Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Arminias Absturz oder Mit Ziege zielsicher in die 3. Liga

Die Woche war schon traurig genug. Erst starb Arthur Penn, dann Tony Curtis, und ich hätte ein Aufbauerlebnis schon dringend gebraucht, das der Stream...

Die Woche war schon traurig genug. Erst starb Arthur Penn, dann Tony Curtis, und ich hätte ein Aufbauerlebnis schon dringend gebraucht, das der Stream natürlich nicht bieten konnte. Bevor der Computer versagte, versagte mir die Geduld. Es war nicht auszuhalten, wie Arminia sich in Paderborn präsentierte, wo ich in der Simulation des „Kicker“-Spiels „Top League“ gerade noch als Trainer einen 2:1-Sieg gefeiert hatte und auf Platz 1 der Zweitliga-Tabelle vorgestoßen war.

Eine Mannschaft im freien Fall, auf direktem Kurs in die dritte Liga. Das ist auch nach 40 Jahren als Fan, nach all den tiefen Tälern, nur schwer zu verkraften. Ich habe die Mannschaft in dieser Saison zwei Mal über die volle Spielzeit gesehen, im Olympiastadion und auf dem Bildschirm gegen Erzgebirge Aue. Ich kann nicht behaupten, die neuen Spieler und ihre Fähigkeiten genau zu kennen. Aber jeder, der mal Fußball gespielt hat, kann sehen, dass da Angst und Verunsicherung sind, dass viele Spieler sich verstecken, um den Ball nicht bekommen zu müssen, dass die Körpersprache von Verzagtheit erzählt und davon, dass keiner sich auch nur das zutraut, was er kann. Ob das Können reichen würde, ist eine andere Frage; dass es sich nicht mal zeigt, ist das Problem. Wenn schon ein vergleichsweise erfahrener Spieler wie Arne Feick öffentlich von Angst spricht, habe ich von außen das Gefühl, in ein schwarzes Loch zu schauen.

Und wenn es auch langweilig, abgedroschen und ermüdend ist – diese unübersehbare Verfassung der Mannschaft hat etwas mit dem Trainer zu tun, der bekanntlich Christian Ziege heißt. Ich sprach neulich mit einem erfahrenen ehemaligen Jugend- und Seniorentrainer, der in den letzten Jahrzehnten bei vielen Vereinen in In- und Ausland tätig war und heute als Scout arbeitet, der Christian Zieges Weg kennt und der natürlich auch die Frage stellte, wie es kommen könnte, dass ein Mann, der zwischen Juni 2006 bis März 2007 die U17-Junioren von Borussia Mönchengladbach trainiert hat, der also aus der B-Jugend-Bundesliga genau die Akteure kennen muss, die heute um die 20 sind – warum dieser Mann nicht Spieler an die Arminia hat binden können, die mehr Potential haben.

Selbst wenn man bedenkt, dass Arminia jeden Kicker verkaufen musste, der noch ein wenig Erlös auf dem Transfermarkt erzielte, dass nur ablösefreie Spieler mit niedrigsten Gehältern verpflichtet werden konnten- selbst dann bleibt die Frage nach der Qualität von Zieges Netzwerk, nach der Qualität seiner Kontakte und seiner eigenen Beobachtungen. Und warum, fragt man sich weiter, hat er geglaubt, ausgerechnet in der insgesamt ordentlichen Nachwuchsarbeit der Arminia personell aufräumen zu sollen, anstatt sich verschärft um den Zweitliga-Kader zu kümmern?

Wer die Mannschaft spielen sieht, sieht auch, dass es keine Leader im Kader gibt, dass die Balance nicht stimmt, dass erfahrene Spieler wie Markus Bollmann (die immer stark waren, wenn sie einen starken Partner hatten) sich in ihrer Leistung von schwachen Nebenleuten eher nach unten ziehen lassen, anstatt sie mitzuziehen; dass da nicht wenigstens ein paar Spieler sind, an denen sich andere aufrichten können. Wer einen Kader derart zusammenstellt, dass die individuellen Leistungskurven im Zusammenspiel auf einmal durchgängig abflachen, der hat, vermutlich aus Mangel an Erfahrung, mehr als einen Fehler gemacht.

Als Außenstehender kann man jedenfalls aus dem Erscheinungsbild der Mannschaft nur einen Schluss ziehen: Dass Christian Ziege nicht der Mann ist, aus einem inhomogen zusammengesetzten Team so viel herauszuholen, dass der Klassenerhalt gelingt.