Eins gegen Eins

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Real schlägt Barca – "El clásico", Akt II

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„Haben Sie geguckt? Das wird einem wohl nicht lange in Erinnerung bleiben", sagte mein Nachbar heute morgen, als wir uns auf der Straße trafen. Er meinte...

„Haben Sie geguckt? Das wird einem wohl nicht lange in Erinnerung bleiben“, sagte mein Nachbar heute morgen, als wir uns auf der Straße trafen. Er meinte natürlich das Finale um die Copa del Rey, und er ist ein Mann, der auf mehr als dreißig Jahre als Fußballtrainer in Deutschland, Österreich und der Türkei zurückblickt. Wir waren uns einig, dass Khedira eine ganz große Partie absolviert hatte, bissig, stark im Antizipieren, immer präsent, und dass es nicht der allergrößte Schachzug Mourinhos war, Özil durch Adebayor zu ersetzen.

Ich fürchte aber, man wird sich doch noch eine Weile an dieses Spiel erinnern, weil es gezeigt hat, wie Barcelona zu schlagen ist. Ich hatte ja schon nach dem ersten Akt des Clásico spekuliert, Mourinho suche nach der Formel, den Barca-Flow auszutrocknen. Gestern ist er dabei noch einen Schritt weitergekommen. Real war in der ersten Hälfte nicht nur aggressiv, sondern stellte die Räume fast perfekt zu, und wenn sie in der Vorwärtsbewegung Tempo aufnahmen, sah man auch, dass die Deckung von Barca durchaus verwundbar ist. Ganz lahmlegen lässt sich das Kombinationsspiel der Blaugrana natürlich nie, doch selbst als Real in der zweiten Hälfte tiefer stand, weil sie mit ihren Kräften beim Pressing haushalten mussten, sah man, wie schon am Samstag, dass Barcelona der Zug zum Tor fehlte – und die Weite des Spiels. Mich würde es, wie gesagt, nicht wundern, wenn Real Madrid nach dem dritten und vierten Akt ins Finale der Champions League einzöge, und sei es auch nur mit zwei Unentschieden und dem einen Auswärtstor mehr.

Überhaupt nicht auf der Höhe des Spiels war gestern nur das ZDF. Für ein Topspiel wurde bloß die zweite Garde aufgeboten – was nun nicht heißt, die erste Besetzung wäre der Sache besser gewachsen gewesen. Wolf-Dieter Poschmann ins Studio zu stellen, ist schon schlimm genug, man muss sich dann auch nicht wundern, wenn er am Ende verkündet, Real habe durch ein Tor in der Nachspielzeit gewonnen, nachdem er zuvor schon weitgehend sinnfrei vor sich hingefloskelt hatte. Aber Thomas Wark, der das Spiel kommentierte, war noch schwerer zu ertragen. Schon beim ersten Ballkontakt erkannte er selbst in der Nahaufnahme den Barca-Spieler nicht, was ihm auch im weiteren Spielverlauf noch häufiger passierte. Mehr als ein Dutzend Mal orakelte er, dass Iniesta oder Real oder Xavi oder Messi oder sonst wer „das Spiel nicht in den Griff bekommt“,  behauptete, Messi sei völlig untergetaucht, während der gerade zu einem Solo ansetzte, oder nörgelte am Schiedsrichter herum, um nach 120 Minuten dann feststellen zu müssen, dass der Mann mit seinem Laissez-faire-Stil gar nicht so falsch lag.

Man kann ja jeden Spruch fürs Phrasenschwein verzeihen – aber man sollte bei solchen Spielen doch Leute ans Mikrofon setzen, die auch in einer umkämpften Partie Spielübersicht behalten. Nach dieser Vorstellung kann es einem nur davor grauen, wenn das ZDF in der übernächsten Saison ein paar Champions-League-Spiele übertragen wird.


1 Lesermeinung

  1. Thomas Wark war echt schlimm,...
    Thomas Wark war echt schlimm, anfangs kam er überhaupt nicht damit zurecht, dass bei Sergio Busquets nur Sergio auf dem Rücken steht, und erklärte ihn so kurzerhand zu Sergio Ramos, der allerdings bei der gegnersichen Mannschaft spielt… Am besten war aber die Behauptung Mascherano habe Messi gefoult!

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