the Brazilian full-backs yet. Maicon and Michel Bastos both looked to get forward, but Maicon did more effectively. Why? For two reasons. Firstly, because Bastos often found Robinho in front of him, taking up his space. Secondly, because Bastos was attacking into an area of the pitch where there were spare players – albeit a centre-back. Maicon, however, was often left in oceans of space, and the player who probably should have been tracking him, the left-sided midfielder Pak Nam-Chol (marked by a blue glow) was afraid to venture from his midfield role.”

Ich war fast bestürzt, dass ich diese Seite noch nicht kannte. Dafür gehört sie jetzt nicht nur während der WM zur Pflichtlektüre und wird es auch bleiben, wenn die Nordkoreaner längst wieder zu Hause sind.


2 Lesermeinungen

  1. Vielen Dank! Super link den...
    Vielen Dank! Super link den ich zukunftig zu jedem Spiel lesen werde. Ich hoffe, die koennen auch nach dem heutigen Spiel eine gute Analyse ueber ein erfolgreiches Spiel bringen.

  2. Was für ein grossartiger...
    Was für ein grossartiger Link. Vielen Dank!

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