Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Werder Bremen und das Festhalten am Kurs

Unter den vielen Fehlern, die man beim Entscheiden machen kann, ist auch die sogenannte "Falle der versunkenen Kosten". In sie geht, wer an einem Projekt...

Unter den vielen Fehlern, die man beim Entscheiden machen kann, ist auch die sogenannte “Falle der versunkenen Kosten”. In sie geht, wer an einem Projekt festhält und noch mehr in es investiert, nur weil zuvor schon so viel in es investiert wurde. Und das mitunter, obwohl sich abzeichnet, dass es immer schlimmer wird. “Wir haben einmal damit angefangen, jetzt machen wir das auch weiter”, wird dann gesagt. Oder “Wir haben so viel hineingesteckt, das wäre doch jetzt dumm, die Sache abzubrechen.” Aber die versunkenen Kosten heißen so, weil man sie nicht wiederbekommt. In der Organisationstheorie spricht man auch von der “eskalierenden Bindung an einen Abwärtskurs” (escalating committment to a downward course of action).

Werder Bremen kommt langsam in diese Situation. Der Verein hält an Trainer Thomas Schaaf in rührender Treue fest. Aber vielleicht auch in gefährlicher Treue zur Erzählung “Wir sind der Verein, der zweinmal gut damit gefahren ist, an seinen Trainern festzuhalten”, in Rehagel-Treue gewissermaßen. Oder besser noch: aus der Erfahrung heraus, dass nach einem Trainer, der lange da war, damals lauter Trainer kamen, die nichts ausgerichtet haben (Aad de Mos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka und…Felix Magath). Die Vereinsgeschichte, in der seit Beginn der Bundesliga sowieso außer Rehagel und Schaaf nur Sepp Piontek länger als zwei Jahre Trainer war und ansonsten ein reger Wechsel unter den Übungsleitern herrschte, könnte so zur Belastung werden.

Denn schaut man sich die Saison an und schaut man sich die einzelnen Spiele an, dann kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass die Mannschaft jemanden braucht, der ihr das Verteidigen beibringen kann. Der ehemalige Verteidiger Schaaf kann es offenkundig nicht. Im heutigen Spiel gegen die Bayern zeigten sich, wie in der ganzen Spielzeit und zuletzt gegen Köln, abenteuerliche Abwehrschwächen. Ein Ball geht am eigenen Strafraum verloren – es stürzen sich sage und schreibe vier Bremer auf den einen Bayern, der ihn bekommt und darum eine schöne Auswahl an Abspielmöglichkeiten hat. Dem Eigentor von Mertesacker ging eine ganze Abfolge von Fehlern voraus. Die Bayern hatten Chancen für drei Auswärtssiege. Die Bremer Spieler träumen vor sich hin, haben unglaublich langsame Reaktionszeiten, stehen weit weg von ihren Gegnern, spielen die schlechteste Abseitsfalle der Liga, und fast jeder streut pro Spiel ein bis zwei komplette Aussetzer ein. Der einzige, der nicht überfordert wirkt, ist jetzt auch noch vom Platz gestellt worden. 

Das alles sieht nicht nach momentanem Pech oder einer “Durststrecke” aus, sondern nach einem Zerfallsstadium. Zwei Siege hintereinander hat es in dieser Saison erst einmal gegeben, und niemand kann sich mehr daran erinnern. Wenn morgen Stuttgart gewinnt, sind die fünf Mannschaften beieinander, die um die beiden anderen Abstiegsplätze neben Gladbach spielen werden. Und Bremen macht von all diesen Mannschaften derzeit den kläglichsten Eindruck. Vielleicht auch, weil dem Verein so viel Vergangenheit im Nacken sitzt.