Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Vor dem Ghana-Spiel: Deutschlands Schemafußball

Der "Süddeutschen Zeitung" hat Serbiens Spielebeobachter, der Chilene Julio César Moreno, ein Interview über die deutsche Mannschaft gegeben, das...

Der „Süddeutschen Zeitung“ hat Serbiens Spielebeobachter, der Chilene Julio César Moreno, ein Interview über die deutsche Mannschaft gegeben, das es in sich hat. Denn er bezeichnet die Deutschen als vollkommen berechenbares Team. Einzig Mesud Özil mache unvorhersehbare Dinge, aber ihn könne mandurch enge Deckung entmutigen; er möge keine Konflikte. Thomas Müller sei zwar ein großartiger Spieler, dribble aber nicht gut. Fast jeder Angriff der Deutschen erfolge von hinten links nach vorne rechts. Fast nie spielten sie den Ball über mehr als zwei Linien. Wenn es einem Gegner gelinge, Schweinsteiger nach rechts zu ziehen, indem man ihm die Anspielstationen links nehme, stünden er und Lahm – und, darf man ergänzen, Müller – sich gegenseitig im Weg. Podolski wiederum fehle die Schnelligkeit. Was auch so formuliert werden könnte: Er tut wenig nach hinten, was zu Badstubers Schwierigkeietn beitrug, und braucht vorne zu viel Anlauf. Auch seien die deutschen Auswechslungen leicht auszurechnen: „Deutschland macht immer dieselben Auswechslungen: Marin, Cacau, Gomez“.

Wie die meisten solcher Analysen, ist auch bei dieser nicht leicht bzu sagen, wie schlau sie vorher und wie schlau sie hinterher war. Doch der Vorwurf des schematischen Fußballs trifft. Die Stärke Löws, ein Fußball-Lehrer zu sein, passt zur jungen Mannschaft, wird aber zur Schwäche, wenn die Gegner das Pensum, das er ihr mitgibt, erst einmal kapiert haben. Das Spiel gegen Australien war insofern kostenloses Anschauungsmaterial, gerade weil alles wie am Schnürchen und wie in einer Übungseinheit lief. Die Sicherheit, die die Spieler am Schema gewinnen, verflog dann gegen Serbien als es erkannt war – zum Beispiel als die Serben systematisch gegen Badstuber und in die von Podolski gelassene Lücke spielten – und vor allem, als der Zeitdruck stieg. Insofern wird gegen Ghana viel darauf ankommen, dass erst gar kein Zeitdruck aufkommt. Man kann es auch so formulieren: Löw sollte in Zukunft lieber Elfmeter üben lassen als nur Spielzüge. Und er sollte aus der eigenen Aussage, die Spieler seien fast alle gelcihwertig, beim Auswechseln einmal Konsequenzen ziehen und den Gegner überraschen.

Ghana jedenfalls, so merkt „Zonalmarking“ https://www.zonalmarking.net/2010/06/18/serbia-1-0-germany-tactics/#more-3593 in seinem lesenswerten Kommentar zum Serbienspiel an, spielt mit 4-5-1 ein System, in dem die drei bis fünf Deutschen im Mittelfeld noch weniger Platz haben werden. Interessant könnte sein, wie viele Fouls in Strafraumnähe es unter diesen vollgestopften Umständen geben wird. Denn der Torhüter Ghanas gibt ja Anlaß, es so zu versuchen.