Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Nach dem ersten Spieltag: Die saisonale Rhein-Ruhr-Schrumpfung

Die Tabelle nach dem ersten Spieltag ist die am wenigsten informative von allen. Wer sie sich trotzdem anschaut, dessen Blick kann an den vielen...

Die Tabelle nach dem ersten Spieltag ist die am wenigsten informative von allen. Wer sie sich trotzdem anschaut, dessen Blick kann an den vielen Mannschaften aus dem Süden hängenbleiben. Unterscheidet man der Einfachheit halber die Fußballrepublik in Westen, Norden und Süden, dann ergibt sich ein Verhältnis von 5:5:8. Für den Osten gilt der alte Lehrer-Kalauer: „Ich sehe wieder einige, die nicht da sind“, der Osten ist mit Hertha BSC vollkommen abgeräumt.

Aber auch die heutige Lage des Westens ist in der Geschichte der Liga eine Ausnahme. So wenige Vereine aus Nordrhein-Westfalen und so viele aus dem Süden gab es zuletzt vor elf Jahren, als Unterhaching und Ulm aufgestiegen waren. Und damals – der Leser sieht, wir haben einen regnerischen Nachmittag hinter uns, Frau und Kinder unterwegs, der Forschung also kaum Grenzen gesetzt – war es überhaupt erst das zweite Mal in der Geschichte der Bundesliga, dass der Westen nur fünf Erstliga-Mannschaften aufbot.

Nur in der allerersten Saison mit 18 Teams, 1965/66 nämlich, waren es zuvor schon einmal so wenige. Und mehr aus dem Süden gab es auch erst ein einziges Mal, 1993/94, allerdings nur, wenn man Leipzig genau so wie Dresden für eine südliche Stadt hält. Die größte Dominanz hatte der Westen zwischen 1969/70 und 1986/87, als er – bis auf eine Saison mit sieben Mannschaften – stets mindestens acht Teams stellte. Und 1980/81 sogar zehn, obwohl von denen – inklusive Uerdingen und Düsseldorf – dann trotzdem keines unter die ersten fünf der Schlußtabelle kam.

Nach einem kleinen Einbruch in den späten Achtziger Jahren frischte dann ausgerechnet die Wiedervereinigung den Westfußball wieder auf: von den zehn Mannschaften in der 20-Team-Liga von 1991/92 blieben in der folgenden Saison noch neun, und es dauerte bis zur Saison 1998/99, dass der Abstieg von Köln und Bielefeld in der Vorsaison zusammen mit dem Aufstieg von Frankfurt, Freiburg und Nürnberg für ein historisches Schrumpfen des Westumfangs auf sechs Mannschaften sorgte. Im Jahr darauf dann, wie gesagt, der Tiefpunkt, der jetzt wieder erreicht ist.

Jene Jahre um 2000 herum waren übrigens die einzigen, in denen der Norden einmal seine Durchschnittsquote von vier, fünf Teams übererfüllte: als Cottbus, Rostock und Hertha BSC zusammen in der Liga waren, was dann noch einmal in der Saison 2007/08 geschah. Es gab aber auch schon eine Spielzeit, in der nur ein einziges, hier nicht näher genanntes Nordteam auflief: 1980/81, nachdem Hertha, Braunschweig und, ach, auch Bremen, abgestiegen waren.

Für all diese Zahlen gilt natürlich, dass die geographischen Anteile lange Zeit nicht so stark schwanken konnten, weil es regionale Aufstiegsquoten gab. Zum Trost für den Westen muss man ausserdem festhalten, dass von einem Trend nur insofern die Rede sein kann, als die Marke von acht West-Mannschaften (oder gar 1996/97 mit Bielefeld, Düsseldorf, Köln und Bochum neun) nun schon seit 12 Jahren nicht mehr erreicht wurde. Aber auch der Süden hatte noch in der Saison 2008/09 nur fünf erstklassige Teams. Von einem Trend wollen wir darum erst sprechen, wenn Nürnberg und Freiburg die Klasse halten und Greuther Fürth seinen nun schon zehn Jahre währenden Widerstand gegen den Erstliga-Aufstieg endlich aufgibt.