Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Pulverfaß Hoeneß

Uli Hoeneß ist unterbeschäftigt. Das ist gefährlich. Die Saison ist zwar noch nicht gelaufen, aber nur wenn sie noch sehr gut für den FC Bayern läuft,...

Uli Hoeneß ist unterbeschäftigt. Das ist gefährlich. Die Saison ist zwar noch nicht gelaufen, aber nur wenn sie noch sehr gut für den FC Bayern läuft, kommt am Ende etwas gerade noch so eben Akzeptables für den FC Bayern heraus. Der neue Trainer steht fest. Die Einkäufe können jetzt noch nicht überblickt werden. Nicht einmal das Torwart-Thema, also der kleine Provokationsversuch Richtung Schalke, ist abendfüllend. Und über den eigenen Verein ist genug gesprochen worden, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Also hat Hoeneß kein echtes Thema, also holt Hoeneß aus: gegen den DFB und gegen Eintracht Frankfurt. Ein Trainingskick beim FC Bayern sei bedeutsamer als das Länderspiel gegen Australien. Und bei Christoph Daums Einstellung durch Frankfurt sei vielleicht „Pulver im Kaffee der Bundesliga“ gewesen.

Gegen die letztere Bemerkung spricht nicht nur die unbeholfene Metapher („Kaffee der Bundesliga“), sondern auch der fade Witz, den sie zu machen versucht. Stellt sich Hoeneß denn eine Art Sicherheitsverwahrung für Daum in ausländischen Ligen vor? Hat er einen konkreten Vorwurf? Oder hätte er gern, dass man die moralischen Aspekte im Leben des Herrn Ribéry dem FC Bayern als Beschäftigungsirrtum vorhält? Der Bruttler Hoeneß, um einen schwäbischen Ausdruck zu verwenden, hat landauf, landab höchste Wertschätzung. Unsere sowieso. Aber solche Ausfälle sind geeignet, sie wegzuwerfen. In der Causa Daum den schlechten Gewinner zu spielen, ist einfach nur schäbig, würdelos.

Die Motzerei gegen den DFB und seine Terminplanungen hat einen Hintergrund. Philipp Selldorf hat ihn in der „Süddeutschen Zeitung“ festgehalten: Im Mai wird nach Saisonende der Bundesliga die Mannschaft des FC Bayern aus den bekannten Gründen (Pokalfinale 21.Mai, Champions League Finale 28.Mai) in Urlaub fahren – außer diejenigen Spieler, die sich fit halten müssen, weil sie noch drei Wochen auf zwei EM-Qualifikationsspiele im Juni warten. Das wird Hoeneß erneut rot anlaufen lassen. Die Nationalmannschaft, werden wir hören, verletzt Vereinsinteressen. Aber auch hier wettert Hoeneß nicht gegen Irrtümer anderer Leute, wie er zu suggerieren versucht, sondern gegen unvermeidliche Reibungen zwischen zwei Terminkalendern. Will Hoeneß in Frage stellen, dass die Nationalmannschaft überhaupt spielt? Das wäre interessant bei jemandem, der seine Autorität nicht zuletzt darauf gründen konnte, mit der Nationalmannschaft erfolgreich gewesen zu sein. Oder will er vorschlagen, Matches gegen Aserbeidschan oder Australien wegen Geringfügigkeit nicht mehr zuzulassen?

Die klassische Literatur sah einen Zusammenhang zwischen Nachdenken und Muße. Wer Zeit hat, denkt besser, hieß es. Hoeneß widerlegt das gerade. Je weniger er zu tun hat, desto gedankenloser redet er.