Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Nach dem Ghana-Spiel: Unsere schwierigen Stärken

Alle sprechen jetzt von Schwierigkeiten. Stimmt, das Spiel der Deutschen hatte jede Menge Löcher. Mertesacker scheint nachzudenken, was für einen...

Alle sprechen jetzt von Schwierigkeiten. Stimmt, das Spiel der Deutschen hatte jede Menge Löcher. Mertesacker scheint nachzudenken, was für einen Innenverteidiger wirklich keine gute Methode ist. Auch Boateng, der offensiver als Badstuber spielte, zahlte in der Rückwärtsbewegung zurück. In der Verteidigung fehlt den meisten, Entschuldigung, die Brutalität. Nur Friedrich hatte sie, und wenn Friedrich der entschlossenste Spieler ist, stimmt irgendetwas nicht. Vorne ist Podolski falsch aufgestellt, wenn man nicht ganz unfreundlich – und ungerechterweise – sagen will, dass es sowieso falsch ist, ihn aufzustellen. Was soll das sein, ein Mittelfeldstürmer? Die Rolle wird ihm zugemutet, aber da Thomas Müller dieselbe Rolle auf der anderen Seite auch hat und selbst Cacau mehr außerhalb als innerhalb des Strafraums war, gibt es ein bißchen viel Mittelfeldstürmer im deutschen Spiel. Und schließlich ist da noch die Schwierigkeit namens „Plan“. Die Deutschen spielen ein Skript herunter, man meint förmlich zu hören, wie sie ihre Angriffsaufträge memorieren: jetzt das, dann dies, dann müßte der dort…

Aber Schwierigkeiten sind eben nicht alles. Schweinsteiger war – von einem Moment abgesehen, als Lahm verteidigte, was er, Schweinsteiger, hätte verteidigen müssen – großartig. Khedira: Dem müssen die Engländer erst einmal den Ball abnehmen. Özil: wirkt schon in der ersten Minute, als falle er gleich vor Erschöpfung um (was um die 70. Minute herum dann auch fast so war) und nutzt doch jeden Raum. Ein Sekundenspieler: Eine Sekunde im Spiel genügt ihm, um entscheidend zu sein. Wenn Capello Rehagel hieße, würde er ihn in Manndeckung nehmen. Friedrich hatten wir schon erwähnt. Und Neuer spielt mehr mit als jeder deutsche Torwart der vergangenen fünfzig Jahre.

Die Frage ist mithin die nach der Bilanz der Schwierigkeiten mit den Stärken. Zunächst heißt es, bescheiden zu bleiben: Wenn man nicht Argentinien oder Brasilien ist, gehen die Spiele immer knapp und insofern immer glücklich aus. Ghana war das afrikanische Italien – die Null steht und vorne hilft die Wahrscheinlichkeitsrechnung -, das zu schlagen nicht nichts ist. England hat hinten bestimmt mehr Probleme, ist andererseits vorne bestimmt gefährlicher. Also wird es auf Özil und auf den zweiten Stürmer ankommen, der hoffentlich erwogen wird, und auf die Innenverteidigung. Wenn Mertesacker ein Ziel erhält, das Rooney heißt, hört er ja vielleicht auf nachzudenken.