Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Huntelaar, Camoranesi, Petric usw. – Transfermarkt vor Ladenschluss

Wer weiß, was schon wieder passiert sein wird, wenn dieser Blogeintrag fertig geschrieben ist. Jurado, Huntelaar, Camoranesi, Beasley usw. Aber was wird mit...

Wer weiß, was schon wieder passiert sein wird, wenn dieser Blogeintrag fertig geschrieben ist. Jurado, Huntelaar, Camoranesi, Beasley usw. Aber was wird mit van der Vaart, mit Misimovic und Petric? Und mit all denen, von deren Wechselabsichten bislang noch nichts zu ahnen war?

Das kommt einem so vor wie die Devise „Alles muss raus!“, wie die Situation auf dem Wochenmarkt, wenn kurz vorm Abbau der Stände Obst und Gemüse zum Schleuderpreis weggehen. Lange genug gepokert, knapp zwölf Stunden, bevor sich, wie manche so poetisch sagen, das Transferfenster schließt, müssen die Karten auf den Tisch. Wie lange die Last-Minute-Verpflichtungen beobachtet wurden, wie lange bereits verhandelt wurde, ist in den meisten Fällen unbekannt. Weshalb man, trotz Scouting-Abteilungen, spezieller Fußball-Software und Datenbanken, wohl eine Menge Aktionismus und Dezisionismus unterstellen muss – und nicht nur die Strategie, auf der Basis akribisch erstellter Profile den Preis wechselwilliger Spieler zu drücken, welche die Wolfsburger Fußgängerzone oder den Schalker Markt am liebsten gemieden hätten.

Es gibt natürlich immer gute Gründe, einen Spieler nicht früher gekauft zu haben; wie es auch Gründe gibt, es ganz zu lassen, weil eine Mannschaft nach zwei bis drei Pflichtspielen noch immer nach der Stammformation und dem Rhythmus sucht, die zu finden dadurch nicht leichter wird, dass eine zehntägige Länderspielpause die Kader vieler Clubs ausdünnt und die Integration der Neueinkäufe eher verschleppen dürfte.

Am auffälligsten wird diese Konstellation in Gelsenkirchen ignoriert, wo Felix Magath wild entschlossen ist, eine spanische Exklave zu errichten. Nach Raul und Escudero ist nun auch noch Jurado gekommen, sie alle können sich mit Farfan auf Spanisch verständigen, eine Sprache, deren Grundwortschatz auch Huntelaar zumindest rudimentär beherrschen dürfte. Und wenn Christoph Metzelder so weiterspielt wie bisher, wird er, wenn auch nicht als Abwehrchef, so doch als Dolmetscher dringend benötigt werden, was mal wieder Magaths Voraussicht beweist.

Es ist auch eine interessante Frage, ob Magath, dessen von manchen als soldatisch empfundene Disziplin (und Selbstdisziplin) bislang Teil seines Erfolgsrezepts war, sich diesmal übernommen hat. Die Rücksichtslosigkeit, mit der er einen Verein umbauen will und nicht nur eine Mannschaft, mag Ausdruck von Selbstüberschätzung sein; mit Sicherheit jedoch ist sie eine Selbstverurteilung: zum Erfolg. Denn die Geduld, welche das Teambuilding verlangt, wird niemand mehr aufbringen. Magath hatte sich durch den überraschenden Verlauf der letzten Saison ein Guthaben erworben, er hätte auf Nachsicht rechnen können. Doch weil ihn das offenbar langweilt, hat er sich mit immer mehr Leuten angelegt, hat Offensivkräfte in Serie eingekauft, statt eine Viererkette zu stabilisieren, deren Auftritt katastrophal war. Woraus man nur schließen kann, dass der Prediger harter Arbeit doch eine Schwäche für den Wunderglauben hat.

Und während ich das schreibe, sollen die Huntelaar-Millionen übrigens schon wieder ausgegeben worden sein, weil der „Corriere dello Sport“ berichtet, der AC Mailand wolle sie in Robinho investieren. Kann einem ja egal sein. Und wenn ich auch keine sonderlichen Sympathien für Schalke habe, so kann ich doch gut verstehen, dass ein befreundeter 04-Fan schon vorgestern am Telefon sagte, Schalke müsse aufpassen, dass man nicht eine Saison wie Hertha BSC spiele.

P.S. Immerhin hat Magath nachgerüstet und, laut „Transfermarkt“ um 16.17 Uhr, den Innenverteidiger Nicolas Plestan vom OSC Lille verpflichtet, den ich, ehrlich gesagt, nicht kenne.