Eins gegen Eins

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Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Brands last Stand – Piefkes gegen Ösis im Handball

Lassen wir mal meine derzeitige Lieblinsrubrik beiseite. Sie steht in dem Magazin „Elf Freunde", heißt „Österreicher mit Supernamen" und zeigt...

Lassen wir mal meine derzeitige Lieblinsrubrik beiseite. Sie steht in dem Magazin „Elf Freunde“, heißt „Österreicher mit Supernamen“ und zeigt Sammelbildchen mit Spielern, die Knaller, Fleischacker oder Schleimer heißen. Und man freut sich schon auf das neue Heft. Beim Spiel in Wien neulich war nun gar nichts super, nicht mal die Namen der Österreicher; aber das Schicksal hat es gewollt, dass am Mittwochabend in Innsbruck schon wieder Österreich und Deutschland aufeinander trafen. Im Handball In Innsbruck. Und wer auf österreichische Live-Ticker schaute, merkte, wie heiß die Nachbarn waren, es den sogenannten Piefkes zu zeigen.

Ich habe dann, nachdem ich schon die Aserbeidschaner mit Supernamen gestern verpasst hatte, lieber Eurosport geschaut statt Liveticker, und es war von Anfang an klar, dass es schwer sein würde. Sehr schwer. Wie soll man Tore werfen, wenn der Gegner oben am Kragen des Trikots in Rot und Weiß den Schriftzug „Kronenzeitung“ stehen hat? Man traut sich ja nicht mal den Kreis zu betreten, in dem in riesiger rotweißer Schrift „Kronenzeitung“ steht. Das ist genau so schlimm, als würde auf den Trikots der deutschen Nationalmannschaft „Bild“ stehen. Nicht dass „Goldgas“ so toll wäre, aber es ist wenigstens eine saubere Angelegenheit. Wie soll man jedoch Tore werfen und gleichzeitig für eine der schmierigsten Zeitungen der Welt werben?

Die Deutschen bissen die Zähne zusammen, sie deklassierten die biederen Österreicher in der ersten Halbzeit, was durch das 15:8 nur unzureichend ausgedrückt wurde, und sie wurden dann leider überheblich, ließen sich von den handballerisch drittklassigen Ösis einschnüren, die bis auf zwei Tore herankamen, aber vermutlich auch dadurch entscheidend zurückgeworfen wurden, dass der Hallensprecher „Steht auf, wenn ihr Österreich seid“ einspielen ließ, weil die zusätzliche Silbe in „Österreicher“ musikalisch nicht mehr so recht gepasst hätte. Die Nachlässigkeit bekam den Deutschen nicht gut, weil sie alles andere als ein Überteam sind, aber sie zogen sich selbst aus dem Schlamassel, weil Silvio Heinevetter im Tor eine große Partie machte, weil Pascal Hens am Anfang und am Ende da war, wo er gebraucht wurde, und weil Heiner Brand das Auge für den richtigen Wechsel hatte. Kaufmann und Christophersen trafen, als sie kamen, und am Ende hatten die Piefkes acht Tore mehr.

Heiner Brand vollführte zwischendurch einen Veitstanz an der Seitenlinie, in seinem vorletzten Spiel, und man gönnt ihm nach 14 Jahren im Dienst, dass seine Mannschaft umsetzt, was er vorgegeben hat. Ein Mann, der als Spieler und Trainer so viel für den deutschen Handball getan hat, kann und darf nicht an Österreich scheitern. Und die Punkte gegen Lettland wird sein Team auch noch holen.

Brands Nachfolger werden es schwer haben, aber zumindest was Christian „Blacky“ Schwarzer angeht, den neuen Co-Bundestrainer, ist mir nicht bange. Er war ein ganz großer Spieler, und er war als Co-Kommentator des Spiels großartig. Großartig in seiner Nüchternheit, in seiner norddeutschen Trockenheit. Nichts von der Großmäuligkeit und Pseudo-Schnoddrigkeit des rundumtätowierten Stefan Kretzschmar. Schwarzer ist die Ruhe selbst. Einfach, analytisch, nennt er das Überzahlspiel der Deutschen, ohne im Geringsten die Stimme zu heben, eine „Katastrophe“, weil es eine Katastrophe war; sagt lakonisch, dass dem deutschen Tor ein Schrittfehler vorausging; sagt, nachdem Heinevetter glänzend pariert, aber den weiten Abwurf nicht an den Mann gebracht hat, dass er noch lernen müsse, die Ruhe zu bewahren; sagt quantitativ halb so viel wie der Kommentator und qualitativ doppelt so viel.

Nach 318 Länderspielen weiß er einfach, wie es geht. Und er wird auch wissen, wie man es den Spielern sagt. Spröde fast, trocken, präzise – und so ruhig und zwingend, dass jeder einsehen muss, dass er es beim nächsten mal besser machen muss. Denn man möchte nicht erleben, dass der Mann mal richtig sauer wird,