Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Die neuen Leiden des alten Hoeneß

Klang fast schon ein bisschen weinerlich, jener Uli Hoeneß, der gestern auf Sky beklagte, Louis van Gaal lasse keine Meinung neben seiner eigenen gelten. Wer...

Klang fast schon ein bisschen weinerlich, jener Uli Hoeneß, der gestern auf Sky beklagte, Louis van Gaal lasse keine Meinung neben seiner eigenen gelten. Wer den Niederländer seit seinem Amtsantritt in München bei seinen diversen Auftritten beobachtet hat, kann sich darüber nicht wundern. Da wirkt er immer wie ein Mann, der allenfalls auf seine Frau hört, wenn sie ihm empfiehlt, welche Krawatte er umbinden soll. Und selbst daran zweifelt man noch ein wenig. Es fällt im übrigen auch schwer sich vorzustellen, dass er beispielsweise auf Christian Nerlinger hören sollte, der nun wirklich nicht die Statur von Uli Hoeneß hat, in keiner Hinsicht.

Erstaunlich ist allerdings, dass Hoeneß irgendwie verzagt und trotzig wirkte und nicht so kämpferisch und bulldozerhaft wie früher. Das hat bestimmt nicht nur mit der neuen Präsidentenrolle zu tun, auch in diesem Amt lässt sich, siehe Beckenbauer, ohne mühsam unterdrückte Larmoyanz agieren. Offenbar ist die Selbstgerechtigkeit van Gaals derart ausgeprägt, dass er sich nach der Vertragsverlängerung bis 2012, die Ende September beschlossen wurde, gar nichts mehr sagen lässt.

Die „One-Man-Show“, die Hoeneß monierte, war ja bislang seine eigene Veranstaltung gewesen, und nach genau einem Jahr als Präsident hat er wohl gemerkt, dass ihn das Amt ein wenig langweilt, weil ihm das staatsmännische Über-den-Dingen-Schweben des Kaisers eben nicht liegt, weil er lieber mit hochrotem Kopf und aufgekrempelten Ärmeln seine Kritik vorträgt.

Das allergrößte Problem des Uli Hoeneß ist jedoch, dass er vermutlich Recht hat mit seinen Anmerkungen zur Sache und zu den handelnden Personen. Denn die Art und Weise, wie van Gaal Demichelis, Gomez und Timoschtschuk ihre Entbehrlichkeit hat spüren lassen, um sie dann doch einsetzen zu müssen, weil die Ersatzbank leergefegt ist, kann auf  Dauer nicht funktionieren. Sie ist das asketisch-calvinistische Umkehrbild zur Personalfülle, für welche Felix Magath in Gelsenkirchen gesorgt hat – auch er, laut Hoeneß, eine „One-Man-Show“.

Und genau deshalb ist Uli Hoeneß eben so sauer: Weil er Recht hat und das einem ewigen Rechthaber nicht beibringen kann. Und wenn ich es mir genau überlege, klang er schon fast resigniert.