Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Zum letzten Spieltag: Was die Tabelle sagt

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Über Dortmund müssen wir jetzt gar nicht lange reden. Nur Barcelona hat in diesem Jahr in Europa eine bessere Meisterschaft gespielt, wenn man auch nur die...

Über Dortmund müssen wir jetzt gar nicht lange reden. Nur Barcelona hat in diesem Jahr in Europa eine bessere Meisterschaft gespielt, wenn man auch nur die Hälfte der Punkte (oder die Latten- und Pfostentreffer) dazuzählte, die der BVB hat liegenlassen, dann würde der Abstand zu allem anderen noch deutlicher. Der symbolischste Moment für das, was in Dormund los ist, war vielleicht Mario Götzes Tor gegen Hannover 96, als der unfassbar junge Spieler auf drei Verteidiger zuläuft, die eine Wand vor ihm bilden, und dann einfach den Ball durch die Wand hindurchspielt und hinterherläuft: https://youtu.be/u61rNIgcb3w 

Über Bayern München müssen wir auch nicht lange reden. Der Verein stand sich in Gestalt seiner drei bis fünf Alleinverantwortlichen selbst im Weg. Ein Trainer, der seine Spieler am liebsten auf  Positionen spielen ließ, die sie nicht mochten. Ein Vorstand und ein Präsidium, die das kommentierten, sich selbst kommentierten, wenn es nichts zu kommentieren gab die Gegner kommentierten oder die Nationalmannschaft, oder Heribert Bruchhagen, oder…

Lange müßte man reden über Hannover 96 – wenn man denn nur wüßte, was das denn war. Kann es uns jemand erklären? Könnten es Slomka und die seinen selber? Es kann doch nicht genügen, Mike Hanke zu verkaufen und schon ist man eine Spitzenmannschaft. Womöglich ist die abenteuerlich geringe Zahl an Unentschieden, nämlich drei, ein Schlüssel. Es ist kein Ligarekord, Hertha BSC wurde mal Fünfter mit zwei Unentschieden – und Köln wurde mal Vierter mit achtzehn, allerdings hatte die Liga damals 20 Vereine -, aber es spricht für einen ziemlichen Kampfstil. Trotzdem ist uns, wie gesagt, jeder Hinweis willkommen, wie diese Leistung zustande kam.

Worüber in dieser Saison am meisten geredet wurde, waren die Trainer. Es war die Saison der extremen Enttäuschungen und also der Trainerwechsel. Vom zehnten bis zum siebzehnten Platz haben alle Vereine, bis auf Bremen, den Trainer gewechselt; außerdem noch der dritte, der sechste und der achte. Köln und Stuttgart hatten gleich drei Trainer. Mitunter konnte man Schwierigkeiten haben, zu sagen wer wo gerade aufgebrochen ist um wo die Stelle wahrzunehmen, die der Kollege gerade in welcher Richtung noch mal verlassen hat? Sieht man von Leverkusen und vielleicht Freiburg einmal ab, so landete so gut wie jeder Verein auf einem Platz, den er sich vorher so nicht ausgemalt hat. Geld – siehe oben – schoß Tore, machte aber nicht genug Punkte. Nur vier Vereine haben mit einem Torverhältnis abgeschlossen, das sich zweistellig sehen lassen kann. So wenige waren es im letzten Jahrzehnt noch nie: auch das ein Indiz für die extremen Ergebnisse in dieser Saison.

Die 75 Punkte des BVB und die 45 Treffer Tordifferenz allerdings sind fast Meisterdurchschnitt; der lag in der vergangenen Dekade bei 73 Punkten und bei einer Tordifferenz von 39. Historisch breit war die Spitze nur 2000/2001, als zwischem dem Ersten und dem Siebten nur zehn Punkte lagen und die Bayern mit 63 Punkten Meister in jenem schrecklichen Jahr vor Schalke 04 wurden. Damit aber genug mit Tabellenstatistik, denn je mehr man nachrechnet, desto unabweisbarer wird, dass die Bayern nächstes Jahr wieder dran sind, rein statistisch gesehen. Aber vielleicht doch noch dies: Wenn die Kölner nur zuhause spielen dürften, wären sie Vizemeister. Und wenn Mainz nur auswärts spielen dürfte, wären sie in der Champions League (Für Buchhalter: denn dann hätten sie die Bayern ja zweimal geschlagen!).

PS: Wer sich jetzt fragt, wie man nur so emotionslos das Ende der Saison auf rein statistischer Basis kommentieren kann, den bitten wir um Nachsicht. Der Anhänger des SV Werder hat noch immer so ein Gefühl im Magen, das ihm sagt: Das hätte diesmal echt schiefgehen können. Flucht also aus der Fassungslosigkeit in Zahlenwelten. Aber wenn Werder nach dem Einkauf von Ekici jetzt noch Marin für zehn Millionen zu Liverpool transferiert, Mertesacker mal wieder verteidigt, Arnautovic so groß spielt wie seine Klappe ist, und Frings noch eine Weile den Karlheinz Körbel gibt, dann kann es doch eine richtig gute Saison 2011/12 werden…


1 Lesermeinung

  1. Das Die Unbeständigkeit das...
    Das Die Unbeständigkeit das Beständigste an dieser Saison war verwundert mich der Höhenflug von Hannover 96 keineswegs. Sie waren ein bißchen beständiger als diejenigen Mannschaften, die die Euro-League schon fest eingeplant hatten. So einfach wie diese Saison war das Erreichen eines internationalen Wettbewerbs schon lange nicht mehr.
    Insgesamt eine sehr interessante Saison mit einem überragendem Meister und vielen Vereinen, die sich jetzt fragen, was da in den letzten Monaten eigentlich passiert ist.

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